Der Austausch mit den Nachbarn

Der Austausch mit den Nachbarn

Beim zweitägigen Schiedsrichter-Symposium Anfang September im SportCentrum Kamen•Kaiserau ging es international zu: Neben Schiedsrichter-Funktionären aus Deutschland nahmen auf Einladung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Sports for Europe gGmbH auch Gäste aus den deutschsprachigen Nachbarländern teil: Vertreter aus der Schweiz, Belgien, Liechtenstein, Österreich, den Niederlanden und Luxemburg kamen mit Schiedsrichter-Obleuten aus den Landesverbänden sowie Vertretern der Arbeitsgruppe Schiedsrichter-Entwicklung zusammen.

In den Gruppendiskussionen herrschte reger Austausch zu den einzelnen Themenbereichen. | Foto: David Hennig
In den Gruppendiskussionen herrschte reger Austausch zu den einzelnen Themenbereichen. | Foto: David Hennig

Bei der gemeinsamen Tagung ging es vor allem darum, sich über die Entwicklungen im Schiedsrichter-Wesen auszutauschen und aktuelle Problemstellungen zu diskutieren. „Wir haben 2,1 Millionen Menschen in Deutschland, die als Spieler auf dem Platz stehen. Denen stehen 66.000 Schiedsrichter zur Verfügung, die aktiv Spiele pfeifen“, sagte der für den Amateurfußball und Schiedsrichterbereich zuständige DFB-Direktor Willi Hink. Er machte deutlich, dass sich die Bemühungen in der Vergangenheit viel zu stark auf den Profi-Bereich konzentriert haben. 95 Prozent machen die Akteure an der Basis aus. Es gäbe, so der DFB-Direktor, schließlich viele Philosophien des Schiedsrichter-Tuns.

Dies wurde auch bei einem Blick auf den Status quo in den anderen europäischen Ländern schnell deutlich, den die internationalen Vertreter in kurzen Vorträgen präsentierten. Hier zeigten sich teils gewaltige Unterschiede in der Struktur, der Größe und der Organisation des Schiedsrichterwesens. „Der Austausch war in mehrerer Hinsicht sehr hilfreich: Er gab uns die Möglichkeit, zu verstehen, wie das Schiedsrichterwesen in anderen Ländern organisiert ist. Dabei hat sich gezeigt, dass uns alle die gleichen Themen beschäftigen“, sagte der belgische Vertreter Pascal Engels.

In Gruppenarbeiten wurden diese Themen schließlich gemeinsam mit allen Teilnehmern näher betrachtet. So beispielsweise der Themenbereich „Betreuung von Schiedsrichtern, Schiedsrichter als Sportler, Erhaltung und Verabschiedung“. In seiner Einführung in die Gruppenarbeitsphase sagte Hink: „Ein respektvoller Umgang mit denen, die aufhören wollen, ist ein ganz wichtiges Zeichen für Aktive.“ Denn die Verabschiedung könne auch zugleich eine Gewinnung für das Ehrenamt sein. Schiedsrichter könnten in unterschiedlichen Funktionen nach ihrem Ausscheiden an die Gruppe gebunden werden. Grundsätzlich müsse dazu jedoch der Kontakt und die Kommunikation zwischen den Schiedsrichtern und den jeweiligen Verantwortlichen verbessert werden. Auch könne der Gruppenzusammenhalt durch erhöhte Wertschätzung einzelner Schiedsrichter und Gruppen sowie durch gemeinschaftliche Aktivitäten gesteigert werden. Denn schließlich sei die Schiedsrichter-Tätigkeit mehr, als nur Spiele zu leiten.

Helmut Geyer (li.), Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission Amateuere, im Gespräch während der Gruppendiskussion. | Foto: David Hennig
Helmut Geyer (li.), Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission Amateuere, im Gespräch während der Gruppendiskussion. | Foto: David Hennig

Um nachhaltig für die Schiedsrichtertätigkeit zu begeistern, befassten sich die Teilnehmer unter dem Punkt „Gewinn von Schiedsrichtern, Image und Werbung“ mit der Eigen- und Fremdwahrnehmung der Unparteiischen und entwickelten Maßnahmen zur Werbung und Imageverbesserung. Besonders die Gewinnung von Schiedsrichterinnen stand hier im Fokus. „Der Frauenbereich ist ein Wachstumsmarkt im Fußball – hier müssen sich auch die die Schiedsrichter besonders engagieren“, sagte Wolfgang Mierswa, Mitglied der DFB-Schiedsrichterkommission Amateure. Dabei wurde deutlich, dass eine finanzielle und materielle Unterstützung durch den Verband gewährleistet sein müsse, um entsprechende und zielgruppenorientierte Kommunikationsmaßnahmen intern wie extern anzustoßen. Individuelle Maßnahmen auf lokaler Ebene im Dialog mit den Vereinen seien aber weiterhin unersetzlich, um neue Schiedsrichter zu gewinnen. „Interessant ist, dass die Probleme in allen Regionen und Ländern ähnlich gelagert sind. Insbesondere die Schiedsrichterrekrutierung und -erhaltung, aber auch der Mangel an weiblichen Spielleiterinnen waren Schwerpunkte, welche sich wie ein roter Faden durch alle Diskussionsrunden zog“, stellte Charles Schaack aus Luxemburg fest.

Dieses Thema spielte auch beim nächsten Schwerpunkt eine Rolle: bei der Organisation und der Struktur des Schiedsrichterbereichs sowie die Zusammenarbeit mit anderen Gruppen. Hier standen besonders die Zugehörigkeit des Schiedsrichters zu einem Verein und die Pflichten der Vereine im Fokus. Einigkeit bestand darin, die Vereinsbindung der Unparteiischen erhalten bleiben muss. „Die Vereine können aus der Verpflichtung nicht entlassen werden“, betonte Horst Ebel aus dem Württembergischen Fußballverband. Auch Helmut Geyer, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission Amateure, pflichtete dem bei: „Es ist nach wie vor ein gutes Instrument.“ Doch die Betreuung durch die Vereine müsse besser werden. Auch wenn es in vielen Vereinen bereits praktiziert wird, so sollte das Konstrukt des Vereinsschiedsrichterbeauftragten weiter ausgebaut werden. Als Bindeglied zwischen Verein und Schiedsrichter-Bereich steht dieser als Ansprechpartner für Fragen zur Verfügung und könne ein Auge auf das Schiedsrichter-Soll des jeweiligen Vereins haben. „Diese Institution ist jedoch nur so gut, wie die Person, die es macht“, sagte Geyer und appellierte an eine bessere Kommunikation zwischen Schiedsrichterverantwortlichen und den Vereinen.

Der Schweizer Vertreter Markus Bissig machte seinen Standpunkt deutlich. | Foto: David Hennig
Der Schweizer Vertreter Markus Bissig machte seinen Standpunkt deutlich. | Foto: David Hennig

Unter der Überschrift „Ausbildung, Weiterbildung, Informationsbereitstellung“ stand besonders die Qualität der Schiedsrichter-Anwärter im Zentrum der Diskussionen. Einig waren sich die Teilnehmer, dass diese vor der reinen Quantität gehen müsse. „Die ‚Soll-Erfüller‘, die dem Druck des Vereins nicht standgehalten haben, schaden dem Image des Schiedsrichters oftmals mehr als dass sie dem Schiedsrichterwesen helfen“, sagte Gundolf Walaschewski, der ehemalige Vorsitzende des Verbandsschiedsrichterausschusses des FLVW. Um die Schiedsrichter-Ausbildung attraktiver zu gestalten und den „Praxisschock“ zu minimieren, sprachen sich die Teilnehmer ebenfalls dafür aus, den Praxisanteil zu erweitern und die neuen Unparteiischen schneller auf den Platz zu lassen. Dabei spielten E-Learning zur Verkürzung der Präsenzzeiten und auch die Betreuung der Neulinge durch qualifizierte Paten eine wesentliche Rolle.

„Der Blick über die Nationalverbandsgrenzen hinweg war sicherlich hochinteressant. Aber es war ebenso wichtig, dass sich die 21 Landesverbände auf DFB-Ebene austauschen, denn auch hier gibt es aufgrund der unterschiedlichen strukturellen Voraussetzungen höchst unterschiedliche Vorgehensweisen, beispielsweise in den Bereichen Ausbildung oder Talentförderung“, sagte Helmut Geyer. Über die Ergebnisse des Symposiums zeigten sich Teilnehmer und Verantwortliche zufrieden. Ziel ist es nun, auf Grundlage der Ergebnisse konkrete Handlungsfelder der Schiedsrichter-Entwicklung in den DFB-Masterplan 2016 bis 2019 aufzunehmen.

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Jungschiedsrichter treffen sich in Kaiserau

Jungschiedsrichter treffen sich in Kaiserau

Auch zu Beginn des Jahres 2015 führte der Kreis Münster mit seinen Jungschiedsrichtern einen zweitägigen Lehrgang im SportCentrum Kaiserau durch. Dabei standen unter der Leitung der Lehrwarte Philipp Hagemann und Thorsten Kaatz das Kennenlernen, gemeinschaftliche Aktivitäten und natürlich Regelkunde anhand von Theorie und Praxis im Fokus des Lehrgangs.

„Zunächst gab es eine kleine Kennlernrunde, denn es waren auch ganz neue Schiedsrichter dabei, die erst vor Kurzem die Anwärterprüfung bestanden hatten. Zudem wurde auch besprochen, weshalb sich jeder einzelne Teilnehmer dazu entschieden hat Schiedsrichter zu werden und welche Perspektiven er hat“, sagte Alexandre Santos, Jungschiedsrichter aus dem Kreis Münster.

Die erste theoretische Einheit von Philipp Hagemann erklärte alles rund um die Tätigkeit des Schiedsrichterassistenten: Von der Position des Assistenten in verschiedenen Spielsituationen bis hin zu den richtigen Fahnenzeichen. Die praktische Regelkunde wurde in der Halle absolviert. Dort führte Thorsten Kaatz Übungen zu den verschiedensten Laufrhythmen des Schiedsrichters und des Assistenten mit den Teilnehmern durch: Von der Kraftübung an der Wand bis hin zum Sprint mit anschließender, zuvor vorgegebener Fahnenanzeige. Nach getaner „Arbeit“ traten die Jungschiedsrichter auch in diesem Jahr wieder selbst vor den Ball. „Ein blaues Auges, wie vor zwei Jahren, gab es zum Glück diesmal nicht, da unsere beiden Lehrwarte sich lieber das Spiel vom Spielfeldrand aus ansahen – das war wohl auch besser so“, sagte Santos. Den Abend ließen die Münsteraner Schiedsrichter dann ruhig mit der zweiten Halbzeit der Bundesligapartie zwischen Wolfsburg und Bayern sowie Gesprächen und mehreren Partien am Kicker ausklingen.

Zwei weitere Lerneinheiten rundeten das Lehrgangsprogramm ab: In drei Gruppen bearbeiteten die Teilnehmer die Themen: brutale, fahrlässige und rücksichtslose Foulspiele und versuchten diese zu definieren und voneinander abzugrenzen und aktuelle Videoszenen aus der Bundesliga folgten. „Dabei war hauptsächlich bei den fahrlässigen und rücksichtslosen Fouls die persönlichen Strafen ein größerer Diskussionspunkt – auch bei den Videoszenen gab es lange Diskussionen über die Entscheidungen“, so Santos.

 

Einfach Spaß am Futsal haben

Einfach Spaß am Futsal haben

In lockerer Atmosphäre trafen sich am vergangenen Samstag die Futsal-Schiedsrichter des FLVW im SportCentrum Kaiserau zum Lehrgang. Themen waren das Futsal-Regelwerk, praktische Tipps und die Teamarbeit in der Halle. Dabei entwickelten sich nicht selten rege Diskussionen. Thorsten Kaatz, Beauftragter für Futsal des Verbandsschiedsrichterausschusses, führte dabei durch den Lehrgang. SR-Aktuell-Redakteur David Hennig hat sich mit dem westfälischen Futsal-Experten unterhalten.

Thorsten, Du sagtest heute: „Ziel ist es, dass die Leute Spaß am Futsal haben.“ Welche Rolle spielen hier aus Deiner Sicht die Schiedsrichter?

Wie auch auf dem Feld können die Schiedsrichter eine entscheidene Rolle spielen, positiv wie negativ. Ich kann draußen das Spiel kaputt pfeifen, ich kann das Futsalspiel kaputt machen. Wenn wir heute die Schiedsrichter auf dem Feld in vielen unterschiedlichen Bereichen schulen, wie in der Körpersprache oder auch im taktischen Verhalten, so kann man sehr viel davon in den Bereich Futsal übertragen. Ein Lehrgang für Futsalschiedsrichter besteht auf den verschiedenen Ebenen nicht mehr nur aus einem Vermitteln von Regeln, sondern sie werden genauso geschult wie die Feldschiedsrichter. Aber ein Punkt ist mir bei diesem Satz besonders wichtig: Schiedsrichter lernen auf ihren Lehrgängen, vorausschauend einzugreifen. Ich möchte das bei den Futsalschiedsrichtern auch.

Hast Du ein Beispiel?

Nichts ist schlimmer und macht den Sport unattraktiv, wenn gerade Mannschaften, die erst wenige Male Futsal gespielt haben, von Schiedsrichtern gegängelt werden. Wenn der Schiedsrichter dreimal einen falschen Einkick moniert, ist das langweilig. Wenn ich sehe, dass der Ball falsch liegt oder das Standbein bereits im Feld ist, dann kann der Schiedsrichter den Spieler darauf aufmerksam machen, zumal er beim Einkick neben dem Spieler steht. Da sind wir bei einem weiteren Punkt der auch für Feldfußballschiedsrichter gilt: Kommunikation ist wichtig.

Thorsten Kaatz referiert beim Lehrgang für Futsal-Schiedsrichter in Kaiserau. Foto: David Hennig
Thorsten Kaatz referiert beim Lehrgang für Futsal-Schiedsrichter in Kaiserau. Foto: David Hennig

Zeitweise fallen bei Schiedsrichterkollegen Sätze, wie: „Wenn Deine Karriere vorbei ist, kannst Du immernoch Futsal-Schiedsrichter werden.“ Was hältst Du von solchen Aussagen und was macht für Dich den Reiz aus, Futsal-Spiele zu leiten?

Von solchen Sätzen halte ich nicht viel. Ich denke, Futsal wird sich in der nächsten Zeit in zwei Richtungen entwickeln. Zum Einen haben wir den Hallenfußball im Winter, der in Zukunft sehr futsalähnlich sein wird und zum Anderen wird der Spielbetrieb sich im Futsal weiterentwickeln. Wir werden wie im Feldfussball einen Spielbetrieb auf Kreis-, Landes-, Regional- und Nationalebene haben, sicherlich mit dem Ziel, auch international konkurrenzfähig zu sein. Entsprechend werden aus den Kreisschiedsrichtern die Verbandsschiedsrichter, aus denen die Regionalschiedsrichter und aus denen wird sich der DFB seine Topleute auswählen. Aus diesem Kreis kommen dann die Schiedsrichter der FIFA-Liste. Das entspricht einer Entwicklung, wie wir sie aus dem normalen Fußball her kennen. Ich selber denke in zwei Richtungen: Jeder Schiedsrichter ist mir willkommen. Auch der, der nach seiner Karriere auf dem Feld erst zum Futsal stößt. Nur Karriere macht er dort auch nicht unbedingt mehr. Andererseits denke ich auch perspektivisch. Als Westfale möchte ich mit unseren Schiedsrichtern auf allen Ebenen gut und perspektivisch vertreten sein und das geht leider auch nur mit zum Teil jüngeren Kameraden.

Warum würdest Du Schiedsrichtern empfehlen, sich konkret zum Futsal-Schiedsrichter ausbilden zu lassen?

Futsal ist nichts anderes als eine Variante des Fußballs. Ok, hier in Deutschland spielen wir Futsal meist in der Halle, also eher eine Variante des Hallenfußballs. Jeder, der Spaß an seiner Funktion als Fußballschiedsrichter hat, wird auch Spaß an der Funktion als Futsalschiedsrichter haben. Durch den Spielbetrieb im Futsalbereich hat man sogar Karriere-Möglichkeiten, die einem im Feldfußball eventuell verwehrt bleiben. Auch wenn der Fokus der Schiedsrichterkollegen noch auf dem Feldfussball liegt, so kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Es ist toll, wenn man zu Turnieren des FLVW, des WFLV oder sogar des DFB eingeladen wird oder man plötzlich international aktiv sein darf.

Jetzt fand am vergangenen Wochenende ein Futsal-Schiedsrichterlehrgang im SportCentrum Kaiserau statt. Wie zufrieden bist Du mit der Resonanz?

Dadurch, dass in diesem Jahr viele neue Gesichter auf dem Lehrgang zu sehen waren, bin ich sehr zufrieden mit dem Lehrgang. Es haben 35 Schiedsrichter, davon immerhin 20 „Neulinge“ teilgenommen. Ich hoffe, dass meine Kollegen in den Kreisen langsam erkennen, dass Futsal zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Die Zahl der Spiele, der Turniere und Veranstaltungen nimmt sprunghaft zu und als Schiedsrichter und als Westfale möchte ich darauf vorbereitet sein. Die Entwicklung darf doch nicht durch das Schiedsrichterwesen gehemmt werden!

Thorsten Kaatz ist der Futsal-Experte im westfälischen Schiedsrichterwesen. Foto: David Hennig
Thorsten Kaatz ist der Futsal-Experte im westfälischen Schiedsrichterwesen. Foto: David Hennig

Du sprichst eine Entwicklung an. Wie hat sich Futsal in den letzten Jahren aus Deiner Sicht in Westfalen entwickelt?

Lange Zeit war Futsal auf wenige Veranstaltungen begrenzt. Jetzt explodiert der Spielbetrieb. Die FLVW-Liga geht mit 19 Mannschaften an den Start. Ich habe noch nie so viele Futsalturniere ansetzen müssen wie in diesem Winter und auch die Zahl der Freundschaftsspiele steigt. Die ersten Frauenspiele wurden durchgeführt. Sicherlich eine gute Entwicklung. Trotzdem, wenn ich mit Kollegen auf DFB-Lehrgängen spreche, befinden wir uns in der Entwicklung eher im Mittelfeld. Auch im Jugendbereich gibt es mehr Veranstaltungen oder die Turniere werden größer. Dennoch ist vieles nur auf wenige Kreise beschränkt. Was ich eher schade finde ist, dass zum Beispiel der DFB seit Jahren einen C-Jugend Futsal-Cup ausrichtet und die Vereine wissen in einigen Kreisen kaum, dass man sich dafür qualifizieren kann. Insgesamt gilt auch hier, dass uns einige Landesverbände vorraus sind, die ihren Jugendspielbetrieb schon komplett umgestellt haben.

Wie weit fortgeschritten sind die Pläne, die derzeit gültigen Hallenregeln flächendeckend in Westfalen durch Futsal-Regeln zu ersetzen?

Nun, es gibt einen Masterplan des DFB. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie viel und was davon umgesetzt wird. Ich aber glaube, dass sich die Entwicklung nicht aufhalten lassen kann und der Zeitpunkt kommen wird, an dem auch bei uns Futsal flächenddeckend in der Halle gespielt wird. Ich bin mir auch sicher, dass dies nicht den befürchteten Tod des Hallenfußballs bedeuten wird. Gerade im Land des Weltmeisters, in einem Verband, in dem es so viele positiv Fußballverrückte gibt, da ist doch viel, viel Platz für eine weitere Variante unseres geliebten Fußballsports.

Kommen wir zurück zum westfälischen Schiedsrichterwesen. Wie sind wir im Hinblick auf Futsal aufgestellt?

Wir waren von Begin an gut aufgestellt und sind es immer noch. Als einer der ersten Verbände haben wir regelmäßige Lehrgänge durchgeführt und heute gehört der Futsallehrgang für Schiedsrichter im Terminkalendar des VSA einfach dazu. Wir sind auch im WFLV gut aufgestellt und haben eine gesunde Mischung aus jüngeren und älteren Kameraden. Wir haben in Westdeutschland auch die ersten Frauen auf die WFLV-Liste gebracht. Seit Einführung der DFB-Liste hatte Westfalen einen Schiedsrichter auf dieser Liste und mit Florian Schreiber momentan sicherlich jemanden mit Perspektive. Gleichzeitig sind wir dort auch noch mit einem Beobachter vertreten. Letztlich aber bin ich schon auch etwas Stolz darauf, dass ich das Gefühl habe, dass unsere Schiedsrichter größtenteils auf verschiedenen Ebenen gerne gesehen werden.

Das Besondere rausfiltern

Das Besondere rausfiltern

Kommunikation gewinnt mit dem technischen Fortschritt immer mehr an Bedeutung. Auch im Schiedsrichterwesen. Aus diesem Grund lud der Verbandsschiedsrichterausschuss (VSA) am Samstag zur Tagung der Öffentlichkeistmitarbeiter der Kreisschiedsrichterausschüsse in Kaiserau ein.

Dem Öffentlichkeitsmitarbeiter kommt in seinem Kreis eine wichtige Rolle zu: Neben den Schiedsrichtern sollen auch externe Akteure wie Medien und Vereine erfahren, was sich im Schiedsrichterkreis abspielt. Eine nicht immer leichte Aufgabe. Der Öffentlichkeitsmitarbeiter dient dabei als Koordinator für die Informationsvermittlung anhand interner sowie externer Kommunikation. Denn spannende Themen gibt es genug in den Kreisen zu beleuchten.

„Eine Geschichte ist interessant, wenn sie außergewöhnlich ist“

Mit ein wenig Mut und Überzeugung kann man diese nach außen tragen. „Eine Geschichte ist interessant, wenn sie außergewöhnlich ist“, sagte David Hennig, Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit des VSA, der die Kreisvertreter durch die Tagung führte. Der Öffentlichkeitsmitarbeiter kann dann selbst entscheiden, wie er das Außergewöhnliche darstellt. Dabei sollte das Besondere in den Mittelpunkt gerückt werden und die Fakten, wie zum Beispiel die Anzahl an Neu-Schiedsrichtern nach einem Anwärterlehrgang, können nebenbei übermittelt werden. Bei der anschließenden Gruppenarbeit zeigten sich die anwesenden Kreisvertreter durchaus kreativ bei der Erarbeitung dieser „außergewöhnlichen Themen“. Schließlich ist Schiedsrichter-Aktuell nicht das einzige Medium, durch das kreisinterne Ereignisse nach außen getragen werden können. Auffällig: Alle Gruppen hatten den Vorschlag, ansässige Lokalzeitungen einzubinden und so die Arbeit in der Schiedsrichtervereinigung transparenter zu machen.

Schiedsrichter-Aktuell als gemeinsame Plattform

Schiedsrichter-Aktuell online soll dabei als überregionale Stütze dienen. „Unsere Internetpräsenz ist eine gemeinsame Plattform für alle Kreise in Westfalen, die die Informationen gebündelt an die Schiedsrichter im FLVW weitergeben soll“, erklärte David Hennig. Und die Klickzahlen unterstützen diese These: Mit 19.500 Seitenaufrufen seit der Online-Geburt des ehemaligen PDF-Magazins Ende Januar kann die Redaktion mehr als zufrieden sein. „Für uns ergeben sich viel mehr Darstellungsmöglichkeiten und wir haben eine deutlich höhere Aktualität“, so Hennig.

Transparenz beim Verband

Christian Schubert von der Stabsstelle Kommunikation des FLVW stellte die Arbeit im Verband vor | Foto: Leonidas Exuzidis
Christian Schubert von der Stabsstelle Kommunikation des FLVW stellte die Arbeit im Verband vor | Foto: Leonidas Exuzidis

Christian Schubert von der Stabstelle Kommunikation des FLVW brachte den Anwesenden die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes näher. „Wir wollen als Dienstleister für die Vereine auftreten“, stellte Schubert heraus. Denn der Verband trete nicht nur in Erscheinung, wenn er Ordnungsgelder verhängt. Auch er versucht, seine Arbeit transparent zu gestalten. Das tut der FLVW beispielsweise durch das Medium WestfalenSport oder die Homepage, die allein sechs Millionen Zugriffe jährlich erreicht.

Des Weiteren stellte Schubert den Masterplan des DFB vor, der die Zukunft des Amateurfußballs sichern soll. Verschiedene Lösungsvorschläge, wie zum Beispiel die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements, wurden in einem Plan gebündelt und sollen die Stellung des Amateurfußballs in den nächsten Jahren weiter verbessern. In Anlehnung dessen wurde auch für den FLVW ein Masterplan entwickelt, der auf www.flvw.de heruntergeladen werden kann.

Werkzeuge des Öffentlichkeitsmitarbeiters

Nachdem die kommunikative Arbeit des Verbandes beleuchtet wurde, ging es in den Arbeitsgruppen daran, die eigenen Maßnahmen zu reflektieren. An vier Stationen, die nacheinander gewechselt wurden, tauschten sich die Öffentlichkeitsmitarbeiter angeregt über die Themen „Pressearbeit“, „Kommunikation mit Schiedsrichtern“, „Maßnahmen zur Schiedsrichtergewinnung und -erhaltung“ sowie „Onlineaktivitäten“ aus. Dabei wurde schnell deutlich, dass der Werkzeugkasten des Öffentlichkeitsmitarbeiters gut bestückt sein muss, um den kommunikativen Erfordernissen entgegen zu treten. „Ich denke, dass jeder Teilnehmer etwas für seine tägliche Arbeit mit in den Heimatkreis zurück nehmen konnte“, sagte Hennig abschließend.

Prüfungsvorbereitung in Kaiserau

Prüfungsvorbereitung in Kaiserau

Noch circa einen Monat dauert es bis zur jährlichen Überprüfung der überkreislich aktiven Schiedsrichter. Der Kreis Münster-Warendorf ist bereits voll in seiner Prüfungsvorbereitung. Am vergangenen Wochenende weilten die auf Verbandsebene aktiven Schiedsrichter des Kreises 24 beim Lehrgang im SportCentrum Kaiserau.

Nicht zum ersten Mal nutzte der Kreis 24 den Lehrgang, um fleißig einige Regelfragen zu üben. „Dieser Lehrgang bot erneut die Gelegenheit, sich optimal auf die anstehenden Verbandsprüfungen vorzubereiten“, erklärte Gereon Melchers, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses. Das Durchsprechen von Regelfragen nahm neben der Analyse von Videosequenzen einen Großteil der Zeit in Anspruch.

Doch auch der zwischenmenschliche Part kam keineswegs zu kurz: Gemeinsam besuchten die Münsteraner am Samstagabend das Bundesliga-Duell zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg. Weiter ging es am Sonntag, als Karsten Jonsson der Gruppe aus dem Kreis 24 einen Besuch abstattete. Der Verbandslehrwart referierte über aktuelle Regelauslegungen und stellte anhand von Videoszenen ebenso einige strittige Entscheidungen aus den letzten Bundesligaspieltagen dar. (le)

Tagung mit lern- und unterhaltungswert

Tagung mit lern- und unterhaltungswert

Neue Legislaturperiode, neuer Lehrwart – alles beim Alten?! Mitnichten! Die erste Lehrwartetagung in der neuen Amtszeit war Dank Oliver Topp und Karsten Jonsson alles andere als inhaltsarm.

Ob aus Tecklenburg oder dem Siegerland, ob aus dem Ruhrgebiet oder OWL – aus allen Himmelsrichtungen strömten am ersten Septemberwochenende die westfälischen Lehrwarte in die Sportschule Kaiserau. Die Lehrwartetagung begann mit „Business as usual“: beim gemeinsamen Frühstück stand nicht nur das große Wiedersehen der westfälischen Lehrwarte, sondern auch ein erstes Beschnuppern der Amtsneulinge auf dem Programm. Auch die Informationen des Vorsitzenden lieferten den üblich interessanten Inhaltsstoff. Als aber „die Stunde des Lehrwarts“ geschlagen hatte, wussten auch die Lehrwarte aus der letzten Reihe, dass die Zeiten der einseitigen Berieselung bei den Tagungen passé sind.

Der neue Verbandslehrwart Olli Topp führte den Regelpäpsten verschiedene Lehrtechniken zur Bestreitung der heimischen Lehrabende vor. Zunächst stand eine Podiumsdiskussion auf dem Programm, bei der unter anderem Lehrwarte aus Gelsenkirchen sowie aus Büren- Paderborn über die „Disziplinarkontrolle“ und ihre unterschiedlichen Facetten diskutierten. Dabei waren die richtige Taktik im Umgang mit persönlichen Strafen und Maßnahmen zur Verhinderung möglicher administrativer Fehler (z.B. bei der Eintragung im Spielbericht) Gesprächsthemen. Bei der zweiten Lehrtechnik – dem World Cafe – wurden alle Teilnehmer zu Probanden. Sie mussten an fünf verschiedenen Stationen die Erfahrungen aus ihren Kreisen zum Besten geben, unter anderem zu den Themen „Schiedsrichtergewinnung“ oder „Umgang mit Perspektivschiedsrichtern“. Jeweils ein Lehrwart blieb dauerhaft an der Station und fasste am Ende die Ergebnisse der Diskussionen zusammen. Die Teilnehmer hatten somit nicht nur eine interessante Lehrtechnik kennengelernt, sondern konnten gleichzeitig auch den Erfahrungsaustausch zu verschiedenen Themen aus den Kreisen fördern.

Rene Gimmler und Stefan Tendyck bei der Demonstration einer "Lehrform" | Foto: Hennig
Rene Gimmler und Stefan Tendyck bei der Demonstration einer „Lehrform“ | Foto: Hennig

Der zweite Teil der Lehrarbeit bestand aus Videoarbeit – insbesondere zu den Regeländerungen. Bei der Analyse der Spielszenen offenbarte sich mal wieder, dass bei drei Lehrwarten auch vier unterschiedliche Meinungen zu einer Szene möglich sein können. Insbesondere wenn die Frage „Abseits“ oder „Kein Abseits!“ vorlag. Diese Diskussion schürte die bekannten Emotionen und deckte Meinungsverschiedenheiten zur neuen, aktuellen Regelauslegung offen. Karsten Jonsson hatte somit die ambitionierte Aufgabe, allen Lehrwarten die FIFA- und DFB-Anweisungen zu verdeutlichen, so dass auch auf den westfälischen Plätzen mit einer möglichst einheitlichen Linie gepfiffen wird. Bei aller Diskussion blieb es harmonisch, was nach den vergangenen Tagungen ja nicht zwingend als selbstverständlich anzusehen war. Am Ende waren die Teilnehmer froh über eine kurzweilige Tagung und schwirrten wieder in alle Himmelsrichtungen aus zurück in ihre Kreise.

Bilder von der Tagung


| Fotos: David Hennig

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