Innenraumverweise für Trainer nehmen zu

Innenraumverweise für Trainer nehmen zu

Ein Spiel dauert in der Regel 90 Minuten. Für viele Trainer war in der Hinrunde jedoch bereits früher Schluss – zumindest was ihren aktiven Part anging: 54 Trainer und Mannschaftsverantwortliche mussten bis Ende November in den Verbandsspielklassen von der Landes- bis zur Oberliga vorzeitig die Bank räumen. Von zertretenen Mittelfahnen, heftigen Reklamationen, lautstarker Kritik bis hin zu Beleidigungen, ironischen Ratschlägen und Drohungen – die Gründe für die Innenraumverweise des Bankpersonals waren vielfältig. Torsten Werner, Mitglied im Verbandsschiedsrichterausschuss (VSA), zeigte sich besorgt anlässlich dieser Entwicklung.

„Es ist auffällig, dass sich einige Trainer geradezu am Schiedsrichter-Team festgebissen haben“, sagt Torsten Werner. Die meisten Gründe für Innenraumverweise waren zwar die beiden „Klassiker“ wiederholte Schiedsrichter-Kritik und Beleidigungen, aber es gab auch besondere Situationen: In einem Fall trat ein Trainer eine Mittelfahne kurz und klein, so dass Splitter sogar in die Zuschauerränge flogen. In einem anderen Fall wurde ein Schiedsrichterassistent von einem Physiotherapeuten sexistisch beleidigt. In einem weiteren Fall lief der Trainer nicht nur aus seiner Coachingzone sondern einige Meter aufs Spielfeld, um den Schiedsrichter zu beschimpfen. Die Vorkommnisse verteilen sich dabei fast gleichmäßig über die Spielklassen. Auffällig allerdings: Einige Personen tauchten gleich mehrfach in der Statistik auf. „Offenbar haben wir es hier tatsächlich mit einigen Unbelehrbaren zu tun“, sagt Werner.

VSA-Mitglied Torsten Werner | Foto: David Hennig
VSA-Mitglied Torsten Werner | Foto: David Hennig

Perspektive, Wahrnehmung und Trikotfarbe machen häufig den Unterschied. Und so kommt es immer wieder vor, dass Mannschaftsverantwortliche eine Szene anders bewerten als der Schiedsrichter. „Das ist verständlich und dabei kann es auch mal etwas emotionaler zugehen, aber einige wissen einfach nicht, wo ihre Grenzen sind“, erklärt Werner. Grundsätzlich gelte es jedoch festzuhalten, so der VSA-Beisitzer, dass die meisten Trainer ein angemessenes Verhalten zeigen und für die Schiedsrichter kein Problem darstellen. Allerdings zeigt die Statistik auch: Die Zahl der Trainer steigt, die durch ihr Verhalten negativ auffallen. „Für die Schiedsrichter ist das ärgerlich, weil sie durch das Verhalten der Trainer an der Seitenlinie von ihrer eigentlichen Aufgabe auf dem Platz abgelenkt werden“, sagt das VSA-Mitglied.

Deshalb hat der VSA in der Vergangenheit bereits mehrfach auf diese Entwicklung hingewiesen. Getan hat sich bisher wenig. „Hier kann keine positive Kehrtwende wahrgenommen werden. So gab es auch in der Hinrunde wieder über 50 Innenraumverweise. Das sind eindeutig zu viele“, resümiert Werner. Über die Gründe mag der Bielefelder nicht spekulieren, weißt aber auf ein generelles gesellschaftliches Problem hin: „Hohe Werte wie Respekt werden viel zu häufig mit Füßen getreten!“

Auch seien die Folgen des Fehlverhaltens viel zu unbedeutend, Verweise und geringe Geldstrafen für Trainer vollkommen wirkungslos. “Diese Zeit und Arbeit könnten sich die Staffelleiter sparen. Stattdessen bedürfte es deutlicher Strafen, damit auch die Vereine vom Verhalten des Trainers genervt sind – und nicht nur die Schiedsrichter“, regt Werner an, um anhand von schärferen Sanktionen ein Umdenken einzuleiten. Denn schließlich wollen Trainer und Schiedsrichter letztlich nur eines – in Ruhe ihren „Job“ machen und das möglichst über die gesamte Spielzeit von 90 Minuten.

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