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Hinten kackt die Ente: Schiedsrichter-Beobachter treffen sich zum Austausch

Die Beobachter trafen sich zum Austausch im SportCentrum | Foto: David Hennig

Sie haben eine verantwortungsvolle Aufgabe, entscheiden ihre Beurteilungen von Schiedsrichtern in den Verbandsspielklassen am Ende der Saison letztlich über Auf- oder Abstiege: die Verbandsbeobachter. Um die Qualität der Beobachter in Westfalen weiter auf einem hohen Qualitätslevel zu halten, bittet der Verbandsschiedsrichterausschuss (VSA) seine 89 Paar Augen und Ohren zwei Mal pro Jahr zu einem gemeinsamen Lehrgang ins SportCentrum Kaiserau.

Insgesamt 450 Beobachtungen zählte der VSA in der Hinrunde – eine stolze Zahl. Dabei ist die Rolle der Beobachter schon längst nicht mehr die eines „Punktrichters“, der nach Fehlern sucht und alles aufzählt, was nicht funktioniert. „Das wäre nicht zeitgemäß! Der Beobachter ist heute eher ein Coach, ein Unterstützer von außen, der dem Schiedsrichter über seine Rückmeldung hilft, die Leistungen bei seinen Spielleitungen zu optimieren“, erklärt Verbandslehrwart Torsten Werner. Ein Schiedsrichter sollte schließlich keine Angst vor einem Beobachter haben.

Drei Workshops und praktische Tipps

In insgesamt drei Workshops ging es dann an das „Eingemachte“: Ähnlich wie auf dem Sportplatz durchliefen die Beobachter drei elementare Phasen vor, während und nach dem Spiel. Schließlich muss der Beobachter neben dem Coaching-Gespräch nach dem Spiel zu Hause insgesamt neun Rubriken das Beobachtungsbogens anhand seiner Spielnotizen ausfüllen und eine Note vergeben: „Beschreibung des Spiels“, „Regelanwendung, Regelauslegung, Spielkontrolle, taktisches Verhalten“, „Disziplinarkontrolle / Anzahl der persönlichen Strafen“, „Persönlichkeit, Körpersprache, Umgang mit den Spielern und Offiziellen (Bank)“, „Körperliche Verfassung und Stellungsspiel“ sowie „Zusammenfassende Bemerkungen und Verbesserungsvorschläge“ – und bei Spielen ab der Landesliga werden noch drei weitere relevant: „Zusammenarbeit mit den Schiedsrichter-Assistenten“ und die einzelne Beurteilung der Schiedsrichter-Assistenten. Wie dies am besten gelingen kann, zeigte VSA-Beisitzer Waldemar Stor in seinem Exkurs anhand einiger Beispiele. Dabei habe jeder Beobachter sein eigenes System, seine eigene Art und Weise, sich Aufzeichnungen während eines Spiels zu machen. „Wichtig ist nur, wie man es für sich sauber aufgeschrieben bekommt“, so Stor. Denn am Ende sind die Notizen die Grundlage für das Coaching-Gespräch in der Kabine und den Beobachtungsbogen.

Der Schwerpunkt der Tagung lag aber neben der reinen Leistungsdokumentation und -bewertung vor allem auf der Kommunikation zwischen Schiedsrichtern und Beobachtern. „Uns ist besonders wichtig, dass die Beobachter auch mal die Gelegenheit haben, sich über fachliche Themen auszutauschen, dass wir ihnen handwerkliches Rüstzeug an die Hand geben und ihnen ermöglichen, das eigene Handeln zu reflektieren. Schließlich sind Beobachter wie Schiedsrichter in gewisser Weise Einzelkämpfer“, erklärt Verbandslehrwart Torsten Werner. Mit einem hohen Praxisbezug möchte der VSA seine Beobachter nicht auf sich allein gestellt lassen und sie optimal auf ihre Aufgabe vorbereiten.

Die Tagung im Video

Der erste Kontakt

Getreu dieses Mottos lautete der Titel des ersten Workshops unter der Leitung von Hansjörg Rommel „Der erste Kontakt – Die Begrüßung vor dem Spiel“. Auch wenn sich Aktive und die Schreiber am Block häufig mehrfach in ihrer Laufbahn begegnen, so liegt es bei jedem Spiel aufs Neue an den Beobachtern, bei der Begrüßung das Eis zu brechen und für eine angenehme Gesprächssituation zu sorgen. Schließlich sollen sie den Unparteiischen etwas Druck vor einem Beobachtungsspiel abnehmen. „Wir haben uns damit beschäftigt, was gute, was nicht empfehlenswerte Verhaltensweisen und haben auch darüber gesprochen, welche Basics im Umgang zu beachten sind“, erklärt Hansjörg Rommel. „Wichtig war den Beobachtern, auf die eigene Körpersprache zu achten, einen freundlichen Ton zu haben und vor dem Spiel in einen guten Smalltalk mit den Schiedsrichtern zu kommen.“ Zu den No-Gos gehörten unter anderem über vorherige Beobachtungsergebnisse zu sprechen oder alte, gemeinsame Spiele wieder aufleben zu lassen. „Jeder Schiedsrichter sollte bei jedem Spiel wieder bei null anfangen, um sich auszeichnen zu können“, so Rommel. 

Thorsten Götz, Matthias Ucka und Julian Graf im Gespräch mit Workshop-Leiter Hansjörg Rommel.
Thorsten Götz, Matthias Ucka und Julian Graf im Gespräch mit Workshop-Leiter Hansjörg Rommel. | Foto: David Hennig

Nicht jede Szene schwarz oder weiß

Im zweiten Workshop „Die Tücke liegt im Detail“ ging es um die Analyse von Einzelszenen. Dazu hatte Dirk Schmale aus dem Lehrstab mehrere Szenen aus Spielen aus den Verbandsspielklassen mitgebracht, um diese gemeinsam mit den Experten zu diskutieren und in einen Kontext mit der Bewertung im Beobachtungsbogen zu stellen. Schließlich erhält jeder beobachtete Schiedsrichter nach jedem Spiel eine schriftliche Beurteilung und eine der Leistung angemessene Note. „Hier gab es sehr spannende Diskussionen und es war interessant zu sehen, wie die Beobachter zu einer Note finden“, erläutert Dirk Schmale. Dabei lasse sich nicht jede Szene in schwarz oder weiß einordnen. „Es gibt immer auch Grauzonen“, so das Lehrstabsmitglied: „Dennoch haben wir versucht, uns in der Gruppe auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen und in gleichen Szenen zur gleichen Bewertung zu kommen.“ Dies sei wichtig, um eine annähernde Vergleichbarkeit in der Benotung zu erreichen.

Dirk Schmale bei der Videoarbeit. | Foto: David Hennig

Analysegespräch als wesentliches Element

Der dritte Workshop des Tages mit dem eher ungewöhnlichen Titel „Hinten kackt die Ente“ legte den Fokus auf das Analysegespräch zwischen Schiedsrichter und Beobachter nach dem Spiel. „Das ist der entscheidende Part in einer Beobachtung und für die Aktiven das wesentliche Element“, stellt Torsten Werner fest. Schließlich seien kurz nach der Partie die Szenen noch präsent und auch die Emotionen noch da. „Der Beobachter kann dann gemeinsam mit dem Schiedsrichter oder dem Team die Szenen gemeinsam reflektieren“, so der Verbandslehrwart, der weiß, dass diese Gespräche nicht immer einfach sind. „Denn nicht immer sind alle einer Meinung. Da wo es auch mal schwierig wird, wo unterschiedliche Ansichten zu einer Szene existieren, kann es zu Konflikten kommen – die wir als Beobachter auflösen müssen.“  Doch auch an Beobachtern werde immer mal wieder Kritik geübt. „Wir jammern in Westfalen jedoch auf hohem Niveau, insgesamt machen unsere Beobachter richtig gute Arbeit“, so Werner. Dies zeige auch, dass von den 450 Beobachtungsbögen in der Hinrunde kein einziger korrigiert werden musste.

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