Helfer und faire Kritiker

Helfer und faire Kritiker

Mit dem Anpfiff der neuen Spielzeit 2014/2015 steigt auch für viele Schiedsrichter der Leistungsdruck an. Die kreisinternen Teammeldungen sind klar – jetzt muss „nur“ noch die Leistung stimmen. Auf dem Beobachter-Lehrgang in der vergangenen Woche in Kaiserau erläuterte die Verbandsspitze, worauf die Beobachter besonders Wert legen sollen.

Lehrwart Oliver Topp (weißes Hemd) in der Diskussion mit den Beobachtern. |Foto: Leonidas Exuzidis
Lehrwart Oliver Topp (weißes Hemd) in der Diskussion mit den Beobachtern. | Foto: Leonidas Exuzidis

In drei verschiedene Gruppen teilte der Verbandsschiedsrichterausschuss (VSA) seine Schiedsrichter-Beobachter auf, um ihnen alle notwendigen Inhalte zu vermitteln. Lehrwart Karsten Jonsson thematisierte die Regeländerungen zur neuen Saison, während Beisitzer Torsten Werner mit den Teilnehmern über die Beobachtungsbögen sprach. Lehrwart Oliver Topp wiederum versuchte anhand einer Videoschulung praktische Tipps zu vermitteln.

Michael Liedtke: „Wir wollen für Westfalen etwas erreichen“

Vorab richtete auch der VSA-Vorsitzende Michael Liedtke einige Worte an die Beobachter. „Alles, was mit dem Kreisdenken zu tun hat, muss vergessen werden“, forderte Liedtke und ergänzte: „Wir wollen für den Verband Westfalen etwas erreichen.“ Im Hinblick auf die Talentförderung soll es also egal sein, in welchem Kreis der Schiedsrichter oder der Beobachter beheimatet ist. „Wenn jemand pfeifen kann, dann muss er hoch. So einfach ist das“, stellte Torsten Werner klar.

Der Beobachter soll dem Referee dabei eher beratend zur Seite stehen, statt ihn zu schickanieren. „Die Beobachter sind Begleiter und Unterstützer und keine Scharfrichter“, führte Werner aus. Besonders bei den Bezirksliga-Schiedsrichtern, die ohne Assistenten und womöglich sogar das erste Mal unter Beobachtung stehen, sollen die Verantwortlichen etwas Fingerspitzengefühl zeigen. „Vor allem bei Abseitsentscheidungen haben es diese Jungs und Mädchen sehr schwer“, erklärte Karsten Jonsson, um im selben Atemzug die Abseitsregel zu präzisieren. Denn seit dem 1. Juli befindet sich ein Spieler im strafbaren Abseits, wenn er den Gegner angreift, um den Ball spielen zu können. Wenn der Stürmer also beispielsweise aus Abseitsposition und in unmittelbarer Nähe zum Verteidiger, zum Kopfball hochsteigt, auch wenn der Verteidiger ihn nicht im Blickfeld hat, muss gepfiffen werden.

Auch der sehr erfahrene Beobachter Williy Westphal (rechts) nahm am Lehrgang teil. |Foto: Leonidas Exuzidis
Auch der sehr erfahrene Beobachter Williy Westphal (rechts)nahm am Lehrgang teil. | Foto: Leonidas Exuzidis

Sieben neue Beobachter in Westfalen

Es gibt also eine ganze Menge verschiedener Dinge, auf die auch die Schiedsrichter-Beobachter achten müssen. Sieben neue Gesichter wurden in Kaiserau begrüßt, drei Kollegen scheiden indes aus verschiedenen Gründen aus. Die neu ausgebildeten Teilnehmer werden, ähnlich wie es in vielen Kreisen mit neuen Schiedsrichtern der Fall ist, zunächst mit einem erfahrenen Beobachter gemeinsam eine Spielleitung bewerten, um alle Abläufe und Automatismen zu verinnerlichen. Zusatzzehntel und Abzüge sollen nach wie vor fair vergeben werden. Doch Torsten Werner brachte es erneut treffend auf den Punkt: „Der Gesamteindruck bleibt entscheidend. Gesamteindruck vor Einzelentscheidung, das müssen wir immer im Hinterkopf behalten.“

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Beobachten als neue Herausforderung

Beobachten als neue Herausforderung

Als die westfälischen Verbandsbeobachter im SportCentrum Kamen•Kaiserau zur alljährlichen Tagung zusammenkamen, war es für Julian Mangold aus Dortmund eine Premiere: Mit 26 Jahren war er eines der jüngsten Gesichter in der Gruppe der „Talentscouts“ für Schiedsrichter.

„Dass ich einer der jüngsten Beobachter in Westfalen bin, stört mich nicht“, sagt Julian Mangold ganz selbstbewusst. Schließlich sei das Alter nicht entscheidend. Dass er dabei nur unwesentlich älter ist als die meisten Teamschiedsrichter, sieht er sogar eher positiv. „So kann ich mich gut in die Person hineinversetzen, kann ein entspanntes Klima schaff en und dem Schiedsrichter die Nervosität ein wenig nehmen.“ Neu in der „Materie“ ist Mangold schließlich nicht. Praxis- und Regelwissen: vorhanden.

Weg in die oberen Spielklassen unwahrscheinlich

Bereits seit 11 Jahren ist der Dortmunder als Schiedsrichter aktiv, schaffte 2007 den Sprung in die Landesliga. Natürlich stellte sich der damals 21-Jährige in besagter Spielzeit selbst den Beobachtern. Kurz darauf rückte er in den erweiterten Lehrstab des Kreis-Schiedsrichterausschusses. Vor zwei Jahren zog sich Mangold aus berufl ichen Gründen jedoch vorerst aus dem überkreislichen Bereich zurück. Als Polizeibeamter in der Hundertschaft ließen sich die Arbeitszeiten nicht mehr mit dem Hobby „Schiedsrichter“ vereinbaren. Der Dortmunder beschränkte sich, sofern es die Zeit zuließ, auf wenige Einsätze als Assistent.

Der Weg in die oberen Spielklassen war durch die „Pause“ sehr unwahrscheinlich geworden. „Ich suchte dann eine neue Herausforderung, die ich als Lehrwart gefunden habe“, sagt Mangold. Auf dem Sportplatz wollte er jedoch auch weiterhin präsent sein – wenn auch in anderer Rolle. „Mein Augenmerk fi el auf die Beobachtertätigkeit. Da ich bereits im Kreis einige Beobachtungen durchgeführt hatte, wusste ich ungefähr, was auf mich zukommt.“ Aufgrund der positiven Erfahrungen auf den heimischen Sportplätzen ließ sich der 26-Jährige als Beobachter beim Verband melden.

Begleiter des Schiedsrichters

Auch wenn es ihm anfangs nicht leichtfiel, die Rolle des Aktiven mit der des Beobachters zu tauschen, macht ihm die neue Tätigkeit richtig Spaß. Bisher hat der 26-Jährige fünf Spiele in den Bezirks- und Landesligen beobachtet. Die ersten zwei Partien waren für den „Neuling“ noch etwas ungewohnt. Bis dato kannte Mangold ja fast ausschließlich die „andere Seite“. „Ich sehe mich auch überhaupt nicht als Punktrichter, sondern vielmehr als Begleiter des Schiedsrichters, der die Leistung möglichst genau analysiert, im persönlichen Gespräch Stärken und Schwächen herausstellt und letztlich beurteilt“, sagt Mangold.

Gerade deshalb sei die Rolle des Beobachters auch so wichtig. „Nur über Beobachtungen ist es möglich, einen Eindruck über die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Schiedsrichters zu bekommen“, sagt der 26-Jährige. Die jungen Unparteiischen können sich durch das Feedback weiterentwickeln. Auch für den jungen Beobachter bietet jede Beobachtung die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Denn schließlich kommt die Erfahrung nicht nur mit dem Alter – das weiß auch Julian Mangold.

Die Sichter an der Basis

Die Sichter an der Basis

Anfang September kamen die Verbandsbeobachter im SportCentrum Kaiserau zusammen, um sich für die Beobachtungen in der Saison 2013 / 2014 einzustimmen. Dabei standen nicht nur Regeländerungen, Anweisungen und praktischen Hinweise auf der Tagesordnung. Natürlich wurde auch über die Rolle der westfälischen „Talentscouts“ und ihre verantwortungsvolle Aufgabe gesprochen.

„Für Spesensätze von 10 bis 12 Euro pro Beobachtung gehört schon eine Menge Engagement und Leidenschaft für die Sache dazu“, lobte der Ausschuss-Vorsitzende Michael Liedtke den Einsatz der Beobachter. Deren Rolle für das Schiedsrichterwesen auch auf dieser Tagung zum zentralen Thema wurde. Markus Häbel betonte ausdrücklich, dass die Beobachter keine Punktrichter sind sondern vielmehr als Scouts auf den Plätzen unterwegs sind. „Ihr seid die Sichter an der Basis“, fasste Häbel es treffend zusammen.

Jörg Franke zählt auf | Foto: Hennig
Jörg Franke zählt auf | Foto: Hennig

Wohlwollende Beurteilung gewünscht

Maßgeblich bleibe dabei der Gesamteindruck, den der Unparteiische hinterlässt. „Natürlich gibt es weiterhin Einzelsituationen, die zu Auf- oder Abwer tungen führen können oder müssen“, sagte Torsten Werner, aber eine wohlwollende Betrachtung der Schiedsrichter-Leistung sei keineswegs der falsche Ansatz. Auch wenn klare Fehler in den Spielleitungen von den Beobachtern richtig eingeschätzt werden müssten. Gerade im Team D hätten Beobachter die größte Verantwortung gegenüber den jungen Schiedsrichtern, die meistens erstmals in ihrer Laufbahn unter Beobachtung stehen.

Dazu passt auch, dass der Verbandsschiedsrichterausschuss (VSA) in dieser Saison das Feedbackgespräch zwischen Beobachter und Schiedsrichter in allen Spielklassen von der Bezirks- bis zur Oberliga ausdrücklich wünscht. „Wir wollen das Gespräch, weil die Schiedsrichter davon in der Regel profitieren“, sagte Torsten Werner. Im Feedbackgespräch nach dem Spiel soll der Beobachter Stärken und Schwächen konkret ansprechen. Wichtig sei dabei, so Verbandslehrwart Oliver Topp, dass sich das Gespräch auch im Beobachtungsbogen wiederspiegeln müsse. „Sonst sind wir nicht authentisch“, sagte der Lehrwart.

Engagiert nahmen die westfälischen Beobachter an der Diskussion teil | Foto: Hennig
Engagiert nahmen die westfälischen Beobachter an der Diskussion teil | Foto: Hennig

Einsatz von Videomaterial kritisch gesehen

Kritisch sahen die beiden VSA-Beisitzer Werner und Häbel zudem den Einsatz dabei von Videomaterial zur Urteilsfindung. „Die Bewertung kann nur allein der eigenen Wahrnehmung erfolgen“, sagte Werner. Das Videoportal der Oberliga Westfalen sei aufgrund der qualitativ mittelmäßigen Bildmaterials, der Perspektive und der Frage der Gleichbehandlung keine Option. Markus Häbel betonte aber auch: „Damit wollen wir auch den Beobachtern den Rücken stärken, die ebenfalls auf Grundlage ihrer Sicht eine Szene beurteilen müssen.“

Mit großer Leidenschaft für den Fußball gelebt

Mit großer Leidenschaft für den Fußball gelebt

Die Schiedsrichter in Westfalen haben am 15. November einen ganz besonderen Menschen verloren: Auf den Tod des ehemaligen DFB-Schiedsrichters Armin Möller (66) reagierten die Mitglieder des Verbandsschiedsrichterausschusses sowie langjährige Schiedsrichterkameraden mit tiefer Trauer und Bestürzung. Ein Nachruf von Gundolf Walaschewski.

„Liebe deine Aufgabe mit Leidenschaft, sie ist der Sinn deines Lebens“. Wenn je dieses Wort des französischen Bildhauers Auguste Rodin für einen Menschen in unserem Metier – dem Fußball, genauer: dem Schiedsrichterbereich – gegolten hat, dann war das unser Bochumer Schiedsrichter Armin Möller. Es gab kaum einen Sportplatz, kaum eine überregionale Schiedsrichterveranstaltung, bei denen man ihn nicht treffen konnte. Und zwar so wie er war: offen, direkt, resolut mit einem festen Händedruck, hinter dem man ruhig einen ausgeprägten Charakter vermuten konnte. Selbst in den letzten Wochen, da sich sein Leben aufgrund einer schweren Erkrankung dem Ende zuneigte, zeigte er sich optimistisch und lebenszugewandt.

Er, der Kämpfer, kämpfte einen langen, einen guten, letztlich aber einen erfolglosen Kampf. Die Krankheit war stärker und raubte ihm am 15. November dieses Jahres sein Leben, das am 16. März 1947 begonnen hatte. Der Sachbearbeiter einer Krankenversicherung entdeckte schnell den Fußball für sich und entschied sich für eine Karriere als Fußballschiedsrichter. Die führte ihn bis in die 2. Bundesliga, in der er in den Jahren 1977 bis 1981 insgesamt 40 Spiele geleitet hat. Danach hat Armin Möller sich den westfälischen Schiedsrichter in diversen Funktionen zur Verfügung gestellt, vor allem als Schiedsrichter-Beobachter, der vielen jungen Schiedsrichtern zu einer respektablen Karriere verholfen und die Etablierten in ihren Spielleitungen noch sicherer gemacht hat.

Seine kumpelhafte aber nie anbiedernde Art des Umgangs, vor allem mit jungen Schiedsrichtern, machte ihn zu einem glaubwürdigen und respektierten Kollegen. Dabei ging es ihm nie nur um die Beurteilung eines Schiedsrichters, sondern immer und vor allem um dessen Weiterentwicklung. Deshalb war er unter jungen Schiedsrichter ein gesuchter Gesprächspartner. Aber auch der VSA hat von seinem nie erlahmendem Engagement, seinem Sachverstand, seiner Empathie profitieren können: Mancher der Schiedsrichter, die eine Karriere gemacht haben, wurde dem VSA durch Armin Möller nahe gebracht. Er hat damit nicht nur in seinem Heimatkreis Bochum bleibende Spuren gesetzt, sondern im gesamten Schiedsrichterwesen Westfalens.

Es fällt schwer, ihn nur noch in diesen Spuren nah zu wissen. Aber gerade sie werden ihn in unserem Gedächtnis verankern. Und dort werden wir ihn bewahren, nicht nur als einen erfolgreichen Schiedsrichter und Schiedsrichterfunktionär, sondern vor allem als einen Menschen, der den Fußball liebte und sich um ihn verdient gemacht hat.

 

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