Refugee? Referee!

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Schiedsrichter haben landesweit viele unterschiedliche Formen der persönlichen Motivation: Den einen reizt der finanzielle Ausgleich, mach anderen der kostenlose Eintritt zu allen Spielen auf DFB-Ebene. Die gewaltige Mehrheit allerdings agiert Wochenende für Wochenende aus vollster Überzeugung mit Pfeife oder Fahne in der Hand – mit Leidenschaft, Herzblut und maximalem Engagement. Die Religion des Einzelnen? Unwichtig. Die kulturelle Herkunft? Nicht von Bedeutung.

Besmir Rexhmati kam vor rund einem Jahr aus Albanien nach Deutschland. Ein begeisterter Fußballer, der sich für jede Form dieses Sports interessiert und informiert. Der 17-Jährige – im Mai wird er volljährig – lebt ohne seine Eltern in Deutschland, das One-Way-Ticket brachte ihn letztlich in den Kreis Steinfurt. Zu gering war die Lebensperspektive in der Heimat, zu groß der Wunsch nach persönlichem Wohlbefinden und Sicherheit.

Trotz aller Hürden gehört auch Besmir Rexhmati zur Schiedsrichter-Gilde im Kreis Steinfurt. Erst kürzlich hat er den Anwärterlehrgang durchlaufen und bestanden – nun er ist Steinfurts erster Refugee-Schiedsrichter. Gemeinsam mit Besmir legten neun weitere Steinfurter sowie ein Anwärter aus dem Kreis Tecklenburg ihre Prüfung erfolgreich ab.

Der 17-jährige Besmir (M.) und seine Lehrwarte: erfolgreiche Prüfung. (Foto: FC Galaxy)
Der 17-jährige Besmir (M.) und seine Lehrwarte: erfolgreiche Prüfung. (Foto: FC Galaxy)

„Wir wussten zu Beginn des Lehrgangs gar nicht, dass Besmir nur bedingt deutsch spricht. Das hat sich erst im Laufe des Abends herauskristallisiert“, berichtet Jan Lohmann, Lehrwart im Steinfurter KSA. „Er spricht die deutsche Sprache bereits sehr gut, aber natürlich kann er noch nicht alles verstehen.“ Die Prüfung war für Besmir trotz des sprachlichen Handicaps kein Problem: Die wenigen Fehlerpunkte fielen nicht ins Gewicht. „Wir waren positiv überrascht. Wir mussten manchmal zwar etwas langsamer reden, aber den Bogen hat er letztlich selbst ausgefüllt“, so Lohmann.

Die Sicherheit holt sich Besmir in den kommenden Wochen und Monaten auf dem Platz – in Eigenverantwortung. „Er hat das gleiche Potential wie jeder andere Anwärter. Auch hier sind die ersten Spiele sicher entscheidend“, glaubt Lohmann. Besmir wird zu Beginn seiner Laufbahn vorrangig im unteren Jugendbereich angesetzt und Unterstützung von einem erfahrenen Paten erhalten. Voraussichtlich wird ihn dieser Pate über die ersten drei Partien – so ist es sonst üblich in Steinfurt – hinaus in der Anfangszeit begleiten. „Wir gehen stark davon aus, dass die Vereine verständnisvoll reagieren werden, wenn etwa Spielbericht oder Passkontrolle unwesentlich länger dauern“, heißt es seitens des KSA.

Dass sich Besmir dem FC Galaxy Steinfurt angeschlossen hat, ist wenig überraschend. Der erst 2013 gegründete Kreisliga-A-Klub ist für sein Engagement bei der sportlichen Integration von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund deutschlandweit bekannt. Etwa die Hälfte der Spieler der ersten Seniorenmannschaft sind Migranten, drei Flüchtlinge haben sich erfolgreich im Team festspielen können. „Besmir wollte unbedingt den Lehrgang machen“, erzählt der 1. Vorsitzende Ali Pish Been, selbst als Unparteiischer aktiv. „Wir haben ihn gern angemeldet und sind gespannt, wie er sich entwickelt.“

Pish Been ist mit seiner Familie vor vielen Jahren selbst aus dem Iran geflüchtet, kann die Motive in der heutigen Zeit daher besonders gut nachvollziehen. „ Wir betreuen die Personen auch abseits des Platzes. Es wäre wenig sinnvoll, unser Engagement auf den Fußball zu beschränken“, sagt er. So ist es auch bei Besmir: Ihn hat Pish Been ebenfalls unter seine Fittiche genommen und für den Schiedsrichter-Job begeistern können. In den ersten Spielen möchte er „seinem“ Schützling – unabhängig vom Paten – zusätzlich beratend zur Seite stehen. „Es kann nicht schaden, wenn jemand Vertrautes dabei ist“, so Pish Been.

Flüchtlinge als Schiedsrichter – dieses Grundprinzip könnte sich in naher Zukunft in vielen Kreisen etablieren. In Steinfurt jedenfalls ist der Startschuss erfolgreich gefallen. Für den kommenden Lehrgang gehen die Verantwortlichen im Hinterkopf bereits mögliche Szenarien durch. Womöglich wird es in Kooperation mit den Nachbarkreisen einen zweiten Lehrgang in leicht veränderter Form geben. Nicht unwahrscheinlich, dass der FC Galaxy wieder seine Füße im Spiel hat.

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Große Verdienste ausgezeichnet

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Im Rahmen der vom DFB initiierten Aktion „Danke Schiri“ zeichnete der Kreisschiedsrichterausschuss im März auf dem Lehrabend die Steinfurter Schiedsrichter Jörg Nitschke, Werner Monser und Anne Möwes  für ihre großen Verdienste der vergangenen Jahre aus. „Der Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss Steinfurt bedankt sich aber auch bei allen anderen Schiedsrichtern, die durch ihren großen Einsatz Woche für Woche für einen reibungslosen Ablauf der Fußballspiele auf Kreis- und Verbandsebene sorgen“, sagte Jürgen Lütkehaus, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses (KSA).

Jörg Nitschke erhielt aus den Händen seines Obmanns Jürgen Lütkehaus die Auszeichnung in der Kategorie Unter 50. Nitschke, der seit seiner Prüfung im Oktober 2010 schon weit über 200 Spiele geleitet hat, wurde insbesondere für seine Verdienste als einer der Hauptorganisatoren beim Kreis-Schiedsrichter-Hallenturnier, das jährlich für Mannschaften der Kreisligen B und C unter dem Motto „Schiedsrichter werben Schiedsrichter“ stattfindet, die Ehre zuteil. Des Weiteren engagiert er sich seit Jahren in seinem Heimatverein Eintracht Rheine als Jugend- und Schiedsrichterobmann und schafft es auf diesen Wege, immer wieder neue Schiedsrichter anzuwerben, für die er auch gerne den Fahrdienst zu ihren Spielen übernimmt

„Onkel Werner“ – ein Steinfurfer Urgestein

Mit Werner Monser wurde in der Kategorie Über 50 ein beliebtes Urgestein des Schiedsrichter-Kreises Steinfurt ausgezeichnet. Seit seiner Prüfung vor 32 Jahren und weit über 1.000 geleiteten Spielen bekam er, durch seine freundliche und unkomplizierte Wesensart, unter den Fußballern und Schiedsrichtern im Kreis den Spitznamen „Onkel Werner“ verliehen. Nach 20 Jahren im Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss, in dem er die Aufgaben des Beisitzers inne hatte, erklärte er im vergangenen Jahr seinen Abschied für das Jahr 2016. Für den KSO Jürgen Lütkehaus einer großer Verlust, da er besonders im Hintergrund für die Organisation im Ausschuss, u.a. Saisonabschluss der Schiedsrichter, Ansetzungsmappe oder Berechnung des Schiedsrichter-Solls der Vereine, zuständig war und auf diesen Wege viele Aufgaben zur Entlastung des KSO übernahm. Des Weiteren förderte er mit seiner Erfahrung 15 Jahre auf Kreisebene und 5 Jahre auf Landesebene junge und talentierte Schiedsrichter als Beobachter.

Einzige Schiedsrichterin im Kreis Steinfurt

Zwar fiel die Wahl von Anne Möwes relativ leicht, ist sie doch die einzige weibliche Vertreterin der pfeifenden Zunft im Kreis Steinfurt. „Wer jedoch das Engagement von ihr sieht, der erkennt, wie sehr sie diese Auszeichnung auch verdient hat“, lobte Lütkehaus. Ob bei der Vorbereitung der Lehrabende, der Anwärter-Lehrgänge und Prüfungen, und oder beim Saisonabschluss der Schiedsrichter, überall unterstützt sie den KSA im organisatorischen Bereich. Außerdem beobachtet und begleitet sie Jung- und Neu-Schiedsrichter bei deren ersten Spielen und gibt Hilfestellung bei Regelfragen und beim Ausfüllen des Online-Spielberichts. Aber auch außerhalb der Schiedsrichterwelt engagiert sie sich besonders im sozialen Bereich und der Integration, z.B. beim wöchentlichen Basketballtraining mit Flüchtlingen.

Lohmann gibt Debüt als Kreislehrwart

Lohmann gibt Debüt als Kreislehrwart

Premiere für Jan Lohmann: Der Landesliga-Referee in Diensten des SV Preußen Borghorst aus dem Kreis Steinfurt hat in diesem Monat zum ersten Mal einen Anwärterlehrgang als Kreislehrwart erlebt. Der 24-Jährige pfeift selbst aktiv in der Landesliga und ist somit mittendrin statt nur dabei.

„Es hat sehr viel Spaß gemacht. Das lag hauptsächlich an den Anwärtern, die haben super mitgemacht“, zog Lohmann ein erstes kleineres Fazit. Die Situation war für Lohmann nicht gänzlich neu, denn bereits zuvor konnte er bei kreisinternen Lehrgängen, wie beispielsweise einem Assistenten-Lehrgang, praktische Erfahrungen sammeln. Lohmann: „Ich fühle mich nun aber nicht anders, nur weil ich offiziell Lehrwart bin.“

Da Lohmann selbst noch regelmäßig Spiele leitet, weiß er, worauf es bei der Vermittlung ankommt. „Ich bin grundsätzlich der Auffassung, dass die Schiedsrichterei, wie auch viele andere Bereiche im Leben, ein Nehmen und Geben ist„, sagt er. Auch er habe in seinen Anfangsjahren an der Pfeife wertvolle Tipps von erfahrenen Referees erhalten und diese in der Praxis dann umgesetzt. Deshalb sei es eine Selbstverständlichkeit, den Nachwuchs nun zu fördern und zu unterstützen. Lohmann: „Allerdings darf der Fokus nicht nur auf den jungen Schiris liegen, sondern genauso auf der Unterstützung aller anderen Schiris im Verständnis und in der Auslegung der Regeln.“

Sieben Neue sind dabei

Zudem erfreulich: Sieben Schiedsrichter haben die von Lohmann durchgeführte Anwärterprüfung erfolgreich gemeistert. Zwei weitere potentielle Schiedsrichter müssen lediglich noch die läuferische Prüfung ablegen. „Das ist hoffentlich reine Formsache“, sagte Tim Fauseweh vom Steinfurter Kreisschiedsrichterausschuss. Somit haben die Steinfurter nun insgesamt 130 aktive Referees. Fauseweh: „Leider immer noch zu wenig.“

 

 

Von der Linie an die Pfeife in Liga vier

Von der Linie an die Pfeife in Liga vier

Foto: Nils Heimann

Wenn am 1. August die Regionalliga-Saison 2014/15 angepfiffen wird, beginnt auch für Philip Holzenkämpfer ein neuer Lebensabschnitt. Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband hat den 27-jährigen Rheinenser als Schiedsrichter für die vierthöchste deutsche Liga berufen.

Dort ist er kein Unbekannter. Schließlich assistiert Holzenkämpfer bereits seit zwei Jahren regelmäßig in dieser Spielklasse. Doch kannte er im Stadion Essen, im Niederrheinstadion in Oberhausen oder in der Krefelder Grotenburg nur die Seitenlinien, so wird er bald in diesen Traditionsstätten auch die Spielfeldmitte kennenlernen. Die frohe Botschaft verkündete ihm Verbandsschiedsrichterobmann Michael Liedtke persönlich am Telefon. Ich habe nicht damit gerechnet, habe es aber natürlich im Stillen gehofft und immer versucht, Bestleistungen auf dem Platz zu erbringen“, erklärt Holzenkämpfer, der FIFA-Schiedsrichter Wolfgang Stark zu seinen Vorbildern zählt. Im dritten Oberliga-Jahr hat es nun mit dem Aufstieg für den Nordwestfalen geklappt, dem man seinen Willen, sich stetig zu verbessern, deutlich anmerkt.

Ehrgeizig und bescheiden

Besonders dieser Ehrgeiz, gepaart mit der Umsetzung von konstruktiven Ratschlägen der Beobachter, war für den Schiedsrichter von GW Rheine ein wichtiger Faktor für seinen Erfolg. Angesprochen auf seine Stärken wird er dagegen wortkarg. „Das ist sicher etwas, das meine Beobachter besser beantworten könnten. Ich versuche grundsätzlich die Ruhe zu bewahren und damit den Blick immer wieder auf Einzelsituationen lenken zu können“, erklärt der 27-Jährige.

Aufstrebenden Schiedsrichtern mahnt der Nordwestfale insbesondere zur Bodenständigkeit. Zudem sei die Selbstreflexion der eigenen Leistungen wichtig, um im Schiedsrichterwesen seine eigenen Ziele tatsächlich erreichen zu können. Bei allem Ehrgeiz, bei aller Selbstkritik und trotz der guten Leistungen weiß aber auch Holzenkämpfer aus eigener Erfahrung, dass man sich die Schiedsrichter-Welt nicht malen kann, wie es einem gefällt. Im ersten Oberliga-Jahr musste der gelernte Verkaufs- und Bauelementefachberater lange Zeit aus gesundheitlichen Gründen pausieren. „Das drückte doch immer mal wieder meine Stimmung. Ich habe da viel Verständnis von meiner Familie erfahren, das hat mich gestärkt“, so Holzenkämpfer, der heute selbst aus dieser negativen Phase das Positive herauszieht.

Neue Spielertypen in der Regionalliga

In der Regionalliga will sich der Rheinenser nun erst einmal etablieren. Schließlich bedeutet jeder Aufstieg für einen Schiedsrichter zunächst, sich mit neuen Spielertypen auseinander setzen zu müssen. „Die Erfahrungen mancher Akteure ist schon bemerkbar auf dem Feld. Das erhöht immer auch die Spielgeschwindigkeit und verlangt dem Schiedsrichtergespann natürlich mehr ab“, ist sich der Referee über die Unterschiede zwischen Ober- und Regionalliga aus seiner Tätigkeit als Assistent in der vierthöchsten deutschen Liga bewusst.

Doch bevor die Saison beginnt, hat Holzenkämpfer erst ganz persönliche Ziele für die nahe Zukunft: „Zunächst die Koffer packen für den Urlaub“, sagt der 27-Jährige lachend. „Ich verbringe mit meiner Frau, die mich bei meiner Schiedsrichtertätigkeit immer unterstützt hat, eine Woche auf Gran Canaria. Danach kann ich dann gut erholt in den Regionalligalehrgang starten.“

 

 

Anwärterlehrgang vor der Eiersuche

Anwärterlehrgang vor der Eiersuche

Die Faulenzen geriet im Kreis Steinfurt während der Osterfeiertage in den Hintergrund. Denn der Kreisschiedsrichterausschuss (KSA) bot über zwei Tage einen Intensiv-Lehrgang für Anwärter an. Mit Erfolg: Acht neue Gesichter dürfen die Steinfurter in ihre Schiedsrichter-Gilde aufnehmen.

An nur zwei Tagen wurde den Anwärtern das komplette Regelwerk beigebracht und erläutert. Nach jedem einzelnen Kapitel überprüfte Lehrwart Christian Schmees den Stoff mit gezielten Regelfragen. Neben künftigen Schiedsrichtern waren auch Trainer anwesend, um das Regelwerk besser zu verstehen. „Dieser Lehrgang war bewusst für die Trainer- als auch für die Schiedsrichterausbildung gedacht“, erklärte Tim Fauseweh, der im Steinfurter KSA für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Am Karsamtag fand die Überprüfung statt. Besonders erfreulich sei es, dass vermehrt junge Leute den Weg zum Anwärterlehrgang gefunden haben. In den letzten Jahren seien die meisten Anwärter zwischen 16 und 18 Jahre alt gewesen, so Fauseweh. Und nach der abgelegten Prüfung konnten die Anwesenden dann doch auf Eiersuche gehen. (le)

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