Drei „Neue“ in der Regionalliga

Selim Erk aus dem Kreis Herne schaffte den Sprung in die vierte Liga. | Foto: David Hennig
Selim Erk aus dem Kreis Herne schaffte den Sprung in die vierte Liga. | Foto: David Hennig

Gute Neuigkeiten für Westfalen: In der Saison 2016/2017 werden drei neue Unparteiische in der Regionalliga West zum Einsatz kommen. Selim Erk, Jonathan Lautz und Max Krämer steigen zur kommenden Spielzeit in die vierte Liga auf. Dies gab der Verbandsschiedsrichterausschuss (VSA) kürzlich bekannt.

kraemer-max-2015
Max Krämer

Mit Selim Erk (Kreis Herne) und Max Krämer (Kreis Münster) schafften die beiden mit Abstand Notenbesten Referees der laufenden Oberligasaison den Sprung in den westdeutschen Bereich. Die beiden Perspektivteam-Schiedsrichter überzeugten in den Beobachtungsspielen mit herausragenden Leistungen die Verbandsbeobachter, so dass die Nominierung für die Regionalliga West die logische Folge war.

Jonathan Lautz
Jonathan Lautz

Die hervorragenden Beobachtungsergebnisse im A-Juniorenbereich des DFB waren hingegen – neben den überzeugenden Leistungen in der Oberliga – für Jonathan Lautz aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein die „Fahrkarte“ in die vierte Liga. „Jonathan erhielt den neu geschaffenen ‚Ausbildungsplatz‘ für den besten Schiedsrichter der A-Junioren-Bundesliga aus dem Bereich des WFLV. Dieser Platz wird ab der kommenden Saison bis auf Weiteres jährlich neu vergeben“, teilte Michael Liedtke, Vorsitzender des VSA, mit.

Insgesamt 16 Schiedsrichter werden in der kommenden Saison in der Regionalliga West zum Einsatz kommen. Das sind neben den drei genannten Aufsteigern die Unparteiischen Lennart Brüggemann,  Alexander Ernst, Florian Exner, Marco Goldmann, Philip Holzenkämpfer,Philipp Hüwe, Fabian Maibaum, Lukas Sauer, Benjamin Schäfer, Jörn Schäfer, Christopher Schütter, Jonas Seeland und Florian Visse.

Unsere Regionalliga-Schiedsrichter im Einsatz

EmailEmpfehlen

Der Aufstiegs-Zug rollt weiter

Der Aufstiegs-Zug rollt weiter

Landesliga-Aufstieg 2011, Verbandsliga-Aufstieg 2012, Oberliga-Aufstieg 2013, Regionalliga-Aufstieg 2014: Was sich nach der Vita einer finanziell starken Amateurmannschaft anhört, ist in Wahrheit der ungebremste Erfolg von Alexander Ernst. Der Schiedsrichter des TuS Holzen-Sommerberg wird künftig in Deutschlands vierthöchster Spielklasse pfeifen.

Irgendwie scheint es, als sei die Erfolgsgeschichte zu schön, um letztendlich wirklich wahr zu sein. Der Schwerter selbst hatte zu Beginn der Saison nicht damit gerechnet, im Sommer erneut eine Sprosse auf der Karriere-Leiter höher zu klettern. „Ich wollte mich erst einmal in der neuen Liga zurechtfinden und Fuß fassen“, gibt Ernst zu. Fuß gefasst hat er sehr schnell. Umso begeisterter war der Referee aus dem Kreis Iserlohn dann auch, als ihn Verbands-Obmann Michael Liedtke kürzlich die erfreuliche Nachricht am Telefon übermittelte. „Ich war einfach nur überglücklich. Es war sehr schön, eine solche Bestätigung für die abgelieferten Leistungen in der letzten Saison zu bekommen“, so Ernst.

 Neue Herausforderungen in der vierten Liga

Die Regionalliga stellt für Alexander Ernst jedoch kein komplettes Neuland dar. In der abgelaufenen Spielzeit wurde der 21-Jährige bereits als Assistent in der vierten Liga eingesetzt. Ein Highlight war die Partie Rot-Weiss Essen gegen SG Wattenscheid 09, die sogar im Free-TV übertragen wurde. Nun greift Ernst in dieser Spielklasse selbst zur Pfeife – die Vorfreude könnte kaum größer sein. „In der Regionallliga spielen sehr viele Traditionsvereine und es sind auch Spieler dabei, die mal höherklassig aktiv waren. Mit diesen Gegebenheiten umgehen zu lernen, ist für mich besonders reizvoll.“

„Es war sehr schön, eine solche Bestätigung für die abgelieferten Leistungen zu bekommen“

Der Schwerter weiß allerdings auch, dass neben dem Sportlichen auch der zwischenmenschliche Umgang passen muss. „Man sollte mit seinen Gegenübern immer gut umgehen. Denn ohne die Unterstützung aus dem Umfeld wäre es für mich niemals so gut gelaufen“, betont Ernst, der die Zweikampfbewertung und das Spielverständnis als seine größten Stärken ansieht. Überheblich wirkt der frischgebackene Aufsteiger keineswegs. „Es läuft momentan sehr gut, aber es kann immer etwas passieren, dass mich zurückwirft.“ Deshalb will Ernst die Sommerpause intensiv nutzen, um sich auf die Regionalliga vorzubereiten.

 Aufstieg trotz langer Abstinenz

Seine Beobachtungen hatte der Perspektivteam-Schiedsrichter hauptsächlich in der Hinrunde. Schließlich verpasste er den Großteil der Rückrunde, weil er ein Auslandssemester in Barcelona absolvierte. Anpassungsschwierigkeiten nach der viermonatigen Auszeit waren trotzdem Fehlanzeige. An der Pfeife zeigte sich der Referee gewohnt souverän und ruhig. In Katalonien konnte Ernst auch etwas für seine Spielleitungen mitnehmen. „Ich war auf mich allein gestellt und habe viele neue Leute und Kulturen kennen gelernt“, erzählt der Schwerter. Das helfe ihm auch auf dem Platz, beispielsweise bei der Beurteilungen von Spielertypen im Vorfeld.

Ob es letztendlich sogar für den Sprung in die dritte Liga reicht, will Ernst noch nicht beurteilen. Seine Konzentration gelte primär der Regionalliga, langfristig allerdings denkt der junge Unparteiische schon an die nächste Etage im Aufzug. „Langfristig traue ich mir diesen Schritt zu“, erklärt Ernst selbstbewusst. In der Saison 2013/2014 konnte er zudem als Schiedsrichter in der A-Jugend-Bundesliga auf sich aufmerksam machen. „Die A-Jugend-Bundesliga war für mich eine sehr schöne Erfahrung. Man kommt über die Landesgrenzen hinaus und hat mit Spielern zu tun, die später möglicherweise im bezahlten Fußball landen.“

Auch abseits des Rasens hat Ernst ein erfolgreiches Projekt vorzuweisen. Ernst studiert im vierten Semester Sport- und Eventmanagement an der BiTS in Iserlohn. Dass er ein gewisses Grundverständnis für den Fußball besitzt, bewies der 21-Jährige vor nicht allzu langer Zeit, als er im Rahmen seines Studiums gemeinsam mit drei Kommilitonen einen alternativen Modus für die WM-Qualifikation entwarf. Das Konzept einer „League of Nations“ wurde mit der Bestnote 1,0 ausgezeichnet. Dieses Grundverständnis kann später der entscheidende Faktor sein, falls sein Aufstiegs-Zug auch in der Regionalliga weiter rollen sollte.

Von der Linie an die Pfeife in Liga vier

Von der Linie an die Pfeife in Liga vier

Foto: Nils Heimann

Wenn am 1. August die Regionalliga-Saison 2014/15 angepfiffen wird, beginnt auch für Philip Holzenkämpfer ein neuer Lebensabschnitt. Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband hat den 27-jährigen Rheinenser als Schiedsrichter für die vierthöchste deutsche Liga berufen.

Dort ist er kein Unbekannter. Schließlich assistiert Holzenkämpfer bereits seit zwei Jahren regelmäßig in dieser Spielklasse. Doch kannte er im Stadion Essen, im Niederrheinstadion in Oberhausen oder in der Krefelder Grotenburg nur die Seitenlinien, so wird er bald in diesen Traditionsstätten auch die Spielfeldmitte kennenlernen. Die frohe Botschaft verkündete ihm Verbandsschiedsrichterobmann Michael Liedtke persönlich am Telefon. Ich habe nicht damit gerechnet, habe es aber natürlich im Stillen gehofft und immer versucht, Bestleistungen auf dem Platz zu erbringen“, erklärt Holzenkämpfer, der FIFA-Schiedsrichter Wolfgang Stark zu seinen Vorbildern zählt. Im dritten Oberliga-Jahr hat es nun mit dem Aufstieg für den Nordwestfalen geklappt, dem man seinen Willen, sich stetig zu verbessern, deutlich anmerkt.

Ehrgeizig und bescheiden

Besonders dieser Ehrgeiz, gepaart mit der Umsetzung von konstruktiven Ratschlägen der Beobachter, war für den Schiedsrichter von GW Rheine ein wichtiger Faktor für seinen Erfolg. Angesprochen auf seine Stärken wird er dagegen wortkarg. „Das ist sicher etwas, das meine Beobachter besser beantworten könnten. Ich versuche grundsätzlich die Ruhe zu bewahren und damit den Blick immer wieder auf Einzelsituationen lenken zu können“, erklärt der 27-Jährige.

Aufstrebenden Schiedsrichtern mahnt der Nordwestfale insbesondere zur Bodenständigkeit. Zudem sei die Selbstreflexion der eigenen Leistungen wichtig, um im Schiedsrichterwesen seine eigenen Ziele tatsächlich erreichen zu können. Bei allem Ehrgeiz, bei aller Selbstkritik und trotz der guten Leistungen weiß aber auch Holzenkämpfer aus eigener Erfahrung, dass man sich die Schiedsrichter-Welt nicht malen kann, wie es einem gefällt. Im ersten Oberliga-Jahr musste der gelernte Verkaufs- und Bauelementefachberater lange Zeit aus gesundheitlichen Gründen pausieren. „Das drückte doch immer mal wieder meine Stimmung. Ich habe da viel Verständnis von meiner Familie erfahren, das hat mich gestärkt“, so Holzenkämpfer, der heute selbst aus dieser negativen Phase das Positive herauszieht.

Neue Spielertypen in der Regionalliga

In der Regionalliga will sich der Rheinenser nun erst einmal etablieren. Schließlich bedeutet jeder Aufstieg für einen Schiedsrichter zunächst, sich mit neuen Spielertypen auseinander setzen zu müssen. „Die Erfahrungen mancher Akteure ist schon bemerkbar auf dem Feld. Das erhöht immer auch die Spielgeschwindigkeit und verlangt dem Schiedsrichtergespann natürlich mehr ab“, ist sich der Referee über die Unterschiede zwischen Ober- und Regionalliga aus seiner Tätigkeit als Assistent in der vierthöchsten deutschen Liga bewusst.

Doch bevor die Saison beginnt, hat Holzenkämpfer erst ganz persönliche Ziele für die nahe Zukunft: „Zunächst die Koffer packen für den Urlaub“, sagt der 27-Jährige lachend. „Ich verbringe mit meiner Frau, die mich bei meiner Schiedsrichtertätigkeit immer unterstützt hat, eine Woche auf Gran Canaria. Danach kann ich dann gut erholt in den Regionalligalehrgang starten.“

 

 

Visit Us On FacebookVisit Us On Twitter