Trainer und Schiedsrichter tauschen sich aus

Foto: Ruper Joemann

Ein positives Fazit haben die Teilnehmer der ersten Trainer-Schiedsrichter-Tagung des Fußballkreises Ahaus/Coesfeld im Legdener Landhotel Hermannshöhe gezogen. So wurde der Wunsch nach einer Wiederholung laut. Dann sollen nach Möglichkeit auch Videoszenen gemeinsam analysiert werden, um eine einheitliche Linie der Regelinterpretationen zu gewährleisten.

„Wir wollten gegenseitig Verständnis aufbauen“, sagte Christoph Hanck. Der Vorsitzende des veranstaltenden Kreisschiedsrichterausschusses hob hervor, dass das Verhältnis zwischen Schiedsrichtern und Trainern zwar nicht schlecht sei, „aber es geht halt sicher noch besser“. Eingeladen waren Trainer der ersten Mannschaften sowie der Reserve-Teams, die mindestens in der Kreisliga A spielen. Knapp die Hälfte der Vereine hatte Vertreter geschickt.

„Ich war skeptisch, ob ich kommen sollte, habe hier aber viel Interessantes über die Perspektive der Schiedsrichter gelernt“, sagte ein Übungsleiter anschließend. Die Trainer wünschten sich eine einheitliche Linie der Schiedsrichter. Das fängt schon bei Kleinigkeiten wie dem Dulden der Farbe der Unterziehhemden oder dem Zeitpunkt der Passkontrolle an. „Es ist schwierig, wenn ein Schiedsrichter kurzfristig Pässe sehen will und dann plötzlich die Spielvorbereitung beeinflusst wird“, erklärte ein Trainer.

Als Einzelkämpfer besonders unter Druck

Einig waren sich die Teilnehmer, dass vor allem junge Schiedsrichter, die in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigt sind, als Einzelkämpfer in der Kreisliga besonders unter Druck stehen und sich daher Fehler sowohl bei Entscheidungen als auch beim Auftreten ergeben können. Philipp Hüwe, Regionalliga-Schiedsrichter und Drittliga-Assistent von Eintracht Coesfeld: „Genauso wie Spieler und Trainer Verhaltensweisen aus dem Profifußball übernehmen, tun das junge Schiedsrichter auch gelegentlich.“ Dieses Verhalten aller Beteiligten sei auf Kreisebene sicherlich nicht hilfreich, so Hüwe.

Beide Seiten warben für ein gegenseitiges Verständnis. Nicht jeder Spruch sei böse gemeint, so die Trainer. Die Schiedsrichter baten um Verständnis dafür, dass sie bei verbalen Attacken häufig einschreiten müssten, da sie auch die Außenwirkung berücksichtigen müssen. Greift der Schiedsrichter nicht frühzeitig durch, heizt sich die Stimmung oftmals auf.

Kommunikation für besseres Miteinander

Einig waren sich alle, dass eine gute Kommunikation zwischen den Beteiligten zu einem besseren Miteinander führe. Das fängt schon mit der rechtzeitigen Anreise des Schiedsrichters und den dann möglichen Gesprächen an. Auch konstruktive Gespräche in der Halbzeit und nach dem Spiel sollten möglich sein, so die Teilnehmer.

Philipp Hüwe betonte, dass auch die Schiedsrichter unter Beobachtung stünden. Auch dort geht es um Prüfungen, Aufstiege und Förderungen. Hüwe sagte, dass die Beobachter sehr viel Wert auf die Persönlichkeit und die Spielleitung des Schiedsrichters legten. Heute sei ein Spielleiter gefragt, der das Spiel manage. Viele Karten seien da nichts, was sich der Beobachter vom Schiedsrichter wünsche. Deshalb dürfe der Schiedsrichter – da wo die Regeln einen Spielraum lassen – Fingerspitzengefühl  zeigen. Hier wünschten sich die Trainer eine Vergleichbarkeit. Christoph Hanck: „Auch unter Beobachtern gibt es verschiedene Stile und Präferenzen, aber der Kreisschiedsrichterausschuss schult auch Beobachter zwecks einheitlicher Linie.“ Neben dem Gedankenaustausch stellte Lehrwart Daniel Fischer den Trainern die wichtigsten neuen Regeln vor.

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Nach 30 Jahren ist Schluss

 

Hans-Heinrich Freund wurde von VKSA Ulrich Neus bei seinem letzten Spiel verabschiedet | Foto: Bastian Otto
Hans-Heinrich Freund wurde von VKSA Ulrich Neus bei seinem letzten Spiel verabschiedet | Foto: Bastian Otto

Nach über 30 Jahren hängt Hans-Heinrich Freund, Schiedsrichterdenkmal der SG Hickengrund, mit Ende der Saison 2015/2016 seine „ Pfeife an den Nagel“. Im März 1986 legte der Siegen-Wittgensteiner seine Prüfung ab. Damit begann eine langjährige Karriere als Unparteiischer. Und das immer für einen Verein – die SG Hickengrund. Am letzten Spieltag leitete Hans-Heinrich Freund mit der Begegnung Spielvereinigung Neunkirchen gegen Fortuna Freudenberg II ( 6:3 ) sein letztes Kreisligaspiel. Als Dankeschön für seine langjährige Schiedsrichtertätigkeit überreichte Schiedsrichterobmann Ulrich Neus dem verdienten Unparteiischen einen Geschenkgutschein.

Hagener Referees beim Nørhalne Cup

Die Dänemark-Fahrer aus Hagen: Tobias Koll, Thomas Soltmann, Dominic Windolph, Benedict Malz, Patrick Lepperhoff, Robert Starke, Philipp Polifka Foto: Kreis Hagen
Die Dänemark-Fahrer aus Hagen: Tobias Koll, Thomas Soltmann, Dominic Windolph, Benedict Malz, Patrick Lepperhoff, Robert Starke, Philipp Polifka Foto: Kreis Hagen

Auch in diesem Jahr reisten sieben Schiedsrichter aus dem Kreis Hagen nach Dänkemark zum Nørhalne Cup 2016. Im hohen Norden waren die Unparteiischen von morgens bis abends im Einsatz, hatten aber zwischen und nach ihren Spielleitungen noch genügend Zeit, um andere Kollegen bei ihren Einsätzen zu beobachten oder sich mit Schiedsrichtern aus anderen Regionen Deutschlands sowie ganz Europa auszutauschen. „Die lockere Stimmung und die vielen Zuschauer machten das Turnier für alle Beteiligten zu einem tollen Erlebnis“, erzählte Benedict Malz, einer der sieben Hagener Unparteiischen. Besonders hervorzuheben: Mit Dominic Windolph und Tobias Koll wurde gleich zwei Hagener Schiedsrichter die Ehre zuteil, in Finalspielen eingesetzt zu werden.

Daumen hoch: 22 neue Schiedsrichter im Kreis Bochum

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Frauen an der Pfeife: Die Zahl der im Kreis Bochum aktiven Unparteiischen steigt auf 21. | Foto: Kreis Bochum

Der Fußballkreis Bochum begrüßt 22 neue Schiedsrichter in seinen Reihen. Auch die Zahl der Schiedsrichterinnen erhöht sich von 17 auf 21. „Dass wir die Anzahl der weiblichen Schiedsrichter auch in diesem Jahr noch einmal verstärken konnten, ist einmalig“, betont Lehrwart Norbert Koch. Einmal mehr vermittelte Koch gemeinsam mit seinen Amtskollegen Klaus-Dieter Leiendecker und Heiko Schneider die notwendigen Inhalte im Vereinsheim des Landesligisten SW Wattenscheid, um die Teilnehmer auf die Prüfung vorzubereiten.

awl-2016-k-bochum2016Die neuen Schiedsrichter sind zwischen zwölf und 49 Jahre alt – die Mehrheit sogar unter 18 Jahre. Die Gesamtergebnisse waren letztlich mehr als zufriedenstellend, vier Teilnehmer meisterten die Prüfung gar ohne Fehlerpunkt.

Wie gewohnt werden die neuen Unparteiischen in ihren ersten Spielen von einem Paten unterstützt – dieses Prinzip hat sich über die Verbandsgrenzen hinaus nachhaltig bewährt. „Aller Anfang ist schwer, aber mit entsprechender Hilfe und Unterstützung kann es uns gemeinsam wieder gelingen, die neuen Schiedsrichter schnell in die Praxis einzuführen“, so Lehrgangsleiter Heiko Schneider.

Refugee? Referee!

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Schiedsrichter haben landesweit viele unterschiedliche Formen der persönlichen Motivation: Den einen reizt der finanzielle Ausgleich, mach anderen der kostenlose Eintritt zu allen Spielen auf DFB-Ebene. Die gewaltige Mehrheit allerdings agiert Wochenende für Wochenende aus vollster Überzeugung mit Pfeife oder Fahne in der Hand – mit Leidenschaft, Herzblut und maximalem Engagement. Die Religion des Einzelnen? Unwichtig. Die kulturelle Herkunft? Nicht von Bedeutung.

Besmir Rexhmati kam vor rund einem Jahr aus Albanien nach Deutschland. Ein begeisterter Fußballer, der sich für jede Form dieses Sports interessiert und informiert. Der 17-Jährige – im Mai wird er volljährig – lebt ohne seine Eltern in Deutschland, das One-Way-Ticket brachte ihn letztlich in den Kreis Steinfurt. Zu gering war die Lebensperspektive in der Heimat, zu groß der Wunsch nach persönlichem Wohlbefinden und Sicherheit.

Trotz aller Hürden gehört auch Besmir Rexhmati zur Schiedsrichter-Gilde im Kreis Steinfurt. Erst kürzlich hat er den Anwärterlehrgang durchlaufen und bestanden – nun er ist Steinfurts erster Refugee-Schiedsrichter. Gemeinsam mit Besmir legten neun weitere Steinfurter sowie ein Anwärter aus dem Kreis Tecklenburg ihre Prüfung erfolgreich ab.

Der 17-jährige Besmir (M.) und seine Lehrwarte: erfolgreiche Prüfung. (Foto: FC Galaxy)
Der 17-jährige Besmir (M.) und seine Lehrwarte: erfolgreiche Prüfung. (Foto: FC Galaxy)

„Wir wussten zu Beginn des Lehrgangs gar nicht, dass Besmir nur bedingt deutsch spricht. Das hat sich erst im Laufe des Abends herauskristallisiert“, berichtet Jan Lohmann, Lehrwart im Steinfurter KSA. „Er spricht die deutsche Sprache bereits sehr gut, aber natürlich kann er noch nicht alles verstehen.“ Die Prüfung war für Besmir trotz des sprachlichen Handicaps kein Problem: Die wenigen Fehlerpunkte fielen nicht ins Gewicht. „Wir waren positiv überrascht. Wir mussten manchmal zwar etwas langsamer reden, aber den Bogen hat er letztlich selbst ausgefüllt“, so Lohmann.

Die Sicherheit holt sich Besmir in den kommenden Wochen und Monaten auf dem Platz – in Eigenverantwortung. „Er hat das gleiche Potential wie jeder andere Anwärter. Auch hier sind die ersten Spiele sicher entscheidend“, glaubt Lohmann. Besmir wird zu Beginn seiner Laufbahn vorrangig im unteren Jugendbereich angesetzt und Unterstützung von einem erfahrenen Paten erhalten. Voraussichtlich wird ihn dieser Pate über die ersten drei Partien – so ist es sonst üblich in Steinfurt – hinaus in der Anfangszeit begleiten. „Wir gehen stark davon aus, dass die Vereine verständnisvoll reagieren werden, wenn etwa Spielbericht oder Passkontrolle unwesentlich länger dauern“, heißt es seitens des KSA.

Dass sich Besmir dem FC Galaxy Steinfurt angeschlossen hat, ist wenig überraschend. Der erst 2013 gegründete Kreisliga-A-Klub ist für sein Engagement bei der sportlichen Integration von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund deutschlandweit bekannt. Etwa die Hälfte der Spieler der ersten Seniorenmannschaft sind Migranten, drei Flüchtlinge haben sich erfolgreich im Team festspielen können. „Besmir wollte unbedingt den Lehrgang machen“, erzählt der 1. Vorsitzende Ali Pish Been, selbst als Unparteiischer aktiv. „Wir haben ihn gern angemeldet und sind gespannt, wie er sich entwickelt.“

Pish Been ist mit seiner Familie vor vielen Jahren selbst aus dem Iran geflüchtet, kann die Motive in der heutigen Zeit daher besonders gut nachvollziehen. „ Wir betreuen die Personen auch abseits des Platzes. Es wäre wenig sinnvoll, unser Engagement auf den Fußball zu beschränken“, sagt er. So ist es auch bei Besmir: Ihn hat Pish Been ebenfalls unter seine Fittiche genommen und für den Schiedsrichter-Job begeistern können. In den ersten Spielen möchte er „seinem“ Schützling – unabhängig vom Paten – zusätzlich beratend zur Seite stehen. „Es kann nicht schaden, wenn jemand Vertrautes dabei ist“, so Pish Been.

Flüchtlinge als Schiedsrichter – dieses Grundprinzip könnte sich in naher Zukunft in vielen Kreisen etablieren. In Steinfurt jedenfalls ist der Startschuss erfolgreich gefallen. Für den kommenden Lehrgang gehen die Verantwortlichen im Hinterkopf bereits mögliche Szenarien durch. Womöglich wird es in Kooperation mit den Nachbarkreisen einen zweiten Lehrgang in leicht veränderter Form geben. Nicht unwahrscheinlich, dass der FC Galaxy wieder seine Füße im Spiel hat.

Ein „Dankeschön“ vor großer Kulisse

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Noch vor wenigen Wochen hätten die Schiedsrichterausschüsse der Kreise Lemgo, Detmold und Höxter es sicherlich nicht gewagt, ihren Fußballsport einmal ins Abseits zustellen. Doch die Aktion „DANKE SCHIRI“ des DFB gab Anlass, die Veranstaltung einmal außerhalb des Fußballplatzes durchzuführen.

Unter dem Motto “Sport verbindet“ empfing an diesem Tag der TBV Lemgo, vielfacher Deutscher Handballmeister und Pokalsieger, eine Gruppe von 24 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter der FLVW Kreise Lemgo, Detmold und Höxter zum Bundesliga-Handballspiel in der mit 5.000 Besuchern ausverkauften Lipperland-Halle. Und die Referees waren mehr als nur Zaungäste. Unter dem Applaus von TBV-Präsident Siegfried Haverkamp und den anwesenden Fußballprofis des DSC Arminia Bielefeld nahmen 9 Sportlerinnen und Sportler der Gruppe die Ehrung “Danke Schiri“ des Deutschen Fußballbunds entgegen. Zu den ersten Gratulanten gehörte das TBV-Maskottchen „Lippilotta“, das die Geehrten während der Halbzeitpause des Spiels gegen die Füchse Berlin auf der Spielfläche empfing, Und das einzeln per „Handshake“, nachdem der Name und ein persönlicher Slogan des jeweils ausgezeichneten Schiris auf den Anzeigetafeln der Halle erschienen war.

Zu den für langjähriges schiedsrichterliches Engagement Geehrten zählen neben Jessica Hildebrandt (Höxter) die Kameradinnen Kerstin Henke (Lemgo) und Heike Schnittcher (Detmold) sowie die Kameraden Klaus Teller, Michael Knöner (beide Lemgo), Klaus Dieter Meier, Kohder Souleiman-Omairat (beide Detmold) und Walter Boblest, Andre Hauswerth (beide Höxter).

Fast alle ausgezeichneten Sportlerinnen und Sportler greifen nicht nur selbst seit Jahrzehnten zur Pfeife. Sie sind vielmehr auch engagierte und wichtige Stützen ihrer Kreisschiedsrichterausschüsse. Daher wurde bereits der der Ehrung vorangestellte gemeinsame “Kaffeeklatsch“ zu einem lockeren und zugleich intensiven Erfahrungsaustausch genutzt. Am Ende dieses ereignisreichen Tages zogen die Beteiligten dann ein deutliches Fazit: „Erfahrungsaustausch und persönliche Kontakte über die üblichen Grenzen hinaus können unserer Sache wirklich dienen.“

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