Ein „Dankeschön“ vor großer Kulisse

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Noch vor wenigen Wochen hätten die Schiedsrichterausschüsse der Kreise Lemgo, Detmold und Höxter es sicherlich nicht gewagt, ihren Fußballsport einmal ins Abseits zustellen. Doch die Aktion „DANKE SCHIRI“ des DFB gab Anlass, die Veranstaltung einmal außerhalb des Fußballplatzes durchzuführen.

Unter dem Motto “Sport verbindet“ empfing an diesem Tag der TBV Lemgo, vielfacher Deutscher Handballmeister und Pokalsieger, eine Gruppe von 24 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter der FLVW Kreise Lemgo, Detmold und Höxter zum Bundesliga-Handballspiel in der mit 5.000 Besuchern ausverkauften Lipperland-Halle. Und die Referees waren mehr als nur Zaungäste. Unter dem Applaus von TBV-Präsident Siegfried Haverkamp und den anwesenden Fußballprofis des DSC Arminia Bielefeld nahmen 9 Sportlerinnen und Sportler der Gruppe die Ehrung “Danke Schiri“ des Deutschen Fußballbunds entgegen. Zu den ersten Gratulanten gehörte das TBV-Maskottchen „Lippilotta“, das die Geehrten während der Halbzeitpause des Spiels gegen die Füchse Berlin auf der Spielfläche empfing, Und das einzeln per „Handshake“, nachdem der Name und ein persönlicher Slogan des jeweils ausgezeichneten Schiris auf den Anzeigetafeln der Halle erschienen war.

Zu den für langjähriges schiedsrichterliches Engagement Geehrten zählen neben Jessica Hildebrandt (Höxter) die Kameradinnen Kerstin Henke (Lemgo) und Heike Schnittcher (Detmold) sowie die Kameraden Klaus Teller, Michael Knöner (beide Lemgo), Klaus Dieter Meier, Kohder Souleiman-Omairat (beide Detmold) und Walter Boblest, Andre Hauswerth (beide Höxter).

Fast alle ausgezeichneten Sportlerinnen und Sportler greifen nicht nur selbst seit Jahrzehnten zur Pfeife. Sie sind vielmehr auch engagierte und wichtige Stützen ihrer Kreisschiedsrichterausschüsse. Daher wurde bereits der der Ehrung vorangestellte gemeinsame “Kaffeeklatsch“ zu einem lockeren und zugleich intensiven Erfahrungsaustausch genutzt. Am Ende dieses ereignisreichen Tages zogen die Beteiligten dann ein deutliches Fazit: „Erfahrungsaustausch und persönliche Kontakte über die üblichen Grenzen hinaus können unserer Sache wirklich dienen.“

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FLVW und DEKRA sagen „Danke Schiri“

Jens Vieting, Leiter der DEKRA-Niederlassung Dortmund, Simone Horn, Beisitzerin des Verbandsschiedsrichterausschusses, Ulrich Jeromin, FLVW-Ehrenamtsbeauftragter, Luis Torres, Stephanie Poppe, Ismail Öztürk, Hermann Korfmacher, FLVW-Präsident, Michael Liedtke, Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses, und DFB-Schiedsrichter Sören Storks. | Foto: David Hennig
Jens Vieting, Leiter der DEKRA-Niederlassung Dortmund, Simone Horn, Beisitzerin des Verbandsschiedsrichterausschusses, Ulrich Jeromin, FLVW-Ehrenamtsbeauftragter, Luis Torres, Stephanie Poppe, Ismail Öztürk, Hermann Korfmacher, FLVW-Präsident, Michael Liedtke, Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses, und DFB-Schiedsrichter Sören Storks. | Foto: David Hennig

„Danke Schiri“ lautet das Motto der bundesweiten Aktion des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der DEKRA. Im Rahmen einer Ehrungsveranstaltung zeichnete der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen e.V. (FLVW) nun die drei Landessieger in der DEKRA-Niederlassung in Dortmund aus. Dabei erhielten zwei Spätstarter und ein wahres Organisationstalent ein besonderes „Dankeschön“: Luis Torres (Kreis Gütersloh), Ismail Öztürk (Kreis Soest) und Stephanie Poppe (Kreis Iserlohn) wurden für ihr vorbildliches Engagement im Schiedsrichterwesen ausgezeichnet.

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FLVW-Präsident Hermann Korfmacher lobte das Engagement der Unparteiischen. | Foto: David Hennig

„Danke“ ist ein Wort, das eigentlich nicht oft genug gesagt werden kann. Dennoch hört man es viel zu selten. Gerade Schiedsrichtern wird nicht gerade häufig für ihren Einsatz und ihr Engagement gedankt. Dies war an diesem Abend anders: Hier standen drei Unparteiische im Mittelpunkt, die ein „Dankeschön“ verdient hatten. Einen besonderen Dank richtete FLVW-Präsident Hermann Korfmacher an die drei Anwesenden: „Ohne Sie, ohne alle 5000 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter in Westfalen wäre unser geliebter Fußball gar nicht vorstellbar.“ In seiner Laudatio sprach Korfmacher von keinen einfachen Zeiten für die westfälischen Unparteiischen. Gerade die Bilder von wütenden Trainern und motzenden Spielern aus der Bundesliga ließen jegliche Achtung vor den Regelhütern verlieren, die aus Leidenschaft und Liebe zum Fußball Woche für Woche ehrenamtlich auf dem Feld stehen. „Das Verhalten der Profis am Samstag wiederholt sich auch am Sonntagnachmittag bei den Amateuren. Die Leidtragenden sind oft genug die Schiedsrichter“, so der Präsident. Umso wichtiger sei es, mit dieser Aktion die so wichtige Tätigkeit in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.

DEKRA unterstützt Aktion tatkräftig

Jens Vieting, Leiter der DEKRA-Niederlassung Dortmund, war an diesem Abend der Gastgeber. | Foto: David Hennig
Jens Vieting, Leiter der DEKRA-Niederlassung Dortmund, war an diesem Abend der Gastgeber. | Foto: David Hennig

Ein Anliegen, dass auch die DEKRA als Partner der DFB-Schiedsrichter gern tatkräftig unterstützt. „Neutralität, Sachverstand und Sicherheit – das sind die Werte, die sowohl bei DEKRA, als auch bei den DFB-Schiedsrichtern im Mittelpunkt stehen. Aber unsere Partnerschaft ist viel mehr als die Platzierung eines Logos, verbunden mit der entsprechenden Fernseh-Präsenz. So wirkt DEKRA an Kampagnen des DFB mit, um Schiedsrichter neu zu gewinnen und bei der Stange zu halten. Und wir tun das eben auch mit der Unterstützung der Aktion „Danke, Schiri! “, erklärte Jens Vieting, Leiter der Dortmunder DEKRA-Niederlassung.

„Die enorme Resonanz von der Basis zeigt: ja, wir möchten und wir müssen unseren Schiedsrichtern Danke für ihren tollen Einsatz sagen“, betonte Korfmacher. 26 von 29 westfälischen Kreisen haben jeweils eine Schiedsrichterin und zwei Schiedsrichter in den Kategorien „U50“, Ü50“ und „Schiedsrichterin“ nominiert. Dabei fiel die Auswahl der drei Landessieger nicht leicht. Denn aus allen Meldungen musste der Verbandsschiedsrichterausschuss (VSA) drei Landessieger auswählen:

Ein wahres Organisationstalent

Stephanie Poppe (re.) erhält ihre Urkunde aus den Händen von FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (li.). Auch Jens Vieting (Mitte), Niederlassungsleiter der DEKRA in Dortmund, gratulierte. | Foto: David Hennig
Stephanie Poppe (re.) erhält ihre Urkunde aus den Händen von FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (li.). Auch Jens Vieting (Mitte), Niederlassungsleiter der DEKRA in Dortmund, gratulierte. | Foto: David Hennig

Mit Stephanie Poppe aus dem Kreis Iserlohn zeichnete der VSA in der Kategorie „Schiedsrichterin“ ein wahres Organisationstalent aus: Die 30-jährige ist verheiratet und Mutter von zwei kleinen Kindern. „Ihre Geschichte ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man es tatsächlich schaffen kann, Schiedsrichtertätigkeit und Familie unter einen Hut zu bringen“, lobte Michael Liedtke, Vorsitzender des VSA. Die ehemalige Fußballerin musste vor neun Jahren ihre aktive Laufbahn krankheitsbedingt beenden, ließ sich aber durch ihren Ehemann – der ebenfalls als Schiedsrichter aktiv ist – zum „Pfeifen“ motivieren. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, nach der Babypause wieder auf den Platz zurückzukehren“, so Liedtke. Denn Familie, Beruf und Hobby zu vereinbaren, erfordert großes organisatorisches Geschick. Doch Poppe geht ihrem Hobby weiter vorwiegend im Juniorenbereich mit großem Engagement und viel Freude nach und steht gerade jungen Schiedsrichterinnen in ihrem Kreis als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Ein Schiedsrichter, der sein Hobby lebt

FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (li.) gratulierte Schiedsrichter Luis Torres (re.) aus seinem Heimatkreis. | Foto: David Hennig
FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (li.) gratulierte Schiedsrichter Luis Torres (re.) aus seinem Heimatkreis. | Foto: David Hennig

In der Kategorie Unter 50 wurde Luis Torres aus dem Kreis Gütersloh geehrt. „Wir haben mit Luis jemanden ausgewählt, der dieses Hobby nicht einfach nur ausführt, sondern tatsächlich lebt“, sagte Liedtke. Der 47-jährige leitet Spiele bis zur Kreisliga A und gehört eher zu den „Spätstartern“: Torres begann seine Schiedsrichterlaufbahn erst mit 35 Jahren. Auch Luis warf eine Krankheit aus der Bahn und ließ ihn um sein liebstes Hobby, den Fußball, bangen. Doch er kämpfte sich zurück, suchte einen Weg, am Ball zu bleiben. Als Unparteiischer startete er schließlich 2003 einen Neuanfang. „Er ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass es sich auch nach einer aktiven Laufbahn durchaus lohnt, den Blick in das Schiedsrichterwesen zu wagen“, betonte der Vorsitzende. Mittlerweile leitet Torres rund 80 Spiele im Jahr. Seine sympathische Art schätzen nicht nur seine Schiedsrichter-Kollegen, sondern auch alle, die auf dem Platz mit ihm umgehen: von den Spielern bis hin zu den Verantwortlichen.

Ein sympathischer Fairplay-Botschafter

Ismail Öztürk (3.vl.) nimmt die Glückwünsche von FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (2.vl.) entgegen. Jens Vieting (li.), Leiter der DEKRA-Niederlassung, und Michael Liedtke (re.) gehörten ebenfalls zu den Gratulanten. | Foto: David Hennig
Ismail Öztürk (3.vl.) nimmt die Glückwünsche von FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (2.vl.) entgegen. Jens Vieting (li.), Leiter der DEKRA-Niederlassung, und Michael Liedtke (re.) gehörten ebenfalls zu den Gratulanten. | Foto: David Hennig

Noch später kam der Sieger in der Kategorie „Über 50“ zur Schiedsrichterei: Ismail Öztürk aus dem Kreis Soest entschloss sich erst mit 51 Jahren Unparteiischer zu werden. Vor 10 Jahren legte er sein Amt als Vereinsvorsitzender nieder, wollte aber noch dem Fußball treu bleiben und etwas für seine Gesundheit tun. „Das ist für uns Schiedsrichter natürlich ein Glücksgriff gewesen“, so Liedtke. Die Jahre zuvor hatte Öztürk bereits viele verschiedene Funktionen im Fußball bekleidet: ob als Spieler, Trainer oder Vereinsfunktionär – der heute 61-jährige engagierte sich immer besonders in den Vereinen, für die er tätig war. Heute hat er sich das Ziel gesetzt, der Jugend etwas zurückzugeben. Dabei ist ihm der Fairplay-Gedanke besonders wichtig. „Dass er seine Spesen auch hier und da den Jugendabteilungen spendet, sei ebenfalls am Rande erwähnt“, verriet Liedtke. Diese Werte versucht Öztürk jungen Leuten bei seinen Spielleitungen zu vermitteln und begeistert mit seiner Art auch andere für das Schiedsrichterwesen. Dadurch hat er nicht nur neue Schiedsrichter gewonnen, sondern diese auch durch Lehrgang und bei ihren ersten Spielleitungen begleitet. „Damit ist Ismail nicht nur ein Schiedsrichter – sondern auch ein Vorbild und sympathischer Fairplay-Botschafter mit einem Herz für die Jugend“, lobte der Vorsitzende.

„Wir haben heute drei sehr bescheidene Unparteiischen kennengelernt, für die ganz andere Dinge im Vordergrund stehen und eben nicht sie selbst. Das ist vorbildlich und tut dem Schiedsrichterwesen gut“, sagte Liedtke. Auf Poppe, Torres und Öztürk wartet nun noch ein weiteres Highlight: Sie werden den FLVW im Mai in Hannover auf der Ehrungsveranstaltung des DFB vertreten.

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Aus Traum wird Realität

Aus Traum wird Realität

Die Freude hätte im Endeffekt kaum größer sein können. Für seine Leistungen auf einem konstant hohen Niveau wurde Sören Storks (VfL Ramsdorf, Kreis Recklinghausen) letztlich mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga belohnt – und ist nun auf einer noch größeren Fußballbühne unterwegs.

„Ich musste mich erstmal hinsetzen, als der Anruf kam“, erinnert sich Storks. Inzwischen hat der 28-Jährige die erfreuliche Nachricht auch voll realisiert – wenn auch mit etwas Anlauf. „Das hat schon ein paar Tage gedauert“, ergänzt er lachend. Unterhaching, Chemnitz und Kiel waren nur wenige der Orte, in denen sich Storks in der dritten Liga gut präsentierte. Seit 2013 pfeift er in der Dritten Liga, zu diesem Zeitpunkt erfolgte auch die Nominierung für die 2. Bundesliga als Schiedsrichter-Assistent. Zur neuen Spielzeit also reist Storks unter anderem nach Freiburg, Kaiserslautern und Nürnberg – jetzt aber als Mann an der Pfeife. „Zunächst gilt es, erstmal in der neuen Liga anzukommen“, äußert Storks vorsichtig, aber realistisch. „Danach wird man sehen, was möglich ist, aber um das einzuschätzen, ist es einfach noch zu früh.“

Erstliga-Luft hat Storks allerdings durchaus schon geschnuppert: Das mit 30.000 Zuschauern ausverkaufte Testspiel zwischen dem VfL Bochum und Borussia Dortmund stand unter seiner Leitung, ebenso das Ersrtundenmatch im DFB-Pokal zwischen dem Regionalligisten SV Elversberg und dem FC Augsburg aus der deutschen Beletage. Storks sagt: „Das Spiel in Bochum war mein Highlight der Vorbereitung. Es ist schon was Besonderes, wenn man vor ausverkauftem Haus so ein Ruhrderby leiten darf.“

Gelungener Einstand

Sören Storks in der letzten Saison während der Oberliga-Begegnung ASC Dortmund gegen Westfalia Herne | Fotos: Heike Derbort
Sören Storks in der letzten Saison während der Oberliga-Begegnung ASC Dortmund gegen Westfalia Herne | Fotos: Heike Derbort

Etwas Besonderes war auch der erste Einsatz als Schiedsrichter-Assistent in der Bundesliga: An der Seite von Sascha Stegemann feierte Storks in der Partie Hertha BSC gegen Werder Bremen (1:1) am 2. Spieltag einen gelungenen Einstand. „Das war Gänsehaut pur. Und die Anspannung hat sich auch nach und nach gelöst.“ Dass das Spiel insgesamt gut gelaufen ist, rundet das Wochenende passend ab.

Nach dem altersbedingten Ausschied Thorsten Kinhöfers (Kreis Herne) ist Storks gemeinsam mit Thorben Siewer (Kreis Olpe) das neue westfälische Aushängeschild. Schritt für Schritt hat sich der sympathische Blondschopf hochgearbeitet, viel Arbeit und Zeit investiert, um dort anzukommen, wo viele junge Referees heimlich hin schielen. Dem Bezirksliga-Aufstieg im Jahre 2007 folgte prompt der Sprung in die Landesliga und später auch in die Oberliga. Und ehe er sich versah, landete Storks schon auf der DFB-Liste. „Ich denke, dass jeder Schiedsrichter auf Verbandsebene bereits einmal davon geträumt hat, im professionellen Bereich aktiv zu sein. Aber Druck sollte man sich nicht machen, denn geht man mit Druck in die Spiele, dann funktioniert es meistens nicht.“ Mit jedem Aufstieg, so der Ramsdorfer, werde der Sprung in den Profibereich persönlich greifbarer.

Wenn es zeitlich passt, ist der 28-Jährige aber auch auf Verbandsebene immer mal wieder aktiv. Die Umstellung fällt ihm dabei relativ leicht. „Je höher du kommst, desto körperlich robuster ist das Spiel. Man muss sich da vielleicht ein bisschen anpassen, damit alle zufrieden sind.“ Die Anpassung scheint gut zu gelingen. „Zumindest hielten sich die Beschwerden bislang in Grenzen“, so Storks lachend.

Zeitintensive Tätigkeit

Trotz des anhaltendes Erfolges gibt es auch ein Leben außerhalb der Pfeiferei – und auch Storks, mittlerweile Zimmerermeister, muss es irgendwie schaffen, seine zeitintensive Tätigkeit mit dem Berufsleben in Einklang zu bringen. „Die Kombination klappt gut, weil ich mir meine Arbeit inzwischen selbst einteilen kann. Das funktioniert aber nur, wenn der Arbeitgeber dich unterstützt und dir die Kollegen auch mal den Rücken freihalten“, so Storks. Die tägliche Arbeit ist es aber auch, die ihn im sportlichen Höhenflug immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Im Normalfall, so der Ramsdorfer, gehe das ganz schnell. „Um 5 klingelt der Wecker und dann gehe ich arbeiten – wie jeder andere auch. Ich halte es für wichtig, auch mal andere Sachen als Fußball im Sinn zu haben.“

Es ist also alles angerichtet für ein erfolgreiches Debüt in der neuen Liga. Storks „Ich stehe in den Startlöchern und bin gewappnet. Es kann losgehen.“ Vier Spieltage musste er warten – am fünften Spieltag folgt das Debüt: Der Schiedsrichter der Begegnung FSV Frankfurt gegen FC St. Pauli (Sonntag, 13.30 Uhr auf Sky) heißt Sören Storks.

Herausforderungen bewältigt – auch der „Chef“

Herausforderungen bewältigt – auch der „Chef“

Nervös? „Nur ein bisschen“, antwortete Martin Gratzla mit leiser Stimme. Der erst 16-jährige Referee stand unmittelbar vor seinem ersten Einsatz mit einem eigenen Team – von Nervosität war tatsächlich wenig zu spüren. Und ebenso kleinlaut antwortete er nach dem Abpfiff: „Ich bin ganz zufrieden.“ In Wahrheit war das falsche Bescheidenheit, denn für das erste Spiel sah das schon richtig gut aus.

Martin Gratzla war einer von zwölf westfälischen Referees, die vom VSA für das U14-Sichtungsturnier des DFB im SportCentrum Kamen-Kaiserau eingeladen worden waren. Eine Woche kickten zehn Landesverbände der Republik gegeneinander – die Unparteiischen waren dabei täglich entweder als Schiedsrichter oder als Assistenten im Einsatz. Alle Partien wurden aufgezeichnet und anschließend gemeinsam mit dem Beobachter analysiert.

Lediglich vier Fouls musste Martin Gratzla (Gütersloh) ahnden. |Foto: Leonidas Exuzidis
Lediglich vier Fouls musste Martin Gratzla (Gütersloh) ahnden. |Foto: Leonidas Exuzidis

„Ich bin sehr zufrieden mit dieser Woche“, resümierte VSO und Lehrgangsleiter Michael Liedtke nach dem letzten Abpfiff. „Ihr habt alle toll mitgezogen und starke Leistungen gezeigt.“ Sonderlich gefordert waren die Referees allerdings nur in den wenigsten Spielen, denn die Anzahl der Fouls war – wie es bei einem Turnier der Landesverbände üblich ist – überschaubar. Vielmehr ging es um Verbesserungspotenzial im taktischen Bereich, um verbesserte Laufwege und cleveres Stellungsspiel.

Friedensnobelpreise in Kaiserau

Auch Martin Gratzlas Spiel war nicht sonderlich anspruchsvoll. Ganze vier (!) Fouls waren es nach Abpfiff, das erste Vergehen erfolgte nach 39 (!) von 60 Spielminuten. „Das Spiel hat einen Friedensnobelpreis verdient“, scherzte Beobachter Torsten Werner während der Partie. Für Gratzla, frischgebackener Bezirksliga-Referee, war es jedenfalls ein dankbares Debüt. „Das war auf jeden Fall eine Erfahrung wert“, so der junge Schiedsrichter aus dem Kreis Gütersloh, „zu dritt macht das doch deutlich mehr Spaß.“

Das Eröffnungsspiel pfiff Vanessa Arlt (Münster) gemeinsam mit ihren Assistenten Roland Kreuz (l.) und Janik Stork (r.). |Foto: FLVW
Das Eröffnungsspiel pfiff Vanessa Arlt gemeinsam mit ihren Assistenten Roland Kreuz (l.) und Janik Stork (r.). |Foto: FLVW

Nicht nur den 16-Jährigen packte in dieser Woche die Lust an der Pfeiferei. Auch VSO Michael Liedtke konnte nicht widerstehen – der 55-Jährige griff allerdings zur Fahne statt zur Pfeife. Bei einem kurzfristig vereinbarten Testspiel zwischen dem Regionalligisten Borussia Dortmund II und Fleetwood Town aus der zweiten englischen Liga assistierte Liedtke gemeinsam mit Timo Gansloweit Lehrgangsteilnehmer Patrick Holz, der das Spiel souverän und tadellos über die Bühne brachte. Eine starke Leistung im Gespann, die das gesamte Lehrgangsteam nach Abpfiff mit einem kräftigen Applaus honorierte. „Ich konnte einfach nicht anders. Das war klasse, mal wieder aktiv dabei zu sein“, zeigte sich der „Chef“, der äußerst ungern so genannt wird, zufrieden.

Philipp Hüwe sagte „Hallo“

Mit Philipp Hüwe war zusätzlich jemand zu Gast, der bereits dort ist, wo viele junge Referees mal hinwollen. Hüwe, Schiedsrichter in der Regionalliga und als Assistent frisch in die dritte Liga aufgestiegen, beantwortete geduldig und ehrlich die Fragen der kleinen Runde. „Ihr müsst von Schritt zu Schritt denken. Sonst scheitert ihr an euren eigenen Erwartungen“, so der gebürtige Coesfelder.

Besonders interessant: Hüwe betonte genau das, was auch die Mitglieder des VSA zu Beginn des Lehrgangs unterstrichen hatten. „Es kann nie schaden, sich nach Abpfiff mal einige Minuten mit dem Spiel auseinanderzusetzen. Mal zu überlegen: ‚Was hätte ich anders machen können? Wo muss ich mich verbessern?‘ Denn ein Spiel endet nicht nach 90 Minuten. Die Reflektion im Anschluss ist mindestens genauso wichtig.“

Diese Botschaft sollte nun angekommen sein: Denn die Reflektion war eines der Kernziele des Lehrgangs. Denn das Sezieren und Analysieren der gefilmten Einzelsituationen verkörpert genau diese Message: Was hätte ich besser machen können?

Die Lehrgangsteilnehmer (v.l.): Florian Meer, Philipp Hüwe (zu Gast), Sedef Eyeoglu, Timo Gansloweit, Lehrgangsleiter Michael Liedtke, Vanessa Arlt, Patrick Holz, Daniel Dembinski, Leonidas Exuzidis, Fabian Bodem, Martin Gratzla, Roland Kreuz, Dominik Doht und Janik Stork. |Foto: privat
Die Lehrgangsteilnehmer (v.l.): Florian Meer, Philipp Hüwe (zu Gast), Sedef Eyeoglu, Timo Gansloweit, Lehrgangsleiter Michael Liedtke, Vanessa Arlt, Patrick Holz, Daniel Dembinski, Leonidas Exuzidis, Fabian Bodem, Martin Gratzla, Roland Kreuz, Dominik Doht und Janik Stork. |Foto: privat

 

Der letzte Pfiff

Der letzte Pfiff

Der westfälische Unparteiische Thorsten Kinhöfer beendete am letzten Bundesligaspieltag nach der Partie zwischen Bayern München und Mainz 05 seine aktive Laufbahn. Der 47-jährige Herner hat die Altersgrenze erreicht und musste nach 14 Jahren in der höchsten Spielklasse die DFB-Liste verlassen. SR-Aktuell-Autor David Hennig hat sich mit dem scheidenden Spitzenschiedsrichter über seinen Abschied, seine Karriere und seine zukünftigen Pläne unterhalten.

Herr Kinhöfer, auch wenn es nun mittlerweile mehr als 14 Jahre her ist: Können Sie sich noch an Ihr erstes Bundesliga-Spiel erinnern?

Thorsten Kinhöfer: Ich hatte meinen ersten Einsatz als eine Art „Test“ beim Spiel 1860 München gegen den VfL Wolfsburg im altehrwürdigen Olympiastadion. Damals war ich noch kein Bundesliga-Schiedsrichter. Erst in der Saison darauf wurde ich für meine guten Leistungen mit dem Aufstieg in die Bundesliga belohnt.

Wo Sie dann 14 Jahre aktiv waren. Jetzt schloss sich in München der Kreis. Was war das für ein Gefühl, das letzte Mal auf dem Platz zu stehen?

Kinhöfer: Ich habe mir im Vorfeld gedacht: Genieß es! Aber das war leicht gesagt. Es war – auch wenn es für beide Mannschaften um nichts mehr ging – ein Bundesligaspiel, in dem ich mir als Schiedsrichter keinen Fehler erlauben durfte. So konnte ich vielleicht die letzten zwei bis drei Minuten ein bisschen genießen. Auch wenn es ein komisches Gefühl war, die Sekunden auf der Uhr ablaufen zu sehen.

Wieso?

Kinhöfer: Als die Sekunden runter zählten wurde mir erst so richtig bewusst, was für eine tolle Zeit ich hatte und was nun Geschichte ist. In der kurzen Zeit vor dem Abpfiff konnte ich diese vielen schönen Momente Revue passieren lassen. Der letzte Pfiff nach 21 Jahren im DFB-Bereich war ein sehr trauriger Moment. Da habe ich mir kurz gewünscht, die Zeit anhalten zu können. Aber das Leben geht zum Glück immer weiter.

Was bedeutet es eigentlich so lange auf höchstem Niveau zu pfeifen?

Kinhöfer: Es war ein Lernprozess. Der Job als Schiedsrichter im bezahlten Fußball bringt jeden persönlich weiter – egal ob im Sportlichen, Privaten oder im Beruflichen. Man lernt, mit 22 verschiedenen Charakteren umzugehen – und der Druck der Medien ist natürlich gerade in der Bundesliga enorm. Manchmal steht der Schiedsrichter im Mittelpunkt, obwohl er gar nichts dafür kann. Damit muss man sich auseinandersetzen. Das ist nicht angenehm, aber wenn ich zurückblicke, möchte ich nicht eine Sekunde davon missen.

Wenn Sie nun den Thorsten Kinhöfer aus dem ersten Spiel mit dem Schiedsrichter nach über 200 Bundesligapartien vergleichen: Was hat sich verändert?

Kinhöfer: Ich kann nur sagen, dass ich am Ende meiner Karriere viel souveräner und gelassener an die Sache herangegangen bin als damals. Mittlerweile konnte ich die Sache von oben herab betrachten. Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen überheblich oder arrogant an – aber mit mehr als 200 Bundesliga- Spielen hat man einen ganz anderen Blick als ein Neuling in dieser Spielklasse. Am Anfang muss man sich die Meriten erst verdienen. Ich vergleiche das gerne mit einem neuen Lehrer, der in die Klasse kommt: Da versuchen die Kinder, dem Lehrer auf dem Kopf herumzutanzen. Sie wollen testen, wie weit sie gehen können. Bei uns wissen die Mannschaften mittlerweile, wo die Grenzen sind und damit können auch wir leichter umgehen.

Sie müssen keine Namen nennen – aber können Sie sich noch an Dialoge oder Situationen mit Spielern erinnern, die Sie im Nachhinein zum Schmunzeln gebracht haben?

Kinhöfer: Mir sagte mal ein Spieler, dass er die fünfte Gelbe Karte haben möchte. Da habe ich natürlich gefragt: „warum?“ Er hatte keine Lust, zum Auswärtsspiel mitzufahren, weil es ihm zu weit war. Dann habe ich ihn nur gebeten, dass er keinen umhauen soll, sondern den Ball nach dem Pfiff lieber irgendwohin schlägt. Und wenn er dann den Ball wegschlägt, dann bleibt mir ja nichts anderes übrig – aber das kann ich dann auch mit einem Lächeln begleiten. Da gibt es sicherlich noch unzählige weitere Wortgefechte mit Spielern, bei denen ich hinterher gedacht habe: Das war nun spaßig. Es gibt natürlich Spielertypen, mit denen man das machen kann – aber es gibt auch andere Spieler, mit denen das nicht funktioniert. Als Schiedsrichter muss ich nur wissen, mit wem ich das machen kann. Mir waren Spieler immer am liebsten, die mit offenem Visier gespielt haben.

Sie haben viel erlebt und waren viel unterwegs. Können Sie sich ein Wochenende ohne Fußball und Hotelübernachtungen überhaupt noch vorstellen?

Kinhöfer: Es wird schon schwierig. Ich freue mich zwar immer, wenn eine Saison vorbei ist, weil der Akku dann auch leer ist. Aber ich freue mich auch immer, wenn die Saison im August wieder losgeht. Nur in diesem Jahr wird dies nicht passieren. Wie die Zeit dann wird, wird sich zeigen. Ich denke, ich habe genügend Hobbys, denen ich frönen kann. Aber nach 21 Jahren ist das ein Abschied, der sicherlich schwerfällt – oder wunderbar sein wird. Aber das wird die Zukunft zeigen.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Kinhöfer: Mir werden meine Assistenten fehlen, die ich gar nicht mehr oder nur noch ganz selten sehen werde. Da haben sich mit den Jahren durch ganz Deutschland Freundschaften entwickelt. Ob Detlef Scheppe, der bereits im vergangenen Jahr aufgehört hat, Christian Fischer oder auch Freddy Assmuth – das sind Personen, die mir ans Herz gewachsen sind. Die ernsthaften Gespräche, aber auch der Spaß auf den Fahrten und auf den Lehrgängen, werde ich schon vermissen. Und natürlich die ganze Atmosphäre in den tollen Stadien, dieses „positive Stressgefühl“, wenn man als Schiedsrichter die Verantwortung für ein Bundesliga-Spiel trägt – einfach dieses unbeschreibliche Feeling als Bundesliga-Referee.

Gibt es schon konkrete Überlegungen für den Schiedsrichter- Ruhestand?

Ich konnte mich ja auf das Karriereende vorbereiten. Nach der Saison beginnt ein neuer Lebensabschnitt, dem ich mich stellen werde. Ich selbst werde dem Fußball erhalten bleiben, in welcher Funktion auch immer. Aber das muss erst einmal wohl überlegt sein.

„Ein absolutes Highlight“

„Ein absolutes Highlight“

| Foto: Oliver Zimmermann, www.framba.de

Die westfälische DFB-Schiedsrichterin Marina Wozniak leitet am Samstag, 17. Mai 2014, das Deutsche Pokalfinale der Frauen im Kölner RheinEnergieStadion. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nominierte die Hernerin gemeinsam mit den Assistentinnen Sandra Blumenthal und Ines Appelmann sowie der Vierten Offiziellen Dr. Riem Hussein für das Endspiel zwischen der SGS Essen und dem 1. FFC Frankfurt.

Für Marina Wozniak ist es nicht das erste DFB-Pokalfinale, schließlich war die Hernerin 2007 und 2009 in Berlin sowie 2011 in Köln bereits bei den Endspielen im Einsatz. Dennoch ist es für Wozniak eine Premiere: Nach drei Einsätzen als Assistentin steht sie nun als Schiedsrichterin im Mittelpunkt. Jetzt in der Mitte zu stehen, ist für die FIFA-Assistentin eine besondere Anerkennung: „Das zeigt mir, auch als Schiedsrichterin anerkannt zu werden.“ Umso wichtiger war ihr, dass die Nominierung durch die DFB-Schiedsrichter-Kommission aufgrund der guten Leistungen als Schiedsrichterin in der Frauen-Bundesliga erfolgte – nicht als Dankeschön am Karriereende.

„Das Pokalfinale ist für mich als Schiedsrichterin ein absolutes Highlight“, sagte Wozniak. Nachdem die 34-jährige bereits am 12. April 2014 das Halbfinale zwischen SGS Essen und FC Freiburg leitete, rechnete die Schiedsrichterin nicht mehr mit einem weiteren Einsatz im laufenden Wettbewerb. „Dass ein Schiedsrichter ein Halbfinale und das Finale leitet, das gibt es beim DFB eigentlich nicht“, sagte die Hernerin. So war die Freude umso größer. Natürlich sei Wozniak auch vor einem solchen Finale nervös – wie vor jedem Spiel. „Wenn ich vor meinen Spielen nicht mehr – im positiven Sinne – aufgeregt wäre, dann müsste ich aufhören.“ Nun freut sich die Schiedsrichterin auf ein interessantes Spiel, denn: „Im Pokal und gerade im Finale kann jeder jeden schlagen.“

 

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