Nachwuchslehrgang in Kaiserau

Nachwuchslehrgang in Kaiserau

Traditionell findet in den Herbstferien der Nachwuchslehrgang im SportCentrum Kamen-Kaiserau statt. Auch in diesem Jahr kamen junge Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter aus den westfälischen Kreisen zusammen. Doch nach mehreren Jahrzehnten endete eine Ära: Es sollte der letzte Lehrgang von Peter Müller und Hans Voß sein. Diese legten die Aufgabe in die Hände von Swen Klotzsche, Marcel Neuer und Mario Schleicher.

Guido Winkmann referierte beim Nachwuchslehrgang | Foto: Swen Klotzsche
Guido Winkmann referierte beim Nachwuchslehrgang | Foto: Swen Klotzsche

Ein absolutes Highlight des Lehrgangs war der Besuch von Bundesligaschiedsrichter Guido Winkmann, der nach dem Vortrag von Oliver Topp, der neben einem wirklich beeindruckenden Experiment hinsichtlich der Wahrnehmung viel über die Empfindungen verschiedener Schiedsrichtertypen berichtete, darüber erzählte, wie das Leben eines Schiedsrichters in der Bundesliga läuft und uns ebenfalls viele Fragen beantworten konnte. In dem Experiment von Oliver Topp  holte eine in das Experiment eingebundene Rezeptionistinnen Swen aus dem Raum. Nach einer gewissen Zeit kam er wieder und Oliver stellte uns Fragen bezüglich des Aussehens der Rezeptionistin und der Dauer der Abwesenheit von Swen. Die Antworten waren verblüffend unterschiedlich.

Die drei "Auserwählten" für das Testspiel der U15 | Foto: Swen Klotzsche
Die drei „Auserwählten“ für das Testspiel der U15 | Foto: Swen Klotzsche

Neben Guido Winkmann und Oliver Topp referierte ebenfalls Markus Häbel, Schiedsrichter aus dem Kreis Herne, der uns Tipps und Kniffe verriet und uns auch erzählte, worauf es besonders in einer Beobachtung ankommt. Der Plan für die jungen Schiedsrichter sah zwei Proberegelbögen, sowie die praktische Regelkunde und den Helsen-Test vor, bevor die Prüfung am Mittwoch bevorstand. Des weiteren durften drei  auserwählte Schiedsrichter, nämlich Darius-Jan Baron, Maik Kerstan und Philipp Eisenhauer, das interne Testspiel der U15-Nationalmannschaft auf dem Rasenplatz der Sportanlage des SuS Kaiserau leiten. Bei widrigen Witterungsverhältnissen vollbrachten die drei Referees aber auch diese Aufgabe. „Wir einigten uns darauf, da die Jungs drei mal zwanzig Minuten spielen wollten, dass jeder mal pfeifen darf. Die Spieler haben sich von den kalten Temperaturen nicht aufhalten lassen und ließen die Kugel echt gut laufen. Es hat uns wahnsinnig viel Spaß gemacht. Vielleicht können wir ja irgendwann behaupten, den künftigen Mario Götze oder Bastian Schweinsteiger gepfiffen zu haben“, erzählte Darius-Jan Baron lachend.

Neben den schiedsrichterspezifischen Programmpunkten gab es auch ein wirklich auswahlmannschaft-reifes Schiedsrichterfußballturnier in der Halle, sowie einen Kegelabend, bei dem Peter Müller seine ganzes Können und seine ganze Erfahrung ausspielte. In Schlappen gewann das Nachwuchslehrgangs-Urgestein alle sechs Runden. „Resümierend lässt sich festhalten, dass wir durch die Referenten und die hervorragende Leitung von Swen, Mario und Marcel einiges für unsere Spielleitungen mitnehmen können und konnten“ , so Baron. Die jungen Nachwuchsschiedsrichter gehen bestens vorbereitet in ihre kommenden Spiele.

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Mehr als nur „Schiedsrichter-Verwaltung“

Mehr als nur „Schiedsrichter-Verwaltung“

Ein Kreisschiedsrichterausschuss (KSA) leistet in der Regel mehr als die reinen Verwaltungsaufgaben. Doch agiert der Ausschuss meist eher im Hintergrund: Neben der Einteilung der Unparteiischen zu den Spielen zählen auch die Aus- und Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit und weitere Dienstleistungen für Schiedsrichter und Vereine zum breiten Aufgabenspektrum. Kein Wunder also, dass sich ein Ausschuss auf Kreisebene aus sieben bis acht Mitgliedern zusammensetzt. Im Kreis Gelsenkirchen kümmern sich beispielsweise ein Vorsitzender, vier Beisitzer und drei Lehrwarte um die Belange der Unparteiischen und der Vereine.

Dass letztlich ein Schiedsrichter kommt, wenn die 22 Akteure am Wochenende oder gar unter der Woche gegen den Ball treten wollen, ist dem Verwaltungsaufwand der Ansetzer in den Ausschüssen geschuldet. „An jedem Wochenende werden im Kreis Gelsenkirchen über 200 Spiele angesetzt. Da müssen die Ansetzer natürlich schauen, dass das irgendwie passt. Zu einem Spitzenspiel muss dann auch ein entsprechend qualifizierter Schiedsrichter kommen“, beschreibt Frank Kaczmarczik, Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses, die allwöchentliche Puzzleaufgabe. Auch wenn dies eine rein manuelle Tätigkeit sei, handele es sich bei der Gewährleistung des Spielbetriebes um die primäre Dienstleistung seines Teams.

Gelsenkirchens Schiri-Chef Frank Kaczmarczik |Foto: David Hennig
Gelsenkirchens Schiri-Chef Frank Kaczmarczik |Foto: David Hennig

„Die Aus- und Weiterbildung der Schiedsrichter ist ebenfalls ein wichtiger Punkt“, sagt Kaczmarczik. Dieser Aufgabe kommen die Lehrwarte Marcel Neuer, Stefan Tendyck und Fabian Kunkel nach, die regelmäßig auf den Sportplätzen und den monatlichen Schulungen die Kenntnisse der Unparteiischen von der Kreis bis zur Oberliga im Regelwerk vertiefen und für die Ausbildung neuer Schiedsrichter im Rahmen der Anwärterlehrgänge zuständig sind. „Die qualifizierte Schulung unserer Schiedsrichter kommt letztlich den Vereinen zu Gute, weil sie dadurch besser ausgebildete Schiedsrichter bekommen“, stellt Kaczmarczik fest. Dazu zählt der Vorsitzende auch die Vermittlung einer einheitlichen Linie in der Regelauslegung. Auch wenn die meisten Schiedsrichter alleine auf den Plätzen unterwegs sind – die Regeln sind schließlich für alle Akteure gleich.

Und hier kommt auch die Expertenrolle des Ausschusses zum Tragen: Schließlich sind die Lehrwarte stets durch den Verband über Regeländerungen und Auslegungsanpassungen informiert und können die Informationen an Schiedsrichter und Vereine weitergeben. Das Angebot für die Vereine sei aber freiwillig: „Wir werden uns niemandem aufdrängen, denn es muss auch Interesse da sein. Wir sind aber jederzeit bereit, in die Vereine zu gehen und dort zu informieren.“ Zu selten werde dieses Angebot jedoch nachgefragt: „Die gut geführten Vereine greifen Informationen ab. Andere interessiert es überhaupt nicht, auch nicht auf dem Platz. Da setzt ein Schiedsrichter eine Regel um und die gucken mit großen Kinderaugen, was der Unparteiische dort macht. Weil sie die Regeln letztlich nicht kennen.“

Damit Vereine zukünftig aktiver Informationen einfordern und leichter an diese kommen, betreibt der Ausschuss eine offensivere Öffentlichkeitsarbeit, bietet gezielt Zeitungen, Onlineplattformen und anderen Medien wichtige Informationen an. „Auf unserer Homepage sind im Downloadbereich Informationen für alle Interessenten öffentlich zugänglich“, sagt Kaczmarczik. Doch oft treten die Verantwortlichen nur an die Ausschüsse heran, wenn es nicht läuft: „Oftmals sind es Beschwerden über schlechte Schiedsrichterleistungen – häufig aus den niedersten Klassen. Meistens von Vereinen, die selber keine Schiedsrichter haben“, sagt Gelsenkirchens Schiedsrichter-Chef und kritisiert das hohe Anspruchsdenken. „Zu einem D-Jugendspiel kommt eben kein FIFA-Schiedsrichter sondern ein Jung-Schiedsrichter.“ Die Ansetzungspraxis ist dann eben doch in vielen Augen die Kernaufgabe.

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