„Ich würde nicht viel anders machen“

„Ich würde nicht viel anders machen“

Er galt bis zuletzt als einer der loyalsten Schiedsrichter im Verband: Thomas Altgeld war immer mit Leib und Seele dabei. Insgesamt 17 Jahre war der Referee des TuS Stockum aktiv an der Pfeife, zuletzt in der Regionalliga West. Damit war er der klassenhöchste Schiedsrichter im Kreis Bochum. Auf eigenen Wunsch beendete Altgeld im Sommer seine aktive Laufbahn. Im Interview mit Leonidas Exuzidis spricht der 35-Jährige über seine langjährige Erfahrung und seine ungewohnte Freizeitplanung.

Thomas Altgeld im Regionalliga-Einsatz in Kray | Foto: David Hennig
Thomas Altgeld im Regionalliga-Einsatz in Kray | Foto: David Hennig

Thomas, seit dem Sommer hast Du sonntags in der Regel frei. Was machst Du da um 15 Uhr?

Altgeld: (lacht) Das ist eine gute Frage, schwierig zu beantworten. Aber Langeweile ist bislang noch nicht aufgekommen. Man holt vieles nach, was aus zeitlichen Gründen zuvor etwas kürzer treten musste. Ganz klassische Dinge, wie etwa Freunde treffen, mit der Familie etwas unternehmen oder auch mal nur etwas entspannen.

Wie sehr fehlt Dir die Tätigkeit als Schiedsrichter, wie sehr genießt Du jedoch auch die freie Zeit?

Naja, darüber kann ich seit dem Sommer kaum nachdenken, da ich jede freie Minute – sonntags ausgenommen – in meinen Hausumbau investiere. Freie Zeit bleibt somit aus. Manchmal denkt man aber schon darüber nach, wie es war und welch tolle Erinnerungen haften bleiben.

Dein letztes Spiel war das Endspiel des Verbandspokals zwischen Verl und Lotte, das sogar im Fernsehen übertragen wurde. Hätte es ein schöneres Ende geben können?

Nein! Das war ein echtes Erlebnis zum Abschluss.

Blicken wir 17 Jahre zurück: Erinnerst Du Dich noch an die Anfangszeit als Schiedsrichter?

In Bruchstücken, ist ja schon ein paar Jahre her …(lacht). Wenn man Fotos aus alten Tagen sieht, dann ist es schon sehr amüsant, wie man gestartet ist.

Thomas Altgeld (Mitte) mit seinen Assistenten Marcel Brinkpeter (li.) und Claas Steenebrügge (re.) | Foto: David Hennig
Thomas Altgeld (Mitte) mit seinen Assistenten Marcel Brinkpeter (li.) und Claas Steenebrügge (re.) | Foto: David Hennig

Was war letztlich entscheidend für eine so erfolgreiche Karriere?

Ich war immer mit viel Spaß und Freude an der Sache dabei. Als junger Schiedsrichter habe ich stets versucht, mir etwas von den „Großen“ abzuschauen. Was letztlich zu mir passte, habe ich auch in meinen Spielleitungen umgesetzt.

Was hat Dich in der langen Zeit besonders geprägt?

Die Kameradschaft und die vielen guten Freundschaften, die auch jetzt noch privat halten.

Angenommen, Du könntest die Reset-Taste drücken: Was würdest Du rückblickend anders machen?

Das ist wirklich schwer zu sagen. Aus jedem Spiel habe ich versucht, immer etwas Gutes mitzunehmen und dadurch besser zu werden. Ich würde grundlegend nicht viel anders machen – denn mit meiner Laufbahn als Schiedsrichter bin ich sehr zufrieden.

Lieber Thomas, vielen Dank für das Interview.

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Einfach Spaß am Futsal haben

Einfach Spaß am Futsal haben

In lockerer Atmosphäre trafen sich am vergangenen Samstag die Futsal-Schiedsrichter des FLVW im SportCentrum Kaiserau zum Lehrgang. Themen waren das Futsal-Regelwerk, praktische Tipps und die Teamarbeit in der Halle. Dabei entwickelten sich nicht selten rege Diskussionen. Thorsten Kaatz, Beauftragter für Futsal des Verbandsschiedsrichterausschusses, führte dabei durch den Lehrgang. SR-Aktuell-Redakteur David Hennig hat sich mit dem westfälischen Futsal-Experten unterhalten.

Thorsten, Du sagtest heute: „Ziel ist es, dass die Leute Spaß am Futsal haben.“ Welche Rolle spielen hier aus Deiner Sicht die Schiedsrichter?

Wie auch auf dem Feld können die Schiedsrichter eine entscheidene Rolle spielen, positiv wie negativ. Ich kann draußen das Spiel kaputt pfeifen, ich kann das Futsalspiel kaputt machen. Wenn wir heute die Schiedsrichter auf dem Feld in vielen unterschiedlichen Bereichen schulen, wie in der Körpersprache oder auch im taktischen Verhalten, so kann man sehr viel davon in den Bereich Futsal übertragen. Ein Lehrgang für Futsalschiedsrichter besteht auf den verschiedenen Ebenen nicht mehr nur aus einem Vermitteln von Regeln, sondern sie werden genauso geschult wie die Feldschiedsrichter. Aber ein Punkt ist mir bei diesem Satz besonders wichtig: Schiedsrichter lernen auf ihren Lehrgängen, vorausschauend einzugreifen. Ich möchte das bei den Futsalschiedsrichtern auch.

Hast Du ein Beispiel?

Nichts ist schlimmer und macht den Sport unattraktiv, wenn gerade Mannschaften, die erst wenige Male Futsal gespielt haben, von Schiedsrichtern gegängelt werden. Wenn der Schiedsrichter dreimal einen falschen Einkick moniert, ist das langweilig. Wenn ich sehe, dass der Ball falsch liegt oder das Standbein bereits im Feld ist, dann kann der Schiedsrichter den Spieler darauf aufmerksam machen, zumal er beim Einkick neben dem Spieler steht. Da sind wir bei einem weiteren Punkt der auch für Feldfußballschiedsrichter gilt: Kommunikation ist wichtig.

Thorsten Kaatz referiert beim Lehrgang für Futsal-Schiedsrichter in Kaiserau. Foto: David Hennig
Thorsten Kaatz referiert beim Lehrgang für Futsal-Schiedsrichter in Kaiserau. Foto: David Hennig

Zeitweise fallen bei Schiedsrichterkollegen Sätze, wie: „Wenn Deine Karriere vorbei ist, kannst Du immernoch Futsal-Schiedsrichter werden.“ Was hältst Du von solchen Aussagen und was macht für Dich den Reiz aus, Futsal-Spiele zu leiten?

Von solchen Sätzen halte ich nicht viel. Ich denke, Futsal wird sich in der nächsten Zeit in zwei Richtungen entwickeln. Zum Einen haben wir den Hallenfußball im Winter, der in Zukunft sehr futsalähnlich sein wird und zum Anderen wird der Spielbetrieb sich im Futsal weiterentwickeln. Wir werden wie im Feldfussball einen Spielbetrieb auf Kreis-, Landes-, Regional- und Nationalebene haben, sicherlich mit dem Ziel, auch international konkurrenzfähig zu sein. Entsprechend werden aus den Kreisschiedsrichtern die Verbandsschiedsrichter, aus denen die Regionalschiedsrichter und aus denen wird sich der DFB seine Topleute auswählen. Aus diesem Kreis kommen dann die Schiedsrichter der FIFA-Liste. Das entspricht einer Entwicklung, wie wir sie aus dem normalen Fußball her kennen. Ich selber denke in zwei Richtungen: Jeder Schiedsrichter ist mir willkommen. Auch der, der nach seiner Karriere auf dem Feld erst zum Futsal stößt. Nur Karriere macht er dort auch nicht unbedingt mehr. Andererseits denke ich auch perspektivisch. Als Westfale möchte ich mit unseren Schiedsrichtern auf allen Ebenen gut und perspektivisch vertreten sein und das geht leider auch nur mit zum Teil jüngeren Kameraden.

Warum würdest Du Schiedsrichtern empfehlen, sich konkret zum Futsal-Schiedsrichter ausbilden zu lassen?

Futsal ist nichts anderes als eine Variante des Fußballs. Ok, hier in Deutschland spielen wir Futsal meist in der Halle, also eher eine Variante des Hallenfußballs. Jeder, der Spaß an seiner Funktion als Fußballschiedsrichter hat, wird auch Spaß an der Funktion als Futsalschiedsrichter haben. Durch den Spielbetrieb im Futsalbereich hat man sogar Karriere-Möglichkeiten, die einem im Feldfußball eventuell verwehrt bleiben. Auch wenn der Fokus der Schiedsrichterkollegen noch auf dem Feldfussball liegt, so kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Es ist toll, wenn man zu Turnieren des FLVW, des WFLV oder sogar des DFB eingeladen wird oder man plötzlich international aktiv sein darf.

Jetzt fand am vergangenen Wochenende ein Futsal-Schiedsrichterlehrgang im SportCentrum Kaiserau statt. Wie zufrieden bist Du mit der Resonanz?

Dadurch, dass in diesem Jahr viele neue Gesichter auf dem Lehrgang zu sehen waren, bin ich sehr zufrieden mit dem Lehrgang. Es haben 35 Schiedsrichter, davon immerhin 20 „Neulinge“ teilgenommen. Ich hoffe, dass meine Kollegen in den Kreisen langsam erkennen, dass Futsal zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Die Zahl der Spiele, der Turniere und Veranstaltungen nimmt sprunghaft zu und als Schiedsrichter und als Westfale möchte ich darauf vorbereitet sein. Die Entwicklung darf doch nicht durch das Schiedsrichterwesen gehemmt werden!

Thorsten Kaatz ist der Futsal-Experte im westfälischen Schiedsrichterwesen. Foto: David Hennig
Thorsten Kaatz ist der Futsal-Experte im westfälischen Schiedsrichterwesen. Foto: David Hennig

Du sprichst eine Entwicklung an. Wie hat sich Futsal in den letzten Jahren aus Deiner Sicht in Westfalen entwickelt?

Lange Zeit war Futsal auf wenige Veranstaltungen begrenzt. Jetzt explodiert der Spielbetrieb. Die FLVW-Liga geht mit 19 Mannschaften an den Start. Ich habe noch nie so viele Futsalturniere ansetzen müssen wie in diesem Winter und auch die Zahl der Freundschaftsspiele steigt. Die ersten Frauenspiele wurden durchgeführt. Sicherlich eine gute Entwicklung. Trotzdem, wenn ich mit Kollegen auf DFB-Lehrgängen spreche, befinden wir uns in der Entwicklung eher im Mittelfeld. Auch im Jugendbereich gibt es mehr Veranstaltungen oder die Turniere werden größer. Dennoch ist vieles nur auf wenige Kreise beschränkt. Was ich eher schade finde ist, dass zum Beispiel der DFB seit Jahren einen C-Jugend Futsal-Cup ausrichtet und die Vereine wissen in einigen Kreisen kaum, dass man sich dafür qualifizieren kann. Insgesamt gilt auch hier, dass uns einige Landesverbände vorraus sind, die ihren Jugendspielbetrieb schon komplett umgestellt haben.

Wie weit fortgeschritten sind die Pläne, die derzeit gültigen Hallenregeln flächendeckend in Westfalen durch Futsal-Regeln zu ersetzen?

Nun, es gibt einen Masterplan des DFB. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie viel und was davon umgesetzt wird. Ich aber glaube, dass sich die Entwicklung nicht aufhalten lassen kann und der Zeitpunkt kommen wird, an dem auch bei uns Futsal flächenddeckend in der Halle gespielt wird. Ich bin mir auch sicher, dass dies nicht den befürchteten Tod des Hallenfußballs bedeuten wird. Gerade im Land des Weltmeisters, in einem Verband, in dem es so viele positiv Fußballverrückte gibt, da ist doch viel, viel Platz für eine weitere Variante unseres geliebten Fußballsports.

Kommen wir zurück zum westfälischen Schiedsrichterwesen. Wie sind wir im Hinblick auf Futsal aufgestellt?

Wir waren von Begin an gut aufgestellt und sind es immer noch. Als einer der ersten Verbände haben wir regelmäßige Lehrgänge durchgeführt und heute gehört der Futsallehrgang für Schiedsrichter im Terminkalendar des VSA einfach dazu. Wir sind auch im WFLV gut aufgestellt und haben eine gesunde Mischung aus jüngeren und älteren Kameraden. Wir haben in Westdeutschland auch die ersten Frauen auf die WFLV-Liste gebracht. Seit Einführung der DFB-Liste hatte Westfalen einen Schiedsrichter auf dieser Liste und mit Florian Schreiber momentan sicherlich jemanden mit Perspektive. Gleichzeitig sind wir dort auch noch mit einem Beobachter vertreten. Letztlich aber bin ich schon auch etwas Stolz darauf, dass ich das Gefühl habe, dass unsere Schiedsrichter größtenteils auf verschiedenen Ebenen gerne gesehen werden.

Das Ende immer selbst bestimmt

Das Ende immer selbst bestimmt

Den Schlussstrich zog Werner Schütte immer selbst: Ob als aktiver Schiedsrichter, Beobachter oder als Schiedsrichter-Funktionär. Der Wahldortmunder aus dem Kreis Gelsenkirchen wird am morgigen Montag (17. Februar) 75 Jahre alt. David Hennig hat sich am Rande des Ausgeschiedenen-Treffens im SportCentrum Kaiserau mit dem ehemaligen DFB-Schiedsrichter über sein langes und bewegtes Schiedsrichterleben unterhalten.

Werner, insgesamt warst Du 14 Jahre im Fußballoberhaus. Das ist eine lange Zeit. Gibt es eine Geschichte, die Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Da muss ich mal überlegen (lacht). Ja, es gab natürlich insbesondere in der Bundesliga Momente, die schon etwas brenzlig waren. Ich erinnere mich an ein Spiel von Eintracht Braunschweig gegen Werder Bremen. Da habe ich den Jonny Otten vom Platz gestellt. Ich gab einen Freistoß, dieser wurde ausgeführt und als der Ball in Richtung Tor flog, sah ich, wie Otten seinen Gegenspieler getreten hat. Das hatte außer mir, niemand, aber auch wirklich niemand gesehen. Auch nicht meine Assistenten. Ich habe auch nur intuitiv hingeschaut. Da gab es natürlich ein fürchterliches Theater – auch hinterher in der Kabine. Der damalige Präsident von Bremen, Dr. Böhmert, kam mit Willi Lemke hinein und hat meinem Assistenten Peter Müller und mir angedroht, dass wir kein Spiel mehr leiten würden.

Und wie ging es dann weiter?

Ja, Böhmert habe schließlich mit Jonny Otten gesprochen und er könne seinen Spielern vertrauen. Und Otten hätte ihm versichert, dass er nichts gemacht hätte. Der Betreuer von Braunschweig hat uns dann mit in den VIP-Raum genommen, damit wir uns die Sportschau angucken konnten. Dort saß bereits die gesamte Bremer Mannschaft samt Trainer Otto Rehagel versammelt vor dem Fernseher – was unüblich war.

Da hast Du also selbst an Dir gezweifelt in dem Moment?

Natürlich. Ich habe gar nicht gedacht, dass so etwas möglich ist. Ich habe es doch gesehen! Ich kann mich doch nicht getäuscht haben! Da es niemand gesehen hatte, hatte ich schon fast Schweißausbrüche und feuchte Hände. Da habe ich mir nur gedacht: Lieber Gott, lass ihn getreten haben! Wenn der jetzt nicht getreten hat, dann biste reif.

Dann kamen aber die erhofften Bilder?

Die haben es übertragen und auch genau eingefangen. Ich lag richtig! Dann ist die gesamte Bremer Mannschaft wortlos an uns vorbei gegangen. Weder Böhmert, Lemke noch Rehagel haben ein Wort der Entschuldigung verloren. Das war ein Erlebnis, das bis heute haften geblieben ist.

Du warst insgesamt zwei Jahre in der höchsten deutschen Spielklasse unterwegs.

Ich habe – in Anführungszeichen – nur 15 Spiele geleitet in der Bundesliga. Damals war das eben so, dass wir nicht so viele Spiele bekommen haben. Zudem bin ich ja auch erst sehr spät – mit 45 Jahren – in die Bundesliga aufgestiegen. Ich habe ziemlich lange in der zweiten Liga pfeifen müssen, bevor ich den Sprung geschafft habe.

Früher ging es also nicht ganz so schnell?

Nein. Ich bin insgesamt 14 Jahre auf der DFB-Liste gewesen. Davon nur besagte zwei Jahre in der ersten Liga.

Werner Schütte (li.) mit Walter Eschweiler und Gerd Hennig in Barcelona | Foto: Archiv
Werner Schütte (li.) mit Walter Eschweiler und Gerd Hennig in Barcelona | Foto: Archiv

Gab es auch besondere Spiele oder besondere Momente, an die Du Dich gerne erinnerst?

Ein großer Moment für mich war natürlich das Halbfinalspiel im Wettbewerb der Landesmeister als Assistent bei Walter Eschweiler. Vor 120.000 Zuschauern spielte der FC Barcelona gegen RSC Anderlecht. Wahrlich ein großes Erlebnis und wahrscheinlich noch größer als das Pfeifen der Spiele in der Bundesliga.

Mit 47 Jahren war dann damals wie heute durch die Altersgrenze Schluss im DFB-Bereich. Die Saison hast Du dann in der Oberliga Westfalen ausklingen lassen, richtig?

Genau. Nach der Saison habe ich kein Spiel mehr gepfiffen. Wenn du dann befürchten musst, nicht mehr die Motivation zu haben, dann läufst Du natürlich Gefahr, dir deinen Namen kaputt zu machen, den du dir aufgebaut hast. Dieser Gefahr wollte ich mich nicht aussetzen. Nicht, dass hinterher jemand sagt: Was bildet der sich ein. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich die Entscheidung auch richtig getroffen habe. Auch wenn ich noch sehr oft angesprochen und gebeten wurde, Prominentenspiele zu leiten.

Fiel es Dir schwer diesen Schnitt zu machen?

Das ist mir in der Tat am Anfang schwer gefallen. Nachdem ich von der DFB-Liste ausgeschieden war, konnte ich mir eine ganze Zeit lang keine Spiele in der Sportschau mehr angucken.

Dem Schiedsrichterwesen bist Du aber erhalten geblieben.

Ich bin praktisch bis März letzten Jahres unserer Schiedsrichtervereinigung, aber auch noch lange Jahre dem DFB erhalten geblieben. Im DFB-Bereich war ich viele Jahre Beobachter – bis zu meinem 70. Lebensjahr war ich noch in der Regionalliga aktiv. Aber dann ist auch beim DFB Schluss. Ein Jahr habe ich noch weiter in der Oberliga und dann ein weiteres nur im Verband beobachtet. Ich war 27 Jahre Lehrwart in Gelsenkirchen und sieben Jahre als Obmann tätig. Im letzten Jahr habe ich zu den Neuwahlen nicht mehr kandidiert.

Wie kam es dazu, dass du dein Amt des Vorsitzenden niedergelegt hast?

Das hatte ich mir bei der Wahl im Jahr 2010 fest vorgenommen. Es sollten die letzten drei Jahre für mich als Obmann sein.

Du bist aber weiterhin im Ausschuss als Beisitzer tätig.

Ich wollte dann nicht von hundert auf null runter gehen. Ich konnte nicht sagen, dass ich von heute auf morgen nichts mehr mache. Deshalb lasse ich meine Schiedsrichterlaufbahn als Beisitzer ausklingen.

War es denn schwierig für Dich, in die zweite Reihe zu treten?

Das war bei meiner letzten Kandidatur bereits klar. Der Arbeitsaufwand als Obmann ist enorm. Wenn meine Frau mich dabei nicht so sehr unterstützt hätte, hätte ich das gar nicht geschafft. Das ist ja quasi ein Fulltime-Job. Jetzt haben wir etwas mehr Zeit für uns.

Werner Schütte | Foto: Archiv
Werner Schütte zu seiner aktiven Zeit als DFB-Schiedsrichter | Foto: Archiv

Deine Frau ist ja auch häufig mit gefahren.

Sie ist immer mitgefahren! Ich kann mich an kein Spiel erinnern, bei dem sie nicht dabei war. Auch schon als aktiver Schiedsrichter hat sie mich stets begleitet und später war sie auch bei jeder meiner Beobachtungen dabei. Sie hat auch die Beobachtungsbögen geschrieben. Also ich habe die Beobachtungen mit der Hand vorgeschrieben und sie hat sie dann abgetippt. Böse Zungen haben auch oft behauptet, sie sei der heimliche Obmann Gelsenkirchens (lacht). Nur irgendwann war sie es auch leid, diese Dinge zu machen. Jetzt wollen wir auch häufiger in Urlaub fahren und unsere Zeit für andere Dinge nutzen.

Aber es ist doch schön, wenn man eine solche Person an seiner Seite hat, die einen hundertprozentig unterstützt.

Das ist gar nicht anders möglich. Da bin ich ihr auch sehr, sehr dankbar für. Sie hat mich ja wahnsinnig unterstützt und war immer mit Leidenschaft dabei.

Da muss deine Frau auch ganz schön fußballverrückt sein – im positiven Sinne.

Die ist nicht nur ganz schön verrückt – die ist noch verrückter als ich (lacht). Wenn Winter- oder Sommerpause ist, sagt sie schon immer, dass es langsam wieder Zeit wird. Wir gehen auch zu jedem Heimspiel des FC Schalke. Sie kennt auch jeden Schalker Spieler. Wenn Schalke ein Tor tritt, dann muss ich sie manchmal annageln (lacht). Wenn wir da nicht hinkommen, ist sie immer todtraurig.

Kannst Du Dir denn ein Leben ohne Schiedsrichterei vorstellen?

Wir versuchen es. Wir fahren zum Beispiel in diesem Jahr erstmals vier Mal in den Urlaub. Wir richten unseren Urlaub aber darauf aus, ob Schalke zu Hause spielt oder nicht. Das würde meine Frau nicht durchgehen lassen, während eines Schalker Spiels in den Alpen zu sein (lacht). Aber meine Tätigkeit als Schiedsrichter hat mir zu jeder Zeit so viele tolle Momente beschert, an die ich auch heute noch gern zurück denke. Sie ist auch heute noch ein bedeutender Teil meines Lebens und wird es wohl auch immer in irgendeiner Form bleiben.

Wenn du jetzt überlegst, Du hast noch zwei Jahre als Beisitzer vor Dir. Wie geht es dann weiter?

Ich habe mein sportliches Ende immer selbst gesteckt. Und das galt als Schiedsrichter und auch als Beobachter. Hier habe ich auch gesagt, dass ich Schluss mache – ich hätte ja im Verband weiter machen können. Ich habe auch als Obmann gesagt, dass es die letzten drei Jahre sind. Auch hier habe ich Wort gehalten. Ich gehe fest davon aus, dass es als Beisitzer ebenfalls die letzten drei Jahre sind. Dann reicht es, dann bin ich 77. Ich will es nicht so machen wie ein Sepp Blatter, der sagt, dass er in drei Jahren – ebenfalls um die 80 Jahre – wieder kandidiert. Ich habe es nie verstanden, wenn alte Leute nicht loslassen können.

Aber das Lebensalter ist doch nicht immer das biologische.

Stell dir mal vor, ich komme in die Kabine und dort sitzen 20-jährige Schiedsrichter. Dann kommt plötzlich so ein alter Knacker rein. Da gehst du raus nach dem Coaching raus und die sagen: Was will der uns denn erzählen? Wenn ich im eigenen Kreis beobachte, da kennen mich die Schiedsrichter. Das ist etwas anderes. Da wird nicht diskutiert und hier wissen die Schiedsrichter, dass ich mal etwas höher gepfiffen habe. Ich fahre nicht mit, um nur zu loben und gerade bei kritischen Anmerkungen nehmen die eigenen Schiedsrichter es einfach anders auf. Deshalb schließe ich nicht aus, dass ich nicht auch nach den zwei Jahren weiterhin bei dem ein oder anderen Schiedsrichter mitfahre. Es ist aber auch eine Frage, wie ich mich in dem Alter dann fühle. Heute bin ich ja noch relativ fit.

Vielen Dank!

Drei Fragen an Michael Liedtke

Drei Fragen an Michael Liedtke

Das Internet hat nicht erst durch die flächendeckende Einführung des DFBnets eine immer größere Bedeutung für die Schiedsrichter in Westfalen erlangt. Leonidas Exuzidis fragte kurz bei Michael Liedtke, dem Vorsitzenden des Verbandsschiedsrichterausschusses nach.

SR-Aktuell: Michael, welche Vorteile ergeben sich durch Social Media und die steigende Bedeutung des Internets für das Schiedsrichterwesen?

Michael Liedtke: Das Internet und der andere neumodische Kram ist aus der heutigen Zeit nicht wegzudenken. Selbst ich habe unter anderem inzwischen WhatsApp installiert und nutze es. Wenn ich bedenke, welche Entrüstung und Aufschreie es gab, als DFBnet eingeführt wurde? Heute ist es ein erfreulich gut angenommenes Medium, welches schnell und arbeitserleichternd sowie kostensenkend akzeptiert ist.

SR-Aktuell: Wie kann es zu Problemen kommen? Welche Gefahren gibt es?

Michael Liedtke: Gefahren sind dann vorhanden, wenn jemand nicht verantwortungsbewusst damit umgeht. Schiedsrichter werden leider inzwischen vermehrt via Facebook beleidigt und bedroht. Der VSA sieht dies mit Sorge, wird aber – soweit Kenntnis erlangt wird – diese Vorfälle weiter verfolgen und unter anderem den Sportrechtsinstanzen zur Ahndung vorlegen. Auf Anfeindungen dürfen wir keinesfalls reagieren, sondern den Vorgang dem KSA oder VSA melden.

SR-Aktuell: Viele Kreise repräsentieren sich auf eigenen Homepages. Sollte man das weiter ausweiten?

Michael Liedtke: Jeder Kreis sollte eine eigene Homepage haben. Dort sollte die SR-Vereinigung verlinkt sein. Wünschenswert sind dann dort sachliche Informationen für alle Schiedsrichter des Kreises bzw. interessierte Dritte. Bei einem Besuch der jeweiligen Homepages sind deutliche Unterschiede vorhanden. Da lässt sich manchmal noch etwas Kreativität entwickeln.

„Ein großer, virtueller Stammtisch“

„Ein großer, virtueller Stammtisch“

Social Media hat längst Einzug in den Sport gehalten. Auch Schiedsrichter(-leistungen) sind immer häufiger Thema in sozialen Medien. David Nienhaus, Sportjournalist für derwesten.de und Social Media-Experte, stellte sich für Schiedsrichter-Aktuell den Fragen von David Hennig.

SR-Aktuell: Herr Nienhaus, wie häufig und wann wird der Schiedsrichter zum Thema in der Onlinegemeinde? Wie werden Schiedsrichter wahrgenommen?

David Nienhaus: Schiedsrichter sind immer dann ein Thema, wenn es strittige Entscheidungen gibt. Da verhalten sich Twitter und Facebook wie ein großer, virtueller Stammtisch, an dem alle durcheinanderreden, diskutieren, aber auch ganz unreflektiert und ohne nachzudenken ihre Meinung raushauen. Das liest sich nicht immer gut und geht häufig auch unter die Gürtellinie. Aber ich glaube, dass das auch nicht zu kontrollieren ist – von wem auch. Negative Meinungen gibt es in den Fankurven, in den Kneipen und daheim vor dem Fernseher. Ich freue mich immer, wenn bei Twitter die Kollegen von @collinaserben aktiv werden, mit diskutieren, eine Lanze für die Unparteiischen brechen und ein paar Tage später in ihrem Podcast die Dinge noch mal ruhig und sachlich, mit großem Wissen erklären.

SR-Aktuell: Im Profibereich gibt es zig Zeitlupen pro kritischer Szene. Bei dem „Phantomtor“ von Kießling brauchte der Zuschauer lediglich eine – was Dr. Felix Brych natürlich auf dem Feld nicht geholfen hat. Werden Schiedsrichterentscheidungen durch die sozialen Medien heute stärker diskutiert als früher oder verlagert sich das Ganze nur vom Stammtisch ins Internet?



David Nienhaus: Ich glaube nicht, dass sich das verlagert. An den Stammtischen dieser Welt wird natürlich weiterhin vorzüglich über die Bundesliga-Spiele mit all ihren Facetten diskutiert. Die sozialen Medien ergänzen das. Aber ich glaube, dass sich die Diskussionskultur durch das angesprochene „Zeitlupenwissen“ verändert hat. Tausend Perspektiven, 3D-Analysen, Abseitslinien und, und, und… führen natürlich dazu, dass der Fan Fehlentscheidungen viel weniger akzeptiert oder sich häufiger und schneller darüber auslässt. Das passiert dann auf dem Second Screen vor dem Fernseher. Im Stadion ist Twitter und Facebook nicht wirklich relevant, weil es dafür noch gar nicht die entsprechende Technik gibt. Stichwort: Mobilfunknetz in den Arenen. Aber das wird auch kommen.

SR-Aktuell: Sie twitterten damals zur Euro 2012: „Torrichter. Der moderne Vollpfosten.“ Eine ebenfalls durchaus kritische Äußerung, oder?

David Nienhaus: Ja, klar. Ich bin ja nicht nur Journalist, sondern auch Fußballfan. In diesem Fall war es mal wieder eine Szene, in der ich mich über den Torrichter geärgert habe. Meiner Meinung nach eine ähnlich überflüssige Erfindung wie die Badewanne mit Tür. Den Torrichter, der bei dieser Partie zwischen England und der Ukraine im Dienst war, wollte ich natürlich nicht beleidigen. Ich wollte damit kundtun, dass ich die Torrichter für überflüssig halte. In all den Spielen, die ich gesehen habe, kann ich an einer Hand abzählen, wann ein Torrichter wirklich aktiv und gut in eine Szene eingegriffen hat.

SR-Aktuell: Gut, aber wann wird für Sie eine Grenze überschritten? Und wie reagieren Sie wenn dies passiert?

David Nienhaus: Grenzen werden immer dann überschritten, wenn Persönlichkeitsrechte angegangen werden. Tweets unter der Gürtellinie sind nicht zu verhindern, auch wenn ich diese persönlich natürlich nicht gerne lese. Aber sobald es in wüste Beschimpfungen übergeht, mische ich mich auch ein. Häufig kochen die Emotionen aber so hoch, dass auch das nichts bringt.

SR-Aktuell: Ich habe den Eindruck, dass es auf den Twitter-Kanälen noch gesitteter zugeht als auf anderen Web 2.0-Plattformen, wie beispielsweise Facebook, Fanforen oder Blogs auf den Vereinshomepages. Wie sehen Sie dies im Vergleich?


David Nienhaus: Das kann ich unterschreiben. Warum das so ist, müsste man mal untersuchen – wahrscheinlich wurde es das auch schon und ich habe es nur noch nicht gelesen. Ich glaube, dass das auch mit der Diskussionsstruktur zu tun hat. Bei Facebook oder auf Blogs stehen die Kommentare untereinander, es ist angerichtet, sich gegenseitig hochzuschaukeln. Bei Twitter verläuft es sich etwas mehr.

SR-Aktuell: Sinkt durch die scheinbare Anonymität bei einigen Usern die Hemmschwelle?

David Nienhaus: Das wird der Social-Media-Szene immer vorgeworfen, die Debatte ist so neu, wie sie alt ist und ist ein gängiger Reflex in dieser Diskussion. Natürlich schützt ein anonymer Account davor, sein Gesicht zu zeigen, wirklich anonym ist man aber doch nie unterwegs. Der Kommentarbereich auf Portalen ist kein rechtsfreier Raum, ebenso wenig wie der Social-Media-Bereich. Und: Wenn ich bei Twitter von einem Leser meiner Artikel beschimpft werde, ohne eine Möglichkeit zu haben, mit ihm in Kontakt zu treten, ohne zu wissen wer er ist, ist für mich die Motivation auch gering, auf diese Kritik einzugehen.

SR-Aktuell: Seit einiger Zeit häufen sich die Fälle, in denen Spieler im Amateurbereich für Äußerungen und Beleidigungen gegen Schiedsrichter in den sozialen Medien auch zur Rechenschaft gezogen werden, Geldstrafen und Sperren erhalten. Wird das eine Wirkung erzielen oder werden solche Fälle vielleicht sogar noch zunehmen?




David Nienhaus: Das ist für mich schwer zu beantworten, weil ich mich in dem Bereich nicht so zuhause fühle. Aber wenn es im Lokalsport den Protagonisten ans Geld geht, kann das schon Wirkung zeigen. Das leite ich jetzt einfach mal logisch her. Allerdings ist die Anzahl derer, die explizit zu einem Lokalspiel diskutieren und dort auf offene Diskussionsohren stoßen im Vergleich zur großen Fußball-Bühne Bundesliga natürlich wesentlich geringer. Schiedsrichter zu beschimpfen oder zu beleidigen gehört sich aber weder im Profisport noch im Amateurbereich.

 

Zur Person

Sportjournalist David Nienhaus twittert für derwesten.de | Foto: @ruhrpoet
Sportjournalist David Nienhaus twittert für derwesten.de | Foto: @ruhrpoet

David Nienhaus ist 35 Jahre alt, Buchautor und Sportjournalist bei WAZ.de, dem Online-Portal der FUNKE Mediengruppe. Für seine Social-Media-Aktivitäten unter @ruhrpoet und @sportgeschichte wurde er 2013 mit dem SPORTBILD-Award für Journalisten ausgezeichnet. Er bloggt unter www.DasSportWort.de. Der Journalist spricht lieber über halb volle Gläser und sieht deshalb im Social-Media-Bereich mehr Chancen als Risiken in der Sportwelt. Doch Risiken gäbe es natürlich auch: „Vor allem die Klubs haben Angst, ihre Informationshoheit zu verlieren, aber auch eine Nachricht, die im sozialen Netz verbreitet wird, muss erst mal gründlich gegengecheckt werden.“ Gerüchte zu streuen sei heutzutage viel einfacher, weil sie sich schneller verbreiten als früher. „Das birgt Gefahren für Vereine und Spieler, aber auch vor allem für Journalisten und die Medienwelt“, weiß Nienhaus.

Neue Aufgaben motiviert angehen

Neue Aufgaben motiviert angehen

Der Verbandsschiedsrichterausschuss hat mit Lehrwart Oliver Topp und Beisitzerin Simone Horn zwei neue Gesichter bekommen. David Hennig sprach mit den beiden „Neuen“ im Verbandsschiedsrichterausschuss.

Oliver und Simone, wie waren Eure ersten Wochen im Verbandsschiedsrichterausschuss?

Oliver Topp: Terminreicher als ich gedacht habe. Nach der konstituierenden Sitzung standen gleich die ersten Beobachtungen während des U15-Sichtungslehrganges im SportCentrum Kaiserau und die Teilnahmen an Staffeltagen an. Aber es macht Spaß, in einem gut funktionierenden Team zu arbeiten und die neue Herausforderung anzutreten.

Simone Horn: Die ersten Wochen waren ganz entspannt, was wohl daran liegt, dass ich kurz nach der konstituierenden Sitzung in den Urlaub gefahren bin. Lediglich der E-Mailverkehr hat deutlich zugenommen – bisher ist der aber noch problemlos zu stemmen.

VSA-Beisitzerin Simone Horn | Foto: David Hennig
VSA-Beisitzerin Simone Horn | Foto: David Hennig

Ganz konkret: Welche Aufgaben habt Ihr im neuen VSA?

Topp: Ich könnte es mir jetzt einfach machen und sagen, dass ich für die Lehrarbeit verantwortlich wäre. Dazu zählen aber auch die Vorbereitungen von Lehrgängen und Tagungen. Ferner habe ich es mir auf die Fahnen geschrieben, nah an den Kreisen und für die Kreise tätig zu sein und so auch mal den einen oder anderen Schulungsabend in den Kreisen mitzugestalten. Das habe ich bereits in der Vergangenheit als Lehrwart in Büren in den Nachbarkreisen gemacht. Die Unterstützung der KSL sollte aber sicherlich der Schwerpunkt sein.

Horn: Ich bin für die Ansetzungen sämtlicher Frauen-, Mädchen- und Juniorenspiele im überkreislichen FLVW-Spielbetrieb zuständig. Außerdem prüfe ich, ob die Abrechnungen der Schiedsrichter mit den Angaben auf den Spielberichten übereinstimmen. Natürlich bin ich auch weiterhin Ansprechpartnerin für alle Schiedsrichterinnen im Verbandsgebiet.

Simone, Du bist die erste Frau im VSA. Was bedeutet dies für Dich?

Natürlich macht es mich schon ein wenig stolz, die erste Frau zu sein. Allerdings hat es für mich keine allzu große Bedeutung. Die Motivation ist bei mir mit Sicherheit keine andere als bei meinen Kollegen im VSA.

Wie stellt Ihr Euch zukünftig die Zusammenarbeit mit den Schiedsrichtern auf Verbandsebene und den Mitarbeitern der Kreisausschüsse vor?

Topp: Ansprechbar und präsent zu sein. Auf einer Ebene zu sein – ja, halt einfach weiterhin Schiedsrichter zu sein.

Horn: Eigentlich ändert sich hier für mich nichts. Für die Damen im Verbandsgebiet bin ich ja schon lange Ansprechpartnerin, was auch zunehmend genutzt wird. Ansonsten wünsche ich mir gute Zusammenarbeit bei den Lehrgängen und regen Kontakt über alle möglichen Medien oder bei Beobachtungen, Verbandsterminen und Lehrgängen.

Verbandslehrwart Oliver Topp | Foto: David Hennig
Verbandslehrwart Oliver Topp | Foto: David Hennig

Ihr seid bereits als Lehrwarte im Kreis aktiv gewesen. Welche Erfahrungen habt Ihr dort gesammelt?

Topp: Durchweg nur positive. Ich denke, dass man als Lehrwart durch seine aktive Tätigkeit in den überregionalen Klassen viel weiter geben kann. Darüber hinaus arbeite ich auch gerne mit jungen Schiedsrichtern zusammen und habe es hoffentlich geschafft, trotz der Tatsache, dass wir häufig allein auf dem Platz stehen, einen gewissen Teamgeist im Kreis Büren vermittelt zu haben.

Horn: Die Arbeit als Lehrwartin hat mir immer viel Spaß gemacht. Dabei habe ich gemerkt, dass es nicht immer nur darum ging, als „Regelpapst“ zu agieren, sondern sich auch mit den jeweiligen Altersklassen auseinanderzusetzen und immer ein offenes Ohr für alle Schiedsrichter zu haben.

Oliver, Du bist seit 24 Jahren Schiedsrichter, pfeifst in der Oberliga. Ist es durchaus ein Vorteil für den Job als Lehrwart, noch aktiv zu sein?

Topp: Auf jeden Fall. Gerade als Schiedsrichter lernt man nie aus und wird immer wieder mit neuen Situationen konfrontiert. Und gerade als Lehrwart erfährt man auch viel von den Erlebnissen anderer Schiedsrichter. Dabei aus der Praxis für die Praxis sprechen zu können, empfinde ich schon als wichtig.

Was reizt Euch an der Arbeit auf Verbandsebene? Wo liegen die Unterschiede?

Topp: Es ist natürlich eine große Herausforderung nunmehr für alle Schiedsrichter als Mitglied des Verbandsschiedsrichterausschusses in Westfalen verantwortlich zu sein und das Schiedsrichterwesen in unserem Verband weiter nach vorne zu bringen.

Horn: Ganz neu ist die Arbeit auf Verbandsebene für mich ja nicht. In der letzten Saison habe ich bereits die Ansetzungen in der Frauen Regionalliga und der Frauen Verbandsliga gemacht. Hin und wieder war ich als Unterstützung auch bei Team- oder Überprüfungslehrgängen dabei. Der Unterschied zur Arbeit im Kreis liegt bei mir einfach darin, dass es ein komplett anderer Aufgabenbereich ist.

Welche Themen liegen Euch persönlich besonders am Herzen?

Topp: Transparenz und Kommunikation. Wir haben unter uns Schiedsrichtern so viele tolle Persönlichkeiten, von denen alle Schiedsrichter partizipieren können. Ich würde mir wünschen zukünftig alle Schiedsrichter mit einbeziehen zu können und das gilt nicht nur für die Lehrarbeit. Aber sollte jemand ein tolles Thema haben, welches er oder Sie darstellen kann, so sollten wir das auch weiter in alle Kreise transportieren. Das Rad muss nicht jedes Mal neu erfunden werden.

Horn: Die Gewinnung von Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern ist für mich ein ganz wichtiger Punkt. Gerade seit der Zunahme der Gewalttaten ist es nicht einfach, junge Leute für unseren Job zu gewinnen.

Wo seht Ihr Handlungsbedarf im westfälischen Schiedsrichter-Wesen?

Topp: Dieses tolle Hobby weiter nach vorne zu bringen. Den Spaß, den dieses Hobby vermittelt, zu transportieren. Die Wichtigkeit dieses Jobs in einem Reifeprozess deutlich zu machen. Und last but not least das „Wir-Gefühl“ der Schiedsrichter in Westfalen zu stärken.

Horn: Die Außendarstellung der Schiedsrichter zu verbessern. Leider ist es oft so, dass über die Unparteiischen nur berichtet wird, wenn sie besonders negativ auffallen. Dabei gibt es auch sehr viel Positives, über das berichtet werden kann.

Wo liegt Eure Motivation?

Topp: Für mich ist diese Tätigkeit eine riesige Herausforderung. Ich habe aber in der zurückliegenden Zeit als Schiedsrichter viele schöne Dinge erfahren dürfen und in den Jahren auch immer wieder festgestellt, dass man als Schiedsrichter auch nur im Team stark ist. Das gilt es zu vermitteln und von diesen vielen schönen Erfahrungen möchte ich etwas weiter geben. Natürlich möchte ich auch dazu beitragen, möglichst viele Schiedsrichter aus Westfalen wieder in den Spitzenbereich des DFB zu bringen. Ohne dabei jedoch die Basis zu vergessen.

Horn: In erster Linie macht mir die Arbeit mit Schiedsrichtern Spaß. Dabei sind die unterschiedlichen Charaktere und Altersklassen schon eine Herausforderung. Gerade den jungen Schiedsrichtern möchte ich etwas von der eigenen Erfahrung weitergeben.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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