FLVW und DEKRA sagen „Danke Schiri“

Jens Vieting, Leiter der DEKRA-Niederlassung Dortmund, Simone Horn, Beisitzerin des Verbandsschiedsrichterausschusses, Ulrich Jeromin, FLVW-Ehrenamtsbeauftragter, Luis Torres, Stephanie Poppe, Ismail Öztürk, Hermann Korfmacher, FLVW-Präsident, Michael Liedtke, Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses, und DFB-Schiedsrichter Sören Storks. | Foto: David Hennig
Jens Vieting, Leiter der DEKRA-Niederlassung Dortmund, Simone Horn, Beisitzerin des Verbandsschiedsrichterausschusses, Ulrich Jeromin, FLVW-Ehrenamtsbeauftragter, Luis Torres, Stephanie Poppe, Ismail Öztürk, Hermann Korfmacher, FLVW-Präsident, Michael Liedtke, Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses, und DFB-Schiedsrichter Sören Storks. | Foto: David Hennig

„Danke Schiri“ lautet das Motto der bundesweiten Aktion des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der DEKRA. Im Rahmen einer Ehrungsveranstaltung zeichnete der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen e.V. (FLVW) nun die drei Landessieger in der DEKRA-Niederlassung in Dortmund aus. Dabei erhielten zwei Spätstarter und ein wahres Organisationstalent ein besonderes „Dankeschön“: Luis Torres (Kreis Gütersloh), Ismail Öztürk (Kreis Soest) und Stephanie Poppe (Kreis Iserlohn) wurden für ihr vorbildliches Engagement im Schiedsrichterwesen ausgezeichnet.

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FLVW-Präsident Hermann Korfmacher lobte das Engagement der Unparteiischen. | Foto: David Hennig

„Danke“ ist ein Wort, das eigentlich nicht oft genug gesagt werden kann. Dennoch hört man es viel zu selten. Gerade Schiedsrichtern wird nicht gerade häufig für ihren Einsatz und ihr Engagement gedankt. Dies war an diesem Abend anders: Hier standen drei Unparteiische im Mittelpunkt, die ein „Dankeschön“ verdient hatten. Einen besonderen Dank richtete FLVW-Präsident Hermann Korfmacher an die drei Anwesenden: „Ohne Sie, ohne alle 5000 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter in Westfalen wäre unser geliebter Fußball gar nicht vorstellbar.“ In seiner Laudatio sprach Korfmacher von keinen einfachen Zeiten für die westfälischen Unparteiischen. Gerade die Bilder von wütenden Trainern und motzenden Spielern aus der Bundesliga ließen jegliche Achtung vor den Regelhütern verlieren, die aus Leidenschaft und Liebe zum Fußball Woche für Woche ehrenamtlich auf dem Feld stehen. „Das Verhalten der Profis am Samstag wiederholt sich auch am Sonntagnachmittag bei den Amateuren. Die Leidtragenden sind oft genug die Schiedsrichter“, so der Präsident. Umso wichtiger sei es, mit dieser Aktion die so wichtige Tätigkeit in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.

DEKRA unterstützt Aktion tatkräftig

Jens Vieting, Leiter der DEKRA-Niederlassung Dortmund, war an diesem Abend der Gastgeber. | Foto: David Hennig
Jens Vieting, Leiter der DEKRA-Niederlassung Dortmund, war an diesem Abend der Gastgeber. | Foto: David Hennig

Ein Anliegen, dass auch die DEKRA als Partner der DFB-Schiedsrichter gern tatkräftig unterstützt. „Neutralität, Sachverstand und Sicherheit – das sind die Werte, die sowohl bei DEKRA, als auch bei den DFB-Schiedsrichtern im Mittelpunkt stehen. Aber unsere Partnerschaft ist viel mehr als die Platzierung eines Logos, verbunden mit der entsprechenden Fernseh-Präsenz. So wirkt DEKRA an Kampagnen des DFB mit, um Schiedsrichter neu zu gewinnen und bei der Stange zu halten. Und wir tun das eben auch mit der Unterstützung der Aktion „Danke, Schiri! “, erklärte Jens Vieting, Leiter der Dortmunder DEKRA-Niederlassung.

„Die enorme Resonanz von der Basis zeigt: ja, wir möchten und wir müssen unseren Schiedsrichtern Danke für ihren tollen Einsatz sagen“, betonte Korfmacher. 26 von 29 westfälischen Kreisen haben jeweils eine Schiedsrichterin und zwei Schiedsrichter in den Kategorien „U50“, Ü50“ und „Schiedsrichterin“ nominiert. Dabei fiel die Auswahl der drei Landessieger nicht leicht. Denn aus allen Meldungen musste der Verbandsschiedsrichterausschuss (VSA) drei Landessieger auswählen:

Ein wahres Organisationstalent

Stephanie Poppe (re.) erhält ihre Urkunde aus den Händen von FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (li.). Auch Jens Vieting (Mitte), Niederlassungsleiter der DEKRA in Dortmund, gratulierte. | Foto: David Hennig
Stephanie Poppe (re.) erhält ihre Urkunde aus den Händen von FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (li.). Auch Jens Vieting (Mitte), Niederlassungsleiter der DEKRA in Dortmund, gratulierte. | Foto: David Hennig

Mit Stephanie Poppe aus dem Kreis Iserlohn zeichnete der VSA in der Kategorie „Schiedsrichterin“ ein wahres Organisationstalent aus: Die 30-jährige ist verheiratet und Mutter von zwei kleinen Kindern. „Ihre Geschichte ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man es tatsächlich schaffen kann, Schiedsrichtertätigkeit und Familie unter einen Hut zu bringen“, lobte Michael Liedtke, Vorsitzender des VSA. Die ehemalige Fußballerin musste vor neun Jahren ihre aktive Laufbahn krankheitsbedingt beenden, ließ sich aber durch ihren Ehemann – der ebenfalls als Schiedsrichter aktiv ist – zum „Pfeifen“ motivieren. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, nach der Babypause wieder auf den Platz zurückzukehren“, so Liedtke. Denn Familie, Beruf und Hobby zu vereinbaren, erfordert großes organisatorisches Geschick. Doch Poppe geht ihrem Hobby weiter vorwiegend im Juniorenbereich mit großem Engagement und viel Freude nach und steht gerade jungen Schiedsrichterinnen in ihrem Kreis als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Ein Schiedsrichter, der sein Hobby lebt

FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (li.) gratulierte Schiedsrichter Luis Torres (re.) aus seinem Heimatkreis. | Foto: David Hennig
FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (li.) gratulierte Schiedsrichter Luis Torres (re.) aus seinem Heimatkreis. | Foto: David Hennig

In der Kategorie Unter 50 wurde Luis Torres aus dem Kreis Gütersloh geehrt. „Wir haben mit Luis jemanden ausgewählt, der dieses Hobby nicht einfach nur ausführt, sondern tatsächlich lebt“, sagte Liedtke. Der 47-jährige leitet Spiele bis zur Kreisliga A und gehört eher zu den „Spätstartern“: Torres begann seine Schiedsrichterlaufbahn erst mit 35 Jahren. Auch Luis warf eine Krankheit aus der Bahn und ließ ihn um sein liebstes Hobby, den Fußball, bangen. Doch er kämpfte sich zurück, suchte einen Weg, am Ball zu bleiben. Als Unparteiischer startete er schließlich 2003 einen Neuanfang. „Er ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass es sich auch nach einer aktiven Laufbahn durchaus lohnt, den Blick in das Schiedsrichterwesen zu wagen“, betonte der Vorsitzende. Mittlerweile leitet Torres rund 80 Spiele im Jahr. Seine sympathische Art schätzen nicht nur seine Schiedsrichter-Kollegen, sondern auch alle, die auf dem Platz mit ihm umgehen: von den Spielern bis hin zu den Verantwortlichen.

Ein sympathischer Fairplay-Botschafter

Ismail Öztürk (3.vl.) nimmt die Glückwünsche von FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (2.vl.) entgegen. Jens Vieting (li.), Leiter der DEKRA-Niederlassung, und Michael Liedtke (re.) gehörten ebenfalls zu den Gratulanten. | Foto: David Hennig
Ismail Öztürk (3.vl.) nimmt die Glückwünsche von FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (2.vl.) entgegen. Jens Vieting (li.), Leiter der DEKRA-Niederlassung, und Michael Liedtke (re.) gehörten ebenfalls zu den Gratulanten. | Foto: David Hennig

Noch später kam der Sieger in der Kategorie „Über 50“ zur Schiedsrichterei: Ismail Öztürk aus dem Kreis Soest entschloss sich erst mit 51 Jahren Unparteiischer zu werden. Vor 10 Jahren legte er sein Amt als Vereinsvorsitzender nieder, wollte aber noch dem Fußball treu bleiben und etwas für seine Gesundheit tun. „Das ist für uns Schiedsrichter natürlich ein Glücksgriff gewesen“, so Liedtke. Die Jahre zuvor hatte Öztürk bereits viele verschiedene Funktionen im Fußball bekleidet: ob als Spieler, Trainer oder Vereinsfunktionär – der heute 61-jährige engagierte sich immer besonders in den Vereinen, für die er tätig war. Heute hat er sich das Ziel gesetzt, der Jugend etwas zurückzugeben. Dabei ist ihm der Fairplay-Gedanke besonders wichtig. „Dass er seine Spesen auch hier und da den Jugendabteilungen spendet, sei ebenfalls am Rande erwähnt“, verriet Liedtke. Diese Werte versucht Öztürk jungen Leuten bei seinen Spielleitungen zu vermitteln und begeistert mit seiner Art auch andere für das Schiedsrichterwesen. Dadurch hat er nicht nur neue Schiedsrichter gewonnen, sondern diese auch durch Lehrgang und bei ihren ersten Spielleitungen begleitet. „Damit ist Ismail nicht nur ein Schiedsrichter – sondern auch ein Vorbild und sympathischer Fairplay-Botschafter mit einem Herz für die Jugend“, lobte der Vorsitzende.

„Wir haben heute drei sehr bescheidene Unparteiischen kennengelernt, für die ganz andere Dinge im Vordergrund stehen und eben nicht sie selbst. Das ist vorbildlich und tut dem Schiedsrichterwesen gut“, sagte Liedtke. Auf Poppe, Torres und Öztürk wartet nun noch ein weiteres Highlight: Sie werden den FLVW im Mai in Hannover auf der Ehrungsveranstaltung des DFB vertreten.

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Kreis 1 sagt „Danke Schiri“

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Drei Unparteiische zeichnete der Fußballkreis Ahaus/Coesfeld im Rahmen der gemeinsamen Aktion „Danke, Schiri“ von DFB und DEKRA aus. Verena Brunstermann-Jasper und Paul Roling erhielten am Montag bei der März-Schulung in Lette aus den Händen des Kreisvorsitzenden Willy Westphal und des Schiedsrichterchefs Christoph Hanck die Urkunden und Schiedsrichter-Trikots mit dem DFB-Emblem. Uwe Doods soll die Ehrung nachträglich in Empfang nehmen.

In den Kategorien „Schiedsrichterin“, „Schiedsrichter unter 50 Jahre“ und „Schiedsrichter über 50 Jahre“ fiel die Wahl des Kreisschiedsrichterausschusses auf langjährige Unparteiische. „Wir wollen damit Danke für das langjährige ehrenamtliche Engagement sagen“, so der Christoph Hanck. Bewusst ausgewählt wurden drei Schiedsrichter, die aktuell nicht in höherklassigen Ligen pfeifen, sondern sich über Jahrzehnte für die Schiedsrichter-Zunft einsetzen.

Eine der ersten Frauen im Fußballkreis

Der Kreisvorsitzende Willy Westphal (l.) und der Schiedsrichterchef Christoph Hanck (r.) gratulierten Verena Brunstermann-Jasper zur Auszeichnung. | Fotos: Rupert Joemann
Der Kreisvorsitzende Willy Westphal (l.) und der Schiedsrichterchef Christoph Hanck (r.) gratulierten Verena Brunstermann-Jasper zur Auszeichnung. | Alle Fotos: Rupert Joemann

Die 47-jährige Verena Brunstermann-Jasper (GW Hausdülmen) leitet bereits seit 25 Jahren Spiele. Damit ist sie eine der ersten Frauen im Fußballkreis überhaupt gewesen, die den Schritt in die bis dahin rein Männer dominierte Schiedsrichter-Szene wagten. Bereut hat sie es keinesfalls. Und mithalten kann sie auch heute noch mit den meisten jüngeren Kollegen. Beim letzten Refeeres Run in Borgholzhausen lief Brunstermann-Jasper die zehn Kilometer in 53 Minuten. Damit war sie schneller als so manch männlicher Ober- und Landesliga-Schiedsrichter. Die Begeisterung fürs Pfeifen hat sie an ihren Sohn Henrik weitergegeben, der mittlerweile auch in der Kreisliga A aktiv ist.

Ein echtes Urgestein

Mit Paul Roling (SG Coesfeld) zeichnete der Schiedsrichterausschuss ein echtes Urgestein aus. Nach 47 Jahren als Schiedsrichter auf dem Platz beendete der 76-Jährige vor Kurzem seine Laufbahn. Bis in die Verbandsliga hatte es Roling früher gebracht und gehörte damit zu den absoluten Spitzenschiedsrichtern des Kreises. „Paul ist allen im Kreis ein Begriff“, lobten Westphal und Hanck den Geehrten. Noch heute gibt er seine Erfahrungen auf stets unterhaltsame, aber dennoch sehr kompetente Art und Weise an die jüngeren Kollegen weiter. Dass er immer für einen Spaß zu haben ist, zeigte Paul Roling auch Montag. Er zückte eine Schiripfeife aus der Tasche. „Das war 1968 meine allererste Pfeife“, sagte Roling grinsend und pfiff einmal laut.

Paul Roling wurde bei der DFB-Aktion "Danke, Schiri" geehrt. Er ließ es sich nicht nehmen, noch einmal in seine allererste Pfeife aus dem Jahr 1968 zu pfeifen.
Paul Roling wurde bei der DFB-Aktion „Danke, Schiri“ geehrt. Er ließ es sich nicht nehmen, noch einmal in seine allererste Pfeife aus dem Jahr 1968 zu pfeifen.

Jungen Schiedsrichtern Erfahrungen weitergeben

Gar nicht mehr im Kreisgebiet wohnend, aber dennoch immer noch fürs hiesige Schiedsrichter-Wesen aktiv ist Uwe Doods (SuS Hochmoor). Der 45-Jährige, der in Hamm lebt, ist weiter als Beobachter auf den Plätzen aktiv. Er selbst pfiff Spiele bis zur Oberliga und klopfte an die Regionalliga-Tür an, der damals dritthöchsten Liga. Jetzt konzentriert sich Uwe Doods darauf, seine Erfahrungen als Schiedsrichter-Assistent an die Nachwuchs-Schiedsrichter weiterzugeben. „Viele, die in den letzten Jahren aufgestiegen sind, hatten Uwe mit im Team – ich selbst auch schon vor zehn Jahren“, weiß Kreisschiedsrichterwart Christoph Hanck um die Qualitäten Doods. Mit seinem souveränen Auftreten und seiner Autorität an der Seitenlinie hält der erfahrene Doods den jungen Schiedsrichtern den Rücken frei. Diskussionen von außen unterbindet er so frühzeitig. Dass er weiß, wovon er spricht, zeigt sich schon daran, dass er selbst Lehrwart im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld war.

Der Austausch mit den Nachbarn

Der Austausch mit den Nachbarn

Beim zweitägigen Schiedsrichter-Symposium Anfang September im SportCentrum Kamen•Kaiserau ging es international zu: Neben Schiedsrichter-Funktionären aus Deutschland nahmen auf Einladung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Sports for Europe gGmbH auch Gäste aus den deutschsprachigen Nachbarländern teil: Vertreter aus der Schweiz, Belgien, Liechtenstein, Österreich, den Niederlanden und Luxemburg kamen mit Schiedsrichter-Obleuten aus den Landesverbänden sowie Vertretern der Arbeitsgruppe Schiedsrichter-Entwicklung zusammen.

In den Gruppendiskussionen herrschte reger Austausch zu den einzelnen Themenbereichen. | Foto: David Hennig
In den Gruppendiskussionen herrschte reger Austausch zu den einzelnen Themenbereichen. | Foto: David Hennig

Bei der gemeinsamen Tagung ging es vor allem darum, sich über die Entwicklungen im Schiedsrichter-Wesen auszutauschen und aktuelle Problemstellungen zu diskutieren. „Wir haben 2,1 Millionen Menschen in Deutschland, die als Spieler auf dem Platz stehen. Denen stehen 66.000 Schiedsrichter zur Verfügung, die aktiv Spiele pfeifen“, sagte der für den Amateurfußball und Schiedsrichterbereich zuständige DFB-Direktor Willi Hink. Er machte deutlich, dass sich die Bemühungen in der Vergangenheit viel zu stark auf den Profi-Bereich konzentriert haben. 95 Prozent machen die Akteure an der Basis aus. Es gäbe, so der DFB-Direktor, schließlich viele Philosophien des Schiedsrichter-Tuns.

Dies wurde auch bei einem Blick auf den Status quo in den anderen europäischen Ländern schnell deutlich, den die internationalen Vertreter in kurzen Vorträgen präsentierten. Hier zeigten sich teils gewaltige Unterschiede in der Struktur, der Größe und der Organisation des Schiedsrichterwesens. „Der Austausch war in mehrerer Hinsicht sehr hilfreich: Er gab uns die Möglichkeit, zu verstehen, wie das Schiedsrichterwesen in anderen Ländern organisiert ist. Dabei hat sich gezeigt, dass uns alle die gleichen Themen beschäftigen“, sagte der belgische Vertreter Pascal Engels.

In Gruppenarbeiten wurden diese Themen schließlich gemeinsam mit allen Teilnehmern näher betrachtet. So beispielsweise der Themenbereich „Betreuung von Schiedsrichtern, Schiedsrichter als Sportler, Erhaltung und Verabschiedung“. In seiner Einführung in die Gruppenarbeitsphase sagte Hink: „Ein respektvoller Umgang mit denen, die aufhören wollen, ist ein ganz wichtiges Zeichen für Aktive.“ Denn die Verabschiedung könne auch zugleich eine Gewinnung für das Ehrenamt sein. Schiedsrichter könnten in unterschiedlichen Funktionen nach ihrem Ausscheiden an die Gruppe gebunden werden. Grundsätzlich müsse dazu jedoch der Kontakt und die Kommunikation zwischen den Schiedsrichtern und den jeweiligen Verantwortlichen verbessert werden. Auch könne der Gruppenzusammenhalt durch erhöhte Wertschätzung einzelner Schiedsrichter und Gruppen sowie durch gemeinschaftliche Aktivitäten gesteigert werden. Denn schließlich sei die Schiedsrichter-Tätigkeit mehr, als nur Spiele zu leiten.

Helmut Geyer (li.), Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission Amateuere, im Gespräch während der Gruppendiskussion. | Foto: David Hennig
Helmut Geyer (li.), Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission Amateuere, im Gespräch während der Gruppendiskussion. | Foto: David Hennig

Um nachhaltig für die Schiedsrichtertätigkeit zu begeistern, befassten sich die Teilnehmer unter dem Punkt „Gewinn von Schiedsrichtern, Image und Werbung“ mit der Eigen- und Fremdwahrnehmung der Unparteiischen und entwickelten Maßnahmen zur Werbung und Imageverbesserung. Besonders die Gewinnung von Schiedsrichterinnen stand hier im Fokus. „Der Frauenbereich ist ein Wachstumsmarkt im Fußball – hier müssen sich auch die die Schiedsrichter besonders engagieren“, sagte Wolfgang Mierswa, Mitglied der DFB-Schiedsrichterkommission Amateure. Dabei wurde deutlich, dass eine finanzielle und materielle Unterstützung durch den Verband gewährleistet sein müsse, um entsprechende und zielgruppenorientierte Kommunikationsmaßnahmen intern wie extern anzustoßen. Individuelle Maßnahmen auf lokaler Ebene im Dialog mit den Vereinen seien aber weiterhin unersetzlich, um neue Schiedsrichter zu gewinnen. „Interessant ist, dass die Probleme in allen Regionen und Ländern ähnlich gelagert sind. Insbesondere die Schiedsrichterrekrutierung und -erhaltung, aber auch der Mangel an weiblichen Spielleiterinnen waren Schwerpunkte, welche sich wie ein roter Faden durch alle Diskussionsrunden zog“, stellte Charles Schaack aus Luxemburg fest.

Dieses Thema spielte auch beim nächsten Schwerpunkt eine Rolle: bei der Organisation und der Struktur des Schiedsrichterbereichs sowie die Zusammenarbeit mit anderen Gruppen. Hier standen besonders die Zugehörigkeit des Schiedsrichters zu einem Verein und die Pflichten der Vereine im Fokus. Einigkeit bestand darin, die Vereinsbindung der Unparteiischen erhalten bleiben muss. „Die Vereine können aus der Verpflichtung nicht entlassen werden“, betonte Horst Ebel aus dem Württembergischen Fußballverband. Auch Helmut Geyer, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission Amateure, pflichtete dem bei: „Es ist nach wie vor ein gutes Instrument.“ Doch die Betreuung durch die Vereine müsse besser werden. Auch wenn es in vielen Vereinen bereits praktiziert wird, so sollte das Konstrukt des Vereinsschiedsrichterbeauftragten weiter ausgebaut werden. Als Bindeglied zwischen Verein und Schiedsrichter-Bereich steht dieser als Ansprechpartner für Fragen zur Verfügung und könne ein Auge auf das Schiedsrichter-Soll des jeweiligen Vereins haben. „Diese Institution ist jedoch nur so gut, wie die Person, die es macht“, sagte Geyer und appellierte an eine bessere Kommunikation zwischen Schiedsrichterverantwortlichen und den Vereinen.

Der Schweizer Vertreter Markus Bissig machte seinen Standpunkt deutlich. | Foto: David Hennig
Der Schweizer Vertreter Markus Bissig machte seinen Standpunkt deutlich. | Foto: David Hennig

Unter der Überschrift „Ausbildung, Weiterbildung, Informationsbereitstellung“ stand besonders die Qualität der Schiedsrichter-Anwärter im Zentrum der Diskussionen. Einig waren sich die Teilnehmer, dass diese vor der reinen Quantität gehen müsse. „Die ‚Soll-Erfüller‘, die dem Druck des Vereins nicht standgehalten haben, schaden dem Image des Schiedsrichters oftmals mehr als dass sie dem Schiedsrichterwesen helfen“, sagte Gundolf Walaschewski, der ehemalige Vorsitzende des Verbandsschiedsrichterausschusses des FLVW. Um die Schiedsrichter-Ausbildung attraktiver zu gestalten und den „Praxisschock“ zu minimieren, sprachen sich die Teilnehmer ebenfalls dafür aus, den Praxisanteil zu erweitern und die neuen Unparteiischen schneller auf den Platz zu lassen. Dabei spielten E-Learning zur Verkürzung der Präsenzzeiten und auch die Betreuung der Neulinge durch qualifizierte Paten eine wesentliche Rolle.

„Der Blick über die Nationalverbandsgrenzen hinweg war sicherlich hochinteressant. Aber es war ebenso wichtig, dass sich die 21 Landesverbände auf DFB-Ebene austauschen, denn auch hier gibt es aufgrund der unterschiedlichen strukturellen Voraussetzungen höchst unterschiedliche Vorgehensweisen, beispielsweise in den Bereichen Ausbildung oder Talentförderung“, sagte Helmut Geyer. Über die Ergebnisse des Symposiums zeigten sich Teilnehmer und Verantwortliche zufrieden. Ziel ist es nun, auf Grundlage der Ergebnisse konkrete Handlungsfelder der Schiedsrichter-Entwicklung in den DFB-Masterplan 2016 bis 2019 aufzunehmen.

Aus Traum wird Realität

Aus Traum wird Realität

Die Freude hätte im Endeffekt kaum größer sein können. Für seine Leistungen auf einem konstant hohen Niveau wurde Sören Storks (VfL Ramsdorf, Kreis Recklinghausen) letztlich mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga belohnt – und ist nun auf einer noch größeren Fußballbühne unterwegs.

„Ich musste mich erstmal hinsetzen, als der Anruf kam“, erinnert sich Storks. Inzwischen hat der 28-Jährige die erfreuliche Nachricht auch voll realisiert – wenn auch mit etwas Anlauf. „Das hat schon ein paar Tage gedauert“, ergänzt er lachend. Unterhaching, Chemnitz und Kiel waren nur wenige der Orte, in denen sich Storks in der dritten Liga gut präsentierte. Seit 2013 pfeift er in der Dritten Liga, zu diesem Zeitpunkt erfolgte auch die Nominierung für die 2. Bundesliga als Schiedsrichter-Assistent. Zur neuen Spielzeit also reist Storks unter anderem nach Freiburg, Kaiserslautern und Nürnberg – jetzt aber als Mann an der Pfeife. „Zunächst gilt es, erstmal in der neuen Liga anzukommen“, äußert Storks vorsichtig, aber realistisch. „Danach wird man sehen, was möglich ist, aber um das einzuschätzen, ist es einfach noch zu früh.“

Erstliga-Luft hat Storks allerdings durchaus schon geschnuppert: Das mit 30.000 Zuschauern ausverkaufte Testspiel zwischen dem VfL Bochum und Borussia Dortmund stand unter seiner Leitung, ebenso das Ersrtundenmatch im DFB-Pokal zwischen dem Regionalligisten SV Elversberg und dem FC Augsburg aus der deutschen Beletage. Storks sagt: „Das Spiel in Bochum war mein Highlight der Vorbereitung. Es ist schon was Besonderes, wenn man vor ausverkauftem Haus so ein Ruhrderby leiten darf.“

Gelungener Einstand

Sören Storks in der letzten Saison während der Oberliga-Begegnung ASC Dortmund gegen Westfalia Herne | Fotos: Heike Derbort
Sören Storks in der letzten Saison während der Oberliga-Begegnung ASC Dortmund gegen Westfalia Herne | Fotos: Heike Derbort

Etwas Besonderes war auch der erste Einsatz als Schiedsrichter-Assistent in der Bundesliga: An der Seite von Sascha Stegemann feierte Storks in der Partie Hertha BSC gegen Werder Bremen (1:1) am 2. Spieltag einen gelungenen Einstand. „Das war Gänsehaut pur. Und die Anspannung hat sich auch nach und nach gelöst.“ Dass das Spiel insgesamt gut gelaufen ist, rundet das Wochenende passend ab.

Nach dem altersbedingten Ausschied Thorsten Kinhöfers (Kreis Herne) ist Storks gemeinsam mit Thorben Siewer (Kreis Olpe) das neue westfälische Aushängeschild. Schritt für Schritt hat sich der sympathische Blondschopf hochgearbeitet, viel Arbeit und Zeit investiert, um dort anzukommen, wo viele junge Referees heimlich hin schielen. Dem Bezirksliga-Aufstieg im Jahre 2007 folgte prompt der Sprung in die Landesliga und später auch in die Oberliga. Und ehe er sich versah, landete Storks schon auf der DFB-Liste. „Ich denke, dass jeder Schiedsrichter auf Verbandsebene bereits einmal davon geträumt hat, im professionellen Bereich aktiv zu sein. Aber Druck sollte man sich nicht machen, denn geht man mit Druck in die Spiele, dann funktioniert es meistens nicht.“ Mit jedem Aufstieg, so der Ramsdorfer, werde der Sprung in den Profibereich persönlich greifbarer.

Wenn es zeitlich passt, ist der 28-Jährige aber auch auf Verbandsebene immer mal wieder aktiv. Die Umstellung fällt ihm dabei relativ leicht. „Je höher du kommst, desto körperlich robuster ist das Spiel. Man muss sich da vielleicht ein bisschen anpassen, damit alle zufrieden sind.“ Die Anpassung scheint gut zu gelingen. „Zumindest hielten sich die Beschwerden bislang in Grenzen“, so Storks lachend.

Zeitintensive Tätigkeit

Trotz des anhaltendes Erfolges gibt es auch ein Leben außerhalb der Pfeiferei – und auch Storks, mittlerweile Zimmerermeister, muss es irgendwie schaffen, seine zeitintensive Tätigkeit mit dem Berufsleben in Einklang zu bringen. „Die Kombination klappt gut, weil ich mir meine Arbeit inzwischen selbst einteilen kann. Das funktioniert aber nur, wenn der Arbeitgeber dich unterstützt und dir die Kollegen auch mal den Rücken freihalten“, so Storks. Die tägliche Arbeit ist es aber auch, die ihn im sportlichen Höhenflug immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Im Normalfall, so der Ramsdorfer, gehe das ganz schnell. „Um 5 klingelt der Wecker und dann gehe ich arbeiten – wie jeder andere auch. Ich halte es für wichtig, auch mal andere Sachen als Fußball im Sinn zu haben.“

Es ist also alles angerichtet für ein erfolgreiches Debüt in der neuen Liga. Storks „Ich stehe in den Startlöchern und bin gewappnet. Es kann losgehen.“ Vier Spieltage musste er warten – am fünften Spieltag folgt das Debüt: Der Schiedsrichter der Begegnung FSV Frankfurt gegen FC St. Pauli (Sonntag, 13.30 Uhr auf Sky) heißt Sören Storks.

DFB-Schiedsrichter treffen sich in Kaiserau

DFB-Schiedsrichter treffen sich in Kaiserau

In der vergangenen Woche kamen die Spitzenschiedsrichter des FLVW auf Einladung des Verbandsschiedsrichterausschusses (VSA) im SportCentrum Kamen-Kaiserau zusammen. Hierbei stand neben dem fachlichen Austausch besonders der persönliche Kontakt im Vordergrund.

Seitdem Michael Liedtke, der Vorsitzende des VSA, vor zwei Jahren seine Amtszeit angetreten hat, treffen sich der VSA und die DFB-Schiedsrichter regelmäßig. „Ich habe den Eindruck, dass diese Treffen gut angenommen werden. Es ist auch ein kleiner Akt der Wertschätzung“, sagt Liedtke. Schließlich dürfe der VSA durchaus Kontakt zu seinen Spitzenkräften haben. Im ‚Tagesgeschäft‘ gibt es schließlich kaum Berührungspunkte. Der Kontakt beschränkt sich meistens auf Telefonate, E-Mails und Whatsapp-Nachrichten. Umso wichtiger ist es Westfalens Schiedsrichter-Chef, wenigstens ein Mal im Jahr zusammenzukommen, Erfahrungen auszutauschen und über aktuelle Schwerpunkte und Regelauslegungen zu sprechen.

So sollen in dieser Saison gerade das Halten und Zerren im Strafraumbereich rigoroser geahndet werden. Auch beim Torwartspiel werden die DFB-Schiedsrichter in dieser Saison genauer hinschauen. Ein weiterer Schwerpunkt war die Kommunikation innerhalb der Teams. „Auch die Schiedsrichter werden immer mehr dafür sensibilisiert, dass die Assistenten Hilfestellung brauchen – auch beim Abseits“, sagte Bundesliga-Assistent Christian Fischer. Dies sei gerade bei verlängerten Bällen der Fall oder wenn das Spielgerät vom Gegner kommt. „Eben in allen Situationen, in denen es zweifelhaft sein könnte“, so Fischer. Michael Liedtke brach dies auf die Amateurspielklassen hinunter, in denen auf diese Art nicht kommuniziert werden kann. Hier gestaltet sich eine mögliche Unterstützung deutlich schwieriger. „Der Schiedsrichter kann hier seine Assistenten höchstens mit einem Handzeichen unterstützen. Das sollte in der Absprache vor dem Spiel auf jeden Fall thematisiert werden“, riet der Vorsitzende. Dennoch: Ein wichtiger Aspekt für die Schiedsrichter, die zukünftig an den DFB-Bereich herangeführt werden sollen.

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