1,50 Meter geballtes Selbstbewusstsein

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Der Kreis Bochum hat gemeinsam mit Paderborn die meisten aktiven Fußballschiedsrichterinnen in Westfalen. SR-Aktuell-Autor David Hennig hat sich mit Nachwuchsschiedsrichterin Morena Biwo und Lehrwart Heiko Schneider über das nicht immer leichte Hobby und die gezielte Frauenförderung unterhalten.

Die 16-jährige Schiedsrichterin Morena Biwo kommt aus einer fußballbegeisterten Familie. „Den Fußball habe ich quasi in die Wiege gelegt bekommen“, sagt sie lachend. Dennoch hat sie nie aktiv im Verein vor den Ball getreten – lediglich ein halbes Jahr mit einer Mädchenmannschaft mittrainiert. Ein Freund ihres Vaters brachte die damals 14-jährige dann auf die Idee: Probier’s doch mal als Fußballschiedsrichterin. Gesagt, getan. Den Anwärterlehrgang meisterte sie schließlich souverän. „Morena war mit Abstand die Lehrgangsbeste und hat die Prüfung mit Bravour bestanden“, blickt Lehrwart Heiko Schneider zurück, der in seiner Nachwuchsschiedsrichterin eine absolute Sympathieträgerin sieht: „Sie ist nicht auf den Mund gefallen, schiebt sich aber auch nicht in den Vordergrund.“ Seit zwei Jahren ist Morena Biwo nun Schiedsrichterin für den VfL Bochum und leitet Spiele bis zu den A-Junioren. Mit einer Körpergröße von 1,50 Meter ist die 16-jährige jedoch nicht gerade die Größte. „So hoch wie eine Eckfahne eben“, scherzt sie. Oder anders: 1,50 Meter geballtes Selbstbewusstsein. Einen Nachteil sieht die Schiedsrichterin eben nicht darin. „Natürlich sagen viele auf den ersten Blick: ‚Die ist so klein, die schafft das nicht‘. Aber nach dem Spiel kommen häufig Zuschauer, Trainer und Spieler zu mir und sagen: ‚Das hätte ich Dir nicht zugetraut‘. So ein Lob ist dann besonders schön“, so Biwo. Sie hat gelernt sich durchzusetzen, mit guten Leistungen zu überzeugen. Dabei hat sie nicht nur mit Vorurteilen bezogen auf ihre Größe zu kämpfen: „Oft höre ich, dass Frauen im Fußball nichts zu suchen hätten – das steckt bei vielen noch in den Köpfen.“

Die Schiedsrichterinnen im Kreis Bochum sind ein starkes Team | Foto: Heiko Schneider
Die Schiedsrichterinnen im Kreis Bochum sind ein starkes Team | Foto: Heiko Schneider

Eine Einstellung, die die Verantwortlichen im Kreis Bochum gezielt ändern wollen. „Es ist schon besser geworden. Vor einigen Jahren wurden Schiedsrichterinnen angeschaut, als ob sie vom Mond kämen. Um das Bild aus den Köpfen zu kriegen, müssen Kreisvorstand, Vereine und Schiedsrichter eng zusammen arbeiten“, so Heiko Schneider. In Bochum hat der Frauenfußball bereits eine große Basis. „Wir haben im Hinblick auf die Werbung von Schiedsrichterinnen mächtig Dampf gemacht“, sagt der Lehrwart. Gezielt wurden die zahlreichen Vereine mit Frauen- und Mädchenmannschaften angesprochen, Schiedsrichterinnen ausbilden zu lassen. Mit Erfolg. Mittlerweile sind in Bochum 17 Schiedsrichterinnen aktiv, vier weitere haben sich zum nächsten Lehrgang angemeldet. „Dann sind es über zwanzig. Diese Marke zu knacken, war das Ziel des Kreisschiedsrichterausschusses“, erzählt Schneider. Damit stellt der Kreis Bochum in ganz Westfalen gemeinsam mit Paderborn die meisten weiblichen Unparteiischen. Was aber nur funktioniere, so der Lehrwart, wenn man den Frauen den entsprechenden Stellenwert einräumt. „Wir wollen jedoch keine Zweiklassengesellschaft“, stellt er heraus. Die Ausbildung sei gleich, doch ginge man intensiver auf die Bedürfnisse der Schiedsrichterinnen ein. Mit Silvia Danielsiek hat der KSA eigens eine Frauenbeauftragte installiert und führt regelmäßig zusätzliche Lehrgänge für Schiedsrichterinnen durch. „Frauen brauchen eine feste Ansprechpartnerin. Sie besprechen manche Themen nicht mit Männern – da ist es gut, sich von Frau zu Frau unterhalten und sich in der Gruppe austauschen zu können“, erzählt Schneider.

Die 16-jährige Morena Biwo ist im Juniorenbereich aktiv | Foto: David Hennig
Die 16-jährige Morena Biwo ist im Juniorenbereich aktiv | Foto: David Hennig

Die 16-jährige ist gern Woche für Woche auf den Fußballplätzen unterwegs: „Mein Hobby macht mir Spaß und jedes Spiel ist eine neue Herausforderung.“ Auch wenn sie bisher „nur“ in den Jugendspielklassen im Einsatz ist, hat sie eine klare Vorstellung über ihre Zukunft. „Natürlich träumt jede Schiedsrichterin von der Bundesliga. Aber im Vordergrund steht erstmal meine Ausbildung und der nächste Schritt in den Herrenbereich – und dann kann ich weiter durchstarten“, sagt die angehende Kauffrau für Büromanagement. Die notwendige Unterstützung durch ihren KSA ist ihr dabei sicher.

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David Hennig

ist als Schiedsrichter in der Oberliga Westfalen und in der Regionalliga als Assistent aktiv. In seinem Heimatkreis Herne ist er als Lehrwart tätig. Als ausgebildeter Redakteur arbeitete er mehrere Jahre im Bereich Public Relations, bevor er im April 2016 sein Studium der Fächer Deutsch und Geschichte mit dem Ziel Lehramt fortsetzte. Seit Januar 2009 ist er als Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit des Verbandsschiedsrichterausschusses für die Inhalte von Schiedsrichter-Aktuell verantwortlich.
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