„Peter und ich, wir waren immer ein gutes Tandem“

Hans Voß und Peter Müller im SportCentrum Kaiserau. | Foto: David Hennig
Hans Voß und Peter Müller im SportCentrum Kaiserau. | Foto: David Hennig

Knapp drei Jahrzehnte lang haben Hans Voß (87) und Peter Müller (64) junge Schiedsrichter durch den sogenannten „Wochenlehrgang“ im SportCentrum in Kamen-Kaiserau geführt. Die Unparteiischen wurden für höhere Spielklassen sensibilisiert – auch Regelwissen und Fitness wurden geprüft. Inzwischen haben sie die Leitung in jüngere Hände gegeben. Im Interview sprechen sie über die gemeinsamen Jahre, Druck im Schiedsrichterwesen und die Art und Weise der Betreuung.

Lieber Peter, lieber Hans, rund 30 Jahre lang habt Ihr gemeinsam den Wochenlehrgang betreut. Eine heimliche Talentschmiede für Westfalens Schiedsrichter?
Müller:  Das trifft es ziemlich gut. Ich schätze, rund 80% aller Teilnehmer haben es mindestens in die Landesliga geschafft – ein Großteil sogar noch höher.

Voß: Absolut. Bei einigen Schiedsrichtern kann man die Entwicklung heute ja wunderbar beobachten.

Für viele ist es der erste Lehrgang unter der Leitung des FLVW. Spürt man die Nervosität?
Müller:  Wer zum Wochenlehrgang nach Kaiserau kommt, ist im ersten Schritt schon ein Auserwählter. Der Kreis setzt auf euch und sieht langfristig eine Perspektive. Das haben wir vor den jungen Leuten immer wieder betont. Dieser Lehrgang hat eine enorme Motivationskraft. Es ist der erste Schritt – und deshalb ist er so wichtig. Es ging nicht nur um Regelkunde und Fitness, sondern vor allem um die Motivation für die Zukunft.

Was bleibt besonders hängen nach so vielen Jahren?
Voß:  Es ist hochinteressant, wie sich der Lehrgang im Laufe der Jahre entwickelt hat – zum Positiven, wie ich finde. Wir haben in den vergangenen Jahren ganz andere Persönlichkeiten kennen lernen dürfen als noch vor 20 Jahren. Die Teilnehmer sind heute viel jünger, aber im Kopf meist fit genug. Die Kreise bringen hervorragende Leute hervor, die teils minderjährig sind. Auch im Schiedsrichterwesen ist eine Art Wandel erkennbar.


Hans Voß

Seine Schiedsrichter-Prüfung legte Hans Voß im Jahre 1951 ab – und wie kaum ein anderer steht der nach wie vor für Loyalität und Ehrlichkeit. Acht Jahre lang pfiff Voß in der Bundesliga, im Jahre 1964 assistierte er beim DFB-Pokalfinale. Den Wochenlehrgang im SportCentrum Kaiserau betreute er ab dem Jahre 1985. Außerdem kümmerte sich der gelernte Industriekaumnann jahrelang um die Trainerausbildung. Für sein Engagement verließ der Verband dem Münsteraner vor einigen Wochen mit dem Ehrenring die höchstmögliche Auszeichnung.

Peter und Du, ihr geltet als unschlagbares Duo.
Voß:  Wir waren ein gutes Tandem, haben uns blind verstanden und gut ergänzt – trotz aller charakterlichen und äußerlichen Unterschiede (lacht). Wir waren oft einer Meinung und haben immer an einem Strang gezogen. Das war enorm wichtig.

Peter,wie würdest Du Hans in drei Adjektiven beschreiben?
Müller:  Habe ich wirklich nur drei?

Das muss reichen für den Anfang.
Müller:  Geradeaus, weil er immer seinen Weg geht. Hans hat sich nie verbiegen lassen. Kameradschaftlich, denn man konnte sich immer auf ihn verlassen. Auch heute noch. Und ehrlich, denn wir konnten uns immer in die Augen schauen. Hans ist ein unverkennbares Original.

Zurück zur Basis: Setzen sich junge Talente manchmal selbst zu stark unter Druck?
Voß:  Natürlich sind die Anforderungen für junge Schiedsrichter heute höher. Aber wer etwas erreichen will, muss auch Engagement zeigen. Das gilt in jeder Lebenslage.

Müller:  Der Druck kommt aber völlig ohne Not. Da muss man sich natürlich die Frage stellen, wie man den Druck ein Stück weit nehmen kann. Man sollte immer wissen: Der Schiedsrichter ist nie der Wichtigste auf dem Platz.

Inwiefern?
Müller:  Ein guter Schiedsrichter muss sich dem Spiel unterordnen können. Wenn dieser Job der Lebensinhalt ist, der dein Ego stärkt, dann bist du nicht mehr souverän.

Wie wichtig ist denn eine gesunde Fehlerkultur?
Müller:  Grundsätzlich gilt: es gibt kein fehlerfreies Spiel. Es wird immer wieder Situationen geben, die man besser hätte lösen können. Im Umkehrschluss gibt es immer wieder Szenen, die man in der Außendarstellung oder in der Beurteilung anders sieht. Aber auch daraus muss man lernen. Man kann aus jedem Spiel etwas mitnehmen – wirklich, aus jedem. Nur so kommt man weiter.

Denn auch ein Schiedsrichter lernt nie aus…
Müller:  Ganz genau. Selbst wenn man im ersten Versuch das persönliche Ziel nicht erreicht: es geht immer weiter. Das betone ich besonders gegen Saisonende immer wieder. „Jetzt erst recht!“, muss sich der Schiedsrichter denken. Das spricht für eine gewisse Souveränität.

Voß:  Ich habe das Gefühl, dass das von den allermeisten Scheidsrichtern auch verstanden wird. Man muss auch als Schiedsrichter Rückschläge verarbeiten können. Dann zeigt sich doch erst, wer es wirklich drauf hat.

Peter, Du betreust auch Schiedsrichter aus dem DFB- wie aus dem FLVW-Bereich als Individual-Coach. Eine Art Seelendoktor?
Müller:  Wie der Name es schon verrät: das ist individuell verschieden. Ich habe doch selbst alles erlebt und weiß, dass man auch mal aufgebaut werden muss, wenn Fehler passieren. Das Coaching dient unter anderem dazu, Rückschläge wegzustecken. Wenn ein Schiedsrichter Probleme monatelang mit sich herumträgt, werden sie immer mehr zur Last.


Peter Müller

Der Warendorfer beobachtet heute regelmäßig Partien in der Dritten Liga – und ist mit gleichem Engagement auch im Verbandsgebiet unterwegs. Der Oberstudienrat für Deutsch und Erdkunde aus dem Kreis Warendorf ist seit 1968 Schiedsrichter und seit 1972 Lehrwart. Den Wochenlehrgang bezeichnet er auch heute noch als „Herzensangelegenheit“.

Also sollte man sie lösen.
Müller:  Je früher, desto besser. Da erwarte ich von meinen Schützlingen auch Eigenengagement. Der Schiedsrichter weiß selbst am besten, woran er noch zu arbeiten hat. Der Coach kommt sicher nicht daher und zeigt mal eben, wie es geht. Das funktioniert so einfach nicht. Man muss aufeinander zugehen. Das Coaching wird bestimmt durch den Schiedsrichter. Eine Hierachieebene.

Du beobachtest regelmäßig in der Dritten Liga. Es kommt schon mal vor, dass du samstags bei Preußen Münster sitzt und 15.000 Zuschauer im Stadion sind. Und tags darauf beobachtest du im Regen auf einem dreckigen Sportplatz einen Schiedsrichter in der Bezirksliga…
Müller:  Und doch läuft es dort nicht anders. Letzterer hat die gleiche objektive Beurteilung verdient wie ein Schiedsrichter in der Dritten Liga. Ich muss mich als Beobachter immer in die Situation des Schiedsrichters hineinversetzen. Ich bin für den Schiedsrichter gekommen, nicht er für mich.

54 Spiele hast Du in der abgelaufenen Saison beobachtet. Tut Pause dann auch mal gut?
Müller:  Aboslut. Das braucht es einfach, denn sonst verkrampft man. Der Kopf wird frei und man geht mit einer ganz anderen Kraft in die neue Saison.

Hans, Du hast Deine Schiedsrichter-Prüfung im Jahre 1951 abgelegt. Niemals geht man so ganz, heißt es…
Voß:  Offiziell habe ich alle Ämter niedergelegt. Aber man kennt das ja: Wenn irgendwo Bedarf ist, springt man gerne ein. Ich bin froh, dass ich mein Leben heute selbst diktieren kann, denn früher hat das der Sport gemacht.

Rückblickend: Fehlt etwas?
Voß:  Absolut nicht. Ich habe eine lange und erfüllte Karriere gehabt. Ich habe dieses Hobby wirklich gerne gelebt – und Peter auch. Ich bin mir sicher: Sonst hält man das auch nicht so lange durch.

Geht es überhaupot noch ohne die Pfeiferei, Peter?
Müller:  Dieser Job hat mein Leben geprägt und das wird auch immer so bleiben. Ich merke aber schon, dass ich gelassener werde. Das hat nichts mit fehlender Motivation zu tun – ich glaube einfach, dass ich den Leuten so noch mehr mitgeben kann.

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Wozniak erhält NRW-Sportplakette

Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, Marina Wozniak, Anna-Maria Van den Meulendorf, Sportsportbund Bochum, Klaus-Dieter Stallmann, Westfälischer Schützenbund, Walter Schneeloch, Präsident des LSB NRW. | (c) LSB NRW, Foto: Andrea Bowinkelmann
Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, Marina Wozniak, Anna-Maria Van den Meulendorf, Sportsportbund Bochum, Klaus-Dieter Stallmann, Westfälischer Schützenbund, Walter Schneeloch, Präsident des LSB NRW. | (c) LSB NRW, Foto: Andrea Bowinkelmann

Die westfälische Fußballschiedsrichterin Marina Wozniak wurde am gestrigen Abend mit der Sportplakette des Landes NRW ausgezeichnet. Aus den Händen von Sportministerin Christina Kampmann nahm die 36-jährige Unparteiische die Ehrung für ihre sportlichen Leistungen im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund entgegen.

Marina Wozniak | (c) LSB NRW, Foto: Andrea Bowinkelmann
Marina Wozniak | (c) LSB NRW, Foto: Andrea Bowinkelmann

Die Sportplakette des Landes NRW gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen des sportlichen Ehrenamtes. „Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen heute mit dieser Auszeichnung für ihren großartigen Einsatz zu danken“, sagte Ministerin Christina Kampmann, die die Plakette in Vertretung der Ministerpräsidentin aushändigte. Gewürdigt wurden sportliche Höchstleistungen ebenso wie herausragendes ehrenamtliches Engagement.

Wozniak ist nicht nur eine gute Spielleiterin in der Allianz-Frauen-Bundesliga, die gebürtige Hernerin gehört seit Jahren zu den besten Schiedsrichter-Assistentinnen der Welt. Dies zeigt die lange Liste ihrer internationalen Einsätze eindrucksvoll: U20-WM in Chile (2008), EM in Finnland (2009), U20-WM in Deutschland (2010), WM in Deutschland (2011), Olympische Spiele in London (2012), EM in Schweden (2013), bei der U20-WM in Kanada (2014) und zuletzt bei der WM in Kanada (2015).

Seit 2004 ist die 36-Jährige auf der Liste der DFB-Schiedsrichterinnen. Nach nur einem Jahr in der zweiten Liga gab Wozniak am 22. August 2005 beim Spiel zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem VFL Sindelfingen ihr Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse. Die Nominierung als FIFA-Assistentin erfolgte im Jahr 2008.

Führungspersönlichkeiten auf dem Fußballplatz?

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Niclas Erdmann ist Schiedsrichter im Kreis Recklinghausen und studiert Wirtschaftspsychologie an der Ruhr-Universität Bochum. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit zum Thema „Führungspersönlichkeiten auf dem Fußballplatz – eine Studie zur Persönlichkeit von Fußballschiedsrichtern“ verbindet der 21-jährige nun Studium und Hobby gleichermaßen. Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, sucht der Student bis Anfang Mai noch aktive, passive und ehemalige Fußballschiedsrichter für eine kurze Online-Befragung. Schiedsrichter-Aktuell hat sich mit dem angehenden Wirtschaftspsychologen unterhalten.

Niclas, wie kamst Du auf die Idee, eine Bachelorarbeit zu diesem Thema zu schreiben?

An unserer Fakultät wurde in den vergangenen Jahren ein inzwischen sehr etabliertes Persönlichkeitsverfahren – das BIP-6F – entwickelt, das vor allem in Unternehmen zur Personalauswahl und -entwicklung eingesetzt wird. Das Besondere ist, dass dieses bereits zweimal erfolgreich bei deutschen Olympiateilnehmern und im Jahr 2014 auch bei Profi-Fußballern angewendet wurde. So kam mir die Idee, diesen „Test“ im Rahmen meiner Bachelorarbeit mit Schiedsrichtern durchzuführen und zu schauen, wie Schiedsrichter im Vergleich zur Normalbevölkerung „ticken“ und ob es bestimmte Ausprägungen mancher Persönlichkeitseigenschaften gibt, die besonders erfolgreiche Schiedsrichter ausmachen. Hier bin ich auf eine Forschungslücke gestoßen, denn zu diesem Thema existieren international kaum belastbare Studien. Die Bearbeitung des Persönlichkeitsfragebogens dauert etwa 15 Minuten und erfolgt online, bequem von dem heimischen PC aus.

Welchen Nutzen hat ein Schiedsrichter von der Teilnahme?

Das Ganze soll kein Selbstzweck sein. Die Teilnehmer haben einen unmittelbaren Nutzen aus der Teilnahme: Sie erhalten binnen weniger Tage einen individuellen Ergebnisbericht per E-Mail. Alle Daten bleiben natürlich anonym und werden vertraulich behandelt. Die Auswertung erfolgt automatisch. Es wird ein Persönlichkeitsprofil erstellt, aus dem der Teilnehmer viel über sich selbst erfährt. Jeder muss selbst entscheiden, wie er die Ergebnisse nutzt. Sie liefern jedoch eine gute, wissenschaftlich fundierte Einschätzung der eigenen Persönlichkeitsstruktur. Der Teilnehmer erhält also kostenlos Einblick in ein psychologisches Testverfahren, das auch zur Personalauswahl, z.B. in Assessment-Centern, genutzt wird und normalerweise rund 80€ kostet. Dadurch ist es für die Teilnehmer ganz interessant, mal an einem solchen Test teilgenommen zu haben und sich selbst einschätzen zu können.

Welche Ergebnisse erwartest Du?

Das ist schwer zu sagen. Die Ergebnisse sind natürlich noch offen und hängen von den Antworten und Daten der Teilnehmer ab. Meine Hypothese ist jedoch, dass Schiedsrichter Führungspersönlichkeiten sind und deshalb z.B. in den Bereichen Disziplin, emotionale Stabilität und Selbstbewusstsein über dem Durchschnitt liegen. Es kann aber auch ganz anders kommen. Wir Schiedsrichter sind schließlich auch nur Menschen!

Link zur Studie

Niclas Erdmann
Niclas Erdmann

Die Teilnahme an der Studie von Niclas Erdmann ist unter folgendem Link möglich:

https://www.testentwicklung.rub.de/bi_/?q=Q_BA_NE&r=1950_Bn_1_792

1,50 Meter geballtes Selbstbewusstsein

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Der Kreis Bochum hat gemeinsam mit Paderborn die meisten aktiven Fußballschiedsrichterinnen in Westfalen. SR-Aktuell-Autor David Hennig hat sich mit Nachwuchsschiedsrichterin Morena Biwo und Lehrwart Heiko Schneider über das nicht immer leichte Hobby und die gezielte Frauenförderung unterhalten.

Die 16-jährige Schiedsrichterin Morena Biwo kommt aus einer fußballbegeisterten Familie. „Den Fußball habe ich quasi in die Wiege gelegt bekommen“, sagt sie lachend. Dennoch hat sie nie aktiv im Verein vor den Ball getreten – lediglich ein halbes Jahr mit einer Mädchenmannschaft mittrainiert. Ein Freund ihres Vaters brachte die damals 14-jährige dann auf die Idee: Probier’s doch mal als Fußballschiedsrichterin. Gesagt, getan. Den Anwärterlehrgang meisterte sie schließlich souverän. „Morena war mit Abstand die Lehrgangsbeste und hat die Prüfung mit Bravour bestanden“, blickt Lehrwart Heiko Schneider zurück, der in seiner Nachwuchsschiedsrichterin eine absolute Sympathieträgerin sieht: „Sie ist nicht auf den Mund gefallen, schiebt sich aber auch nicht in den Vordergrund.“ Seit zwei Jahren ist Morena Biwo nun Schiedsrichterin für den VfL Bochum und leitet Spiele bis zu den A-Junioren. Mit einer Körpergröße von 1,50 Meter ist die 16-jährige jedoch nicht gerade die Größte. „So hoch wie eine Eckfahne eben“, scherzt sie. Oder anders: 1,50 Meter geballtes Selbstbewusstsein. Einen Nachteil sieht die Schiedsrichterin eben nicht darin. „Natürlich sagen viele auf den ersten Blick: ‚Die ist so klein, die schafft das nicht‘. Aber nach dem Spiel kommen häufig Zuschauer, Trainer und Spieler zu mir und sagen: ‚Das hätte ich Dir nicht zugetraut‘. So ein Lob ist dann besonders schön“, so Biwo. Sie hat gelernt sich durchzusetzen, mit guten Leistungen zu überzeugen. Dabei hat sie nicht nur mit Vorurteilen bezogen auf ihre Größe zu kämpfen: „Oft höre ich, dass Frauen im Fußball nichts zu suchen hätten – das steckt bei vielen noch in den Köpfen.“

Die Schiedsrichterinnen im Kreis Bochum sind ein starkes Team | Foto: Heiko Schneider
Die Schiedsrichterinnen im Kreis Bochum sind ein starkes Team | Foto: Heiko Schneider

Eine Einstellung, die die Verantwortlichen im Kreis Bochum gezielt ändern wollen. „Es ist schon besser geworden. Vor einigen Jahren wurden Schiedsrichterinnen angeschaut, als ob sie vom Mond kämen. Um das Bild aus den Köpfen zu kriegen, müssen Kreisvorstand, Vereine und Schiedsrichter eng zusammen arbeiten“, so Heiko Schneider. In Bochum hat der Frauenfußball bereits eine große Basis. „Wir haben im Hinblick auf die Werbung von Schiedsrichterinnen mächtig Dampf gemacht“, sagt der Lehrwart. Gezielt wurden die zahlreichen Vereine mit Frauen- und Mädchenmannschaften angesprochen, Schiedsrichterinnen ausbilden zu lassen. Mit Erfolg. Mittlerweile sind in Bochum 17 Schiedsrichterinnen aktiv, vier weitere haben sich zum nächsten Lehrgang angemeldet. „Dann sind es über zwanzig. Diese Marke zu knacken, war das Ziel des Kreisschiedsrichterausschusses“, erzählt Schneider. Damit stellt der Kreis Bochum in ganz Westfalen gemeinsam mit Paderborn die meisten weiblichen Unparteiischen. Was aber nur funktioniere, so der Lehrwart, wenn man den Frauen den entsprechenden Stellenwert einräumt. „Wir wollen jedoch keine Zweiklassengesellschaft“, stellt er heraus. Die Ausbildung sei gleich, doch ginge man intensiver auf die Bedürfnisse der Schiedsrichterinnen ein. Mit Silvia Danielsiek hat der KSA eigens eine Frauenbeauftragte installiert und führt regelmäßig zusätzliche Lehrgänge für Schiedsrichterinnen durch. „Frauen brauchen eine feste Ansprechpartnerin. Sie besprechen manche Themen nicht mit Männern – da ist es gut, sich von Frau zu Frau unterhalten und sich in der Gruppe austauschen zu können“, erzählt Schneider.

Die 16-jährige Morena Biwo ist im Juniorenbereich aktiv | Foto: David Hennig
Die 16-jährige Morena Biwo ist im Juniorenbereich aktiv | Foto: David Hennig

Die 16-jährige ist gern Woche für Woche auf den Fußballplätzen unterwegs: „Mein Hobby macht mir Spaß und jedes Spiel ist eine neue Herausforderung.“ Auch wenn sie bisher „nur“ in den Jugendspielklassen im Einsatz ist, hat sie eine klare Vorstellung über ihre Zukunft. „Natürlich träumt jede Schiedsrichterin von der Bundesliga. Aber im Vordergrund steht erstmal meine Ausbildung und der nächste Schritt in den Herrenbereich – und dann kann ich weiter durchstarten“, sagt die angehende Kauffrau für Büromanagement. Die notwendige Unterstützung durch ihren KSA ist ihr dabei sicher.

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