Intensive Tage, spannende Einblicke

Das Teilnehmerfeld inklusive Lehrgangsleitung des JLK-Osterlehrgangs 2016. | Foto: Berliner Fußballverband
Das Teilnehmerfeld inklusive Lehrgangsleitung des JLK-Osterlehrgangs 2016. | Foto: Berliner Fußballverband

„Beeindruckende und sehr lehrreiche Tage in Berlin“, resümiert Cengiz Kabalakli. Der Nachwuchs-Schiedsrichter aus dem Kreis Gelsenkirchen vertat in diesem Jahr die westfälischen Farben beim Osterlehrgang des Juniorenleistungskaders (JLK) in der Hauptstadt, der schon seit einem Vierteljahrhundert stattfindet.

Die Agenda hatte es auch in diesem Jahr in sich: Kabalakli absolvierte eine intensive Woche mit einem vielfältigen Sportprogramm und zahlreichen Schulungen und Vorträgen. Dazu gehörten unter anderem Abseits- und Verhaltensschulungen sowie eine Gemeinschaftsbeobachtung des Schweizer Fifa-Schiedsrichters Alain Bieri. Auch die Pflicht musste erfüllt werden: Neben einer Leistungsüberprüfung in Form von Regel- und Konformitätstests wurde die Fitness der Referees gemäß den FIFA-Vorgaben überprüft.

Insgesamt 36 Schiedsrichter reisten unmittelbar vor den Feiertagen an den kleinen Wannsee in der Bundeshauptstadt. Das Teilnehmerfeld bildeten jeweils ein Vertreter aus den deutschen Landesverbänden, zwei Referees aus Österreich und ein Unparteiischer aus der Schweiz.

Zu Gast in der Berliner Sportschule waren unter anderem Fifa-Assistent Jan Seidel und Fifa-Schiedsrichter Felix Zwayer. Wie tickt ein Elite-Referee? Wie sieht die Welt der Unparteiischen im Lizenzfußball aus? Beide gaben spannende Einblicke in ihre wöchentliche Arbeit und versuchten, die Lehrgangsteilnehmer für Theorie und Praxis weiter zu sensibilisieren.

Der westfälische Teilnehmer Cengiz Kabalakli aus Gelsenkirchen mit FIFA-Referee Felix Zwayer. | Foto: privat

Seidel versuchte, den Teilnehmern diverse Praxistipps für die Assistenten-Tätigkeit zu vermitteln, Zwayer referierte zum Thema Persönlichkeit und sprach über die zentralen Kriterien einer letztlich gelungenen Spielleitung. „Die Vorträge wurden mit entsprechendem Videomaterial begleitet, so konnte man durchaus für zukünftige Spielleitungen lernen“, sagte Kabalakli.

Auch die Kameradschaft kam nicht zu kurz: „Es ist schon spannend, wie schnell ein wirkliches Team aus uns Teilnehmern entstanden ist“, so Kabalakli. Das lag nicht zuletzt daran, dass auch Zeit für Freizeitgestaltung blieb: So konnten die Schiedsrichter Mitte der Woche in Kleingruppen die Hauptstadt erkunden, am Abend besuchten alle Unparteiischen und die Lehrgangsleitung die „Blue Man Group“-Show.

 

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Zu Gast in Berlin

Zu Gast in Berlin

Er hat schon eine gewisse Tradition: der Juniorenleistungskader-Lehrgang in Berlin in den Osterferien. Auch 2014 reisten Schiedsrichter aus ganz Deutschland und drei Schiedsrichter aus Wien in die Hauptstadt. Unter ihnen war auch der westfälische Schiedsrichter Lars Bramkamp aus dem Kreis Bochum.

Der 23. Osterlehrgang stand unter der Leitung von Uwe Specht. Die eingeladenen Schiedsrichter aus den verschiedenen Landesverbänden waren zwischen 14 und 20 Jahren alt und die Unterbringung erfolgte in der Sportschule des Berliner Fußballverbandes direkt am kleinen Wannsee. „Jeden Tag gab es zwei bis vier sportliche Einheiten, wo wir unter anderem fast jeden Morgen Joggen gegangen sind und natürlich wurde auch der FIFA- Test von uns gelaufen“, erzählte Lars Bramkamp. Neben den sportlichen Einheiten gab es natürlich auch theoretische, die von einem „Knigge für Schiedsrichter“ bis zu spannenden Vorträgen von bekannten Dozenten reichten. „Lutz Michael Fröhlich vom DFB hat mit uns zum Beispiel Videoarbeit betrieben, wo er uns Szenen aus der Bundesliga gezeigt hat, in denen es um die Zweikampfbeurteilung ging. Helmut Geyer hat uns einen möglichen Weg eines Spitzenschiedsrichters erklärt“, so Bramkamp.

Die Teilnehmer des diesjährigen JLK in Berlin | Foto: BFV
Die Teilnehmer des diesjährigen JLK in Berlin | Foto: BFV

Die Vorträge bildeten dabei den entspannenden Teil des Lehrgangs. „Etwas intensiver waren zum Beispiel die Kraft-Ausdauer- Übungen, bei denen wir Einblicke in der Welt des Freelatics oder des Cross Fit erhieten.“ Bei diesen sportlichen Einheiten stieß jeder Lehrgangsteilnehmer an seine Grenzen. Aber auch wenn ein kleiner Muskelkater nicht ausgeschlossen war, zog fast jeder Schiedsrichter die Einheiten bis zum Ende durch. „Das lag daran, dass unter uns Teilnehmern ein sehr großer Teamgedanke herrschte und wir so alle bis zum Ende der Einheit hoch motiviert waren“, erklärte Bramkamp. Kein Wunder also, dass sich während des Lehrganges viele Freundschaften entwickelten. Dazu trug auch ein freier Tag bei, an dem die Gruppe gemeinsam die Hauptstadt erkunden konnte.

Das Highlight des Lehrgangs war schließlich der Besuch des Berliner FIFA-Schiedsrichters Felix Zwayer und das gemeinsame Grillen. „Er hat natürlich auch ein Referat über die Persönlichkeit des Schiedsrichters gehalten und uns seine eigenen Erfahrungen erzählt. Seine sympathische Art und sein professionelles Auftreten haben uns alle begeistert“, sagte Bramkamp der insgesamt von dem Lehrgang begeistert war: „Ich danke dem FLVW für die Nominierung, der Lehrgangsleitung und dem JLK für die Gastfreundschaft und die Mühen, uns viele Dinge aus dem Schiedsrichterwesen beizubringen bzw. zu vertiefen“, sagte Lars Bramkamp, für den der Lehrgang eine Bereicherung gewesen sei. Nun hofft der Nachwuchsschiedsrichter die gelernten Dinge auf dem Sportplatz umsetzen zu können. (dh)

FIFA-Schiedsrichter Felix Zwayer zu Besuch

FIFA-Schiedsrichter Felix Zwayer zu Besuch

Es war die 18. Auflage des Wochenendlehrgangs der Schiedsrichtervereinigung Iserlohn. „Der Lehrgang war spitze“, sagte Artur Gatzke, langjähriges Mitglied im Kreisschiedsrichterausschuss (KSA) und bisher bei allen Lehrgängen dabei. Seit 1992 führen die Fußballschiedsrichter des Kreises Iserlohn die Tagung durch. Die letzte im Jahr 2010. „Es wurde mal wieder Zeit für eine intensive Schulung mit allem, was dazu gehört“, sagte Lars Lehmann, Vorsitzender des KSA.

Lehmann hatte den Lehrgang mit seinem KSA-Team geplant, um die Schiedsrichter gezielt auf die Rückrunde vorzubereiten. Tagungsort war das Hotel „Weissenburg“ in Billerbeck. An zwei Tagen beschäftigten sich die Schiedsrichter über 15 Stunden mit Videoanalysen, Regelfragen, taktischem Verhalten auf dem Platz und nicht zuletzt mit praktischen Übungen.

FIFA-Schiedsrichter Felix Zwayer (li.) und VKSA Lars Lehmann | Foto: SRVgg. Iserlohn
FIFA-Schiedsrichter Felix Zwayer (li.) und VKSA Lars Lehmann | Foto: SRVgg. Iserlohn

Dabei konnten sich die knapp 30 Teilnehmer über ganz besondere Gäste freuen: „Stargast“ am Samstag und Sonntag war dabei FIFA-Schiedsrichter Felix Zwayer. Der 32-jährige Berliner war direkt nach seinem Bundesligaspiel am Samstag in Leverkusen (Bayer Leverkusen gegen VfB Stuttgart) mit seinem Schiedsrichterassistenten Florian Steuer ins Münsterland geeilt. Der Mendener Steuer ist im Iserlohner Fußballkreis stellv. Vorsitzender des KSA.

Zwayer gilt beim DFB als Mann mit Zukunft. Erst 2012 bestätigte sich dies mit der Aufnahme auf die FIFA-Liste. Inzwischen hat Felix Zwayer bereits einige internationale Spiele gepfiffen, u.a. das Länderspiel Österreich gegen Ukraine. In der Bundesliga stand Zwayer schon bei 65 Partien auf dem Platz. In Billerbeck motivierte er mit einem Impulsreferat insbesondere die jungen Nachwuchsreferees: „Es gibt keinen goldenen Weg in der Schiedsrichterei.“ Er empfahl allen Schiedsrichtern, regelmäßig das 140 Seiten umfassende Regelheft zu lesen. „Lest es am Stück durch, wie ihr ein Sachbuch lesen würdet. Verinnerlicht die Regeln und entwickelt Automatismen“, appellierte der Bundesligaschiedsrichter. „Das war schon ein echtes Highlight“, sagte der 21-jährige Nachwuchsschiedsrichter Julian Engelmann über den Besuch von Felix Zwayer.

Am Samstag gaben Egbert Engler aus dem Kreis Recklinghausen, der als Schiedsrichterbeobachter in der Bundesliga tätig ist, und Verbandslehrwart Karsten Jonsson Einblicke in die Praxis. Engler berichtete sowohl aus seiner aktiven Schiedsrichterzeit in den 1990er Jahren, wie auch aus dem DFB-Beobachtungswesen. Sein Tipp an den Nachwuchs im Kreis Iserlohn: „Fahrt raus, leitet Spiele und schaut Euch viele Spiele an. Der gute Schiedsrichter wird nicht geboren.“ Mit Jonsson gab es einen Lehrteil mit intensiver Videoanalyse zu den Themen Foulspiel, Abseits und Handspiel. „Der Lehrgang hat unseren Kreis eindeutig nach vorne gebracht“, freute sich Lars Lehmann über den intensiven und ereignisreichen Wochenendlehrgang. Die Fortsetzung ist für 2015 geplant. Dann wird auch ganz sicher Artur Gatzke wieder mit von der Partie sein. (dh)

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